Werken und basteln

Kette wechseln, Schaltung oder Bremse einstellen, einen Bowdenzug auswechseln oder ein Tretlager montieren: Wenns ums Reparieren von Fahrrädern geht, dann macht Roman Jaich so schnell keiner was vor. Der 52-Jährige gehört zum Team der ADFC Mitglieder, die ehrenamtlich die Fahrrad-Selbsthilfewerkstatt in der Brunnenstraße betreuen. Seit zehn Jahren ist er dabei – und damit der dienstälteste freiwillige Schrauber. Mit ihm sprach CLAUDIA LIPPERT.

radzeit: Wer kann die Werkstatt nutzen?
Roman Jaich: Zu den Öffnungszeiten des Buchund Infoladens können ADFC Mitglieder ihre Räder hier reparieren – ohne Anleitung. Mittwochs und freitags zwischen 17 und 20 Uhr können auch Nicht-Mitglieder kommen, dann sind auch immer Ehrenamtliche hier, die Tipps geben.

Tipps geben? Oder die Räder reparieren?
Die Idee ist, dass die Leute das schon selbst machen, und wir sie dabei unterstützen. Schließlich ist das Ganze als Selbsthilfewerkstatt angelegt. Faktisch reparieren wir meist gemeinsam.

Was kann hier repariert werden?
So ziemlich alles, was in einem Fahrradladen auch gemacht wird. Das Einzige, was wir nicht können, ist Schweißen.

Welche Klientel kommt in die Werkstatt?
Vor zehn Jahren waren es eher die älteren Tourenleiter, inzwischen sind unsere „Kunden“ deutlich jünger geworden. Zum Teil sind das Leute, die viel Ahnung haben, fast alles können, aber zu Hause keine Werkstatt haben. Es kommen aber auch Radfahrer, die offen sagen, dass sie bestimmte Reparaturen nicht allein schaffen, aber kein Geld für eine Reparatur im Fahrradladen haben. Bei uns muss ja nur das Material bezahlt werden, die Werkstattnutzung und unsere Unterstützung gibts gratis. Das läuft dann auf Spendenbasis.

Radzeit 03_04-Druckfassung_Seite_10_Bild_0002Wie stark wird die Werkstatt frequentiert?
Wenn es frühlingshaft wird oder auch kurz vor Pfingsten ist hier die Hölle los. Da können Werkstattnutzer nicht erwarten, dass wir ihr Rad generalüberholen und bei allen Reparaturen dabei sind. Bislang mussten wir aber noch niemandem sagen: Komm nächste Woche wieder. Wer sicher gehen möchte, dass wir genügend Zeit für ihn haben, sollte sich antizyklisch verhalten, also zwischen November und Februar kommen.

Dann habt Ihr vermutlich auch mehr Zeit für die Fahrradcodierungen?
Richtig. Aber in der Regel kommen die Leute natürlich dann, wenn sie sich ein neues Rad gekauft haben. Und das ist eben meist im Frühjahr. Da codieren wir manchmal bis zu zehn Räder am Tag. Knapp 500 sind es im Jahr. Für Mitglieder kostet das fünf, für Nicht-Mitglieder zehn Euro.

Was ist Deine persönliche Motivation für die Arbeit in der Werkstatt?
Ich bin Radfahrer aus Überzeugung und Leidenschaft, wollte mich beim ADFC einbringen. Dann macht man eben eine Sache, die man kann. Und die Arbeit hier macht mir einfach Spaß. Nicht zuletzt deswegen, weil wir ein gutes Team sind.