Völlig losgelöst von der Erde

BMX-Fahren hat in Berlin eine Adresse: den Mellowpark an der Wuhlheide. Für alle, die mit ihrem Rad nicht nur mal durch die Halfpipe auf ihrem Schulhof fahren wollen, ist das 66.000 Quadratmeter große Areal in Oberschöneweide ein Muss. VON KATRIN STARKE UND CLAUDIA LIPPERT.

Sebastian hat die Kamera mit dem Teleobjektiv im Anschlag. »Bin bereit«, ruft der 22-Jährige seinem Kumpel Alessandro (24) zu. Der atmet noch einmal tief durch und schon rast er auf seinem Dirt-Bike den ersten Lehmhügel runter, den nächsten wieder rauf. Auf dem Scheitelpunkt zieht er das Gefährt hoch, steht für gefühlte Sekunden in der Luft, bevor die Räder wieder auf dem festgeklopften Lehm aufsetzen. Klick, klick, klick. Sebastian hat seine Kamera auf Serienbild eingestellt. Schon kommt Vincent (21) über den Parcours geheizt, für den die beiden Jungs aus Kiel auf ihrer Tour nach Berlin extra noch den Umweg über Rostock in Kauf genommen haben. Für die BMX-Enthusiasten aus Norddeutschland ist der Mellowpark mit seinen »Dirts« die allererste Adresse. »Die Infrastruktur hier ist echt gut«, schwärmt Vincent. Zwar gebe es in Rostock inzwischen auch einen Parcours, BMX-Fans hätten dafür eigens ein Grundstück gemietet, aber der Mellowpark sei »eine ganz andere Hausnummer«. Vincent schaut aufs Display von Sebastians Kamera. Mit dem »Three Sixty« ist er noch nicht zufrieden. Was das ist? »Die 360-Grad-Drehung im Sprung«, erklärt er. Beigebracht hat er die sich selbst. »Ich kenne keine Grenzen. Wenn ich mir vornehme, etwas zu schaffen, probiere ich das, bis ich‘s hinkriege«, sagt der 21-Jährige. »Und hier auf den Dirts, da kriegste ‘nen richtig guten Flow«, fügt Alessandro hinzu.

In der BMX-Szene ist der Mellowpark ein Begriff.
Regelmäßig besuchen die Jungs aus dem Norden den Mellowpark. Den kennen sie schon ein paar Jahre, der hat einen Ruf. Denn auf der 450 Meter langen Supercross-Strecke, die es seit 2012 gibt, trainiert auch das BMX-Nationalteam. So etwas weiß man in der Szene. Doch der Mellowpark zieht die Meister unter den BMX-Fahrern nicht erst an, seit BMX 2008 als olympische Disziplin geadelt wurde. Schon 2003 war der Mellowpark Austragungsort der German Open, der Deutschen BMX-Meisterschaft, und entwickelte sich zu einem Mekka für BMX-Fahrer aus aller Welt. Damals war er allerdings noch auf einem anderen Gelände. Den Nutzungsvertrag für das heutige Grundstück an der Wuhlheide unterzeichnete der Mellowpark e.V. erst 2010. Nach langem Ringen um eine neue Location ging der Verein aus einem Kreis von BMX-Verrückten aus dem Köpenicker Allende-Viertel hervor, die 1994 die Idee für das Areal hatten. Den ursprünglichen Platz an der Friedrichshagener Straße

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Vincent (21) aus Rostock ist begeistert von den Dirts im Mellowpark. Die 360-Grad-Drehung im Sprung hat er sich selbst beigebracht. »Eine Weile« habe das schon gedauert, »aber wenn du das schaffen willst, dann hilft nur üben, üben, üben.« Foto: Katrin Starke

musste der Verein Ende 2008 aufgeben: Nachbarn hatten sich beschwert, der Mietvertrag wurde gekündigt. Lange Zeit hatte es so ausgesehen, als würde dies das Aus für den Mellowpark bedeuten. Doch das Team war hartnäckig und baute am neuen Standort, dem lange ungenutzten Areal des einstigen Paul-Zobel-Stadions direkt am Ufer der Spree und mit herrlichem Blick auf die Köpenicker Altstadt, alles neu auf. Neue Dirts, aber auch Basketballcourts. Sie richteten eine Skatehalle ein und »Wickes Woodie« – den Court, auf dem schon die Jüngsten mit dem Roller fürs spätere BMX-Fahren üben. Sie stampften »Rudis Reste Rampe« aus dem Boden. Das Halfpipe-Ensemble, das Marcel (30) seit zwei Jahren immer wieder magisch anzieht. Ursprünglich kam er, seit er aus dem brandenburgischen Elbe-Elster-Kreis nach Berlin gezogen war, zum Skaten her, dann packte ihn das BMX-Fieber. »Klar kriegste das besser hin, wenn du früher anfängst«, sagt er. Doch BMXer untereinander, die würden sich helfen. »Da kann man sich schon ganz gut steigern«, sagt er, während er sich mit dem Handrücken den Schweiß von der Stirn wischt. »Aber der Weg ist das Ziel.«


Wie der Mellowpark erreichbar ist:
Mit der S-Bahn (Linie S3) bis Bahnhof Köpenick, mit der Tram 63 bis Alte Försterei.

Die Öffnungszeiten:
Mo – Fr, 14 bis 20 Uhr, Sa & So 12 bis 20 Uhr. In den Ferien: Montag bis Sonntag 12 bis 20 Uhr. Das Tagesticket kostet 3 Euro, das Monatsticket 15 Euro. Wer noch nie im Mellowpark war, kann an einem BMX-Einführungskurs teilnehmen. Dort bekommt man erklärt, wie man die Rampen und Lehmhügel richtig fährt. Der Kurs findet jeden Sonntag von 11 bis 12 Uhr statt. Wer noch kein eigenes BMXRad hat, kann sich eins ausleihen. Der Einführungskurs kostet fünf Euro, die Ausleihgebühr für ein Bike weitere fünf Euro. Schutzausrüstung gibt‘s kostenlos. Infos unter 030/64 32 98 41 und www.mellowpark.de


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