Was geht am Ostkreuz?

Friedrichshain – Seit Jahren schon baut die DB das Ostkreuz um und aus. Die Mobilitätsdrehscheibe im Ostteil der Stadt wird dabei um einen Regionalbahnsteig aufgewertet. Künftig werden noch mehr Fahrgäste mit dem Rad zum Ostkreuz kommen. Eine Fahrradstation ist in Planung, doch es wird zu klein gedacht. Von Philipp Poll und Franziska Schneider

Paradiesische Zustände – Verkehrsplanerische Visionen an Ost- und Westkreuz

Paradiesische Zustände – Verkehrsplanerische Visionen an Ost- und Westkreuz

Wie dringend sich die Berliner, die im Einzugsbereich des Ostkreuzes wohnen oder arbeiten, am Bahnhof sichere Fahrradabstellanlagen wünschen, zeigte 2012 eine Internetbefragung . Seither hat der Radverkehr besonders im Innenstadtbereich bekanntlich weiter zugenommen, sind immer mehr Menschen intermodal unterwegs. Entsprechend hoch ist der Bedarf nach ordentlichen Fahrradbügeln (gut beleuchtet, überdacht, gestaltet) und nach einer diebstahlsicheren Lösung für hochwertige Räder und das Abstellen über Nacht.

»Die vom Senat formulierten Anforderungen hören sich recht benutzerfreundlich an«, sagt Franziska Schneider von der ADFC-Stadtteilgruppe, »auch ein Fahrradparkhaus ist angedacht, aber der Bedarf scheint uns viel zu knapp berechnet.«

Vorgesehen sind rund tausend Fahrradabstellplätze [1]. Für einen Bahnhof, der künftig von 150.000 Personen täglich frequentiert werden soll, ist der künftige Mangel schon jetzt absehbar. Rund um das Ostkreuz haben sich in den vergangenen Jahren neue Büro- und Gewerbestandorte etabliert, wurden Wohnbereiche nachverdichtet. Die ADFC-Stadtteilgruppe rechnet mit einem Bedarf von 3.000 Stellplätzen.

Zum Vergleich: In der Radstation am Hauptbahnhof in Münster mit ihren 3.300 Fahrradstellplätzen wird es inzwischen eng. Die Stadt selbst hat rund 300.000 Einwohner, den Hauptbahnhof nutzen täglich 60.000 Reisende. In der vergleichbar großen, niederländischen Stadt Utrecht wird gerade die bestehende Fahrradstation um 12.500 Stellplätze erweitert.

Ideallösung

Die ADFC-Stadtteilgruppe spricht sich für zwei Fahrradparkhäuser aus – eines auf der westlichen Bahnhofsseite (für Rudolf- und Travekiez) und eines auf der östlichen (für Victoriastadt und Rummelsburger Bucht). Diese sollten nach dem Modell der Fahrradstation möglichst mindestens um einen Verleih- und Reparaturservice und Radzubehörverkauf ergänzt werden.

Damit hätte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt die Chance, sich mit zukunftsorientierter, klimafreundlicher Radverkehrsplanung zu profilieren und auch der Deutschen Bahn stünde der neue Service für Fahrgäste gut zu Gesicht.


[1] Protokoll der Bürgerversammlung 04. März 2015, asum GmbH

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