Voll-Zug

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Rückfahrt per Rad

Wer sich mehr Sicherheit auf den Bahnsteigen wünscht, sollte einfach eine Fahrradaktion ankündigen: An jedem Berliner Halt des RE2 Richtung Cottbus standen am 10. März Polizisten und schauten, ob es sich rund um die ADFC-Aktion auch nicht zu Turbulenzen auswüchse. TEXT UND FOTOS VON KERSTIN E. FINKELSTEIN

Auch die ODEG selbst war ausnahmsweise mit gleich drei Zugbegleitern unterwegs. Diese erklärten den Zusteigenden nicht etwa, dass sie am besten zu Hause bleiben sollten, sondern zeigten, wo sie mit ihren Rädern noch den besten Stellplatz fanden. Und so verlief die wilde Massenausfahrt denn auch entspannt und reibungslos.

Die Idee zu dieser Art der Kapazitätenprüfung hatten drei Tourenleiter. Jan Schaller, Martin Senzel und Jörg Siewert hatten schon oft genug erlebt, dass ihre geführten Touren einen unschönen Abschluss fanden: Wer nach Brandenburg fährt, kann leider nicht damit rechnen, am späten Nachmittag oder Abend auch wieder mit dem vorgesehenen Zug nach Hause zu kommen. Das liegt zum einen an den begrenzten Kapazitäten der Mehrzweckabteile, die neben Fahrrädern auch Rollstuhlfahrer und Kinderwagen fassen sollen. Zum anderen wird oftmals auch schlicht schlecht koordiniert. So werden Reisende ohne Rad und Kinderwagen offenbar geradezu magisch von den Klappsitzen der Mehrzweckwagen angezogen. Dass anderswo im Zug benso Platz für sie wäre, interessiert viele dabei nicht. Stattdessen blockieren sie den Platz für Fahrräder und lassen sich weder durch höfliches Bitten noch durch Hinweise auf die Sachlage zum Umsetzen bewegen.

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Vom ADFC entspannt gefülltes Radabteil

Da Brandenburg aber reizvolle Ecken hat, beschlossen die drei Tourenleiter, mit einer Aktion auf Probleme und mögliche Lösungen hinzuweisen. Fast 100 ADFC-Mitglieder folgten ihrem Aufruf und stiegen samt ihrer Räder in den Zug. Dank guter Koordination und Rücksichtnahme kamen auch alle entspannt am abgesprochenen Zielort Königs Wusterhausen an. Nicht einmal verspätet war der Zug trotz des „erhöhten Fahrgastaufkommens“. Während sich die ODEG per Lautsprecheransage bei ihren ADFC-Fahrgästen verabschiedete und Dank für die gelungene Zusammenarbeit aussprach, ging für die Radfahrer selbst der Hauptteil der Tour erst los: 45 Kilometer radelte der Trupp bei strahlendem Sonnenschein und erstaunlichen 16 Grad über Mittenwalde und mit Boxenstopp im Diedersdorfer Biergarten zurück gen Berlin.

Bewiesen war da schon, dass Brandenburg bei gutem Willen bereits jetzt nicht von Fahrradtouristen abgeschnitten werden muss. Damit über dieses Entgegenkommen in Zukunft weniger diskutiert werden muss, sollten die zukünftig bestellten Züge zudem schlicht auf einige Klappsitze in den Mehrzweckabteilen verzichten oder anderweitig mehr Stauraum für Räder schaffen.

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