VELOFAHRT – ein Austausch kommt in Fahrt

© Allice Pavillet

Fünfzehn französische Kolleginnen und Kollegen besuchten im Oktober 2017 bereits zum zweiten Mal den ADFC Berlin. In einer ereignisreichen Woche diskutierten die Gäste mit rund 30 Aktiven des ADFC, Fahrradaktivisten, Politikern und Interessierten Themen rund ums Fahrrad in Deutschland und Frankreich. Von Anne Weise.

»In Berlin fahren wirklich viele Menschen Fahrrad! Das wünschen wir uns auch für Toulouse, aber von dieser Vision sind wir noch weit entfernt! Wir fragen uns, wie wir Fahrradfahren für alle Menschen attraktiv machen können«, erzählt Guillaume Crouau, Mitglied des Vorstands der »Maison du Vélo Toulouse« (übersetzt „Haus des Fahrrades“) nach einer gemeinsamen Besichtigungstour der Radwege Berlins. Dies ist eine der Kernfragen, um die sich das Projekt »Velofahrt« dreht. Ähnlich wie der ADFC arbeiten auch Guillaume und ihre französischen Kollegen in der NRO aus Toulouse an den Themen Mobilität, Infrastruktur oder Verkehrserziehung – und wollen wissen, was in Berlin in diesen Bereichen passiert.


© Anne Weise

»Für uns ist Deutschland ein Fahrradparadies. Wir Franzosen haben den Eindruck, dass wir in Sachen Fahrrad den Deutschen hinterherhinken. In Berlin sind die Radwege breiter und besser sichtbar. Bei uns ist es vor allem in den Innenstädten kompliziert, Rad zu fahren, weil die Fahrradwege teilweise abrupt enden. In Berlin gibt es auch viel Verkehr, aber ich habe trotzdem das Gefühl, dass hier alle Radfahren.«
Nadia, Personalwesen Maison du Vélo

 

»Wir fühlen uns in Toulouse als Radfahrende nicht wirklich sicher. Oft sind die Radwege mit den Busfahrstreifen geteilt, die uns mit gefährlichen Manövern überholen. Autos fahren gefährlich eng auf oder schneiden uns. Das macht uns verwundbar auf der Straße. Was uns in Frankreich und Toulouse fehlt sind Radverkehrsanlagen, wie ich sie in Berlin gesehen habe. Mich hat der Kreisverkehr am Moritzplatz sehr beeindruckt: Radfahrende haben viel Platz und sogar Vorrang.«
Angélique, Aktive Maison du Vélo

 

Das VELOFAHRT-Team vor dem Reichstagsgebäude © Allice Pavillet

 

© Anne Weise

»In Toulouse und anderen französischen Städten sind die Straßen eng. Verschiedene Konzepte werden hier gerade ausprobiert, um Verkehrsflächen gerechter zu verteilen: Autofahrende, Radfahrende und zu Fuß Gehende müssen sich den Platz teilen. Das stellt Toulouse vor die Herausforderung eine Verkehrsinfrastruktur zu entwickeln, die der wachsenden Stadt mit steigendem Radals auch motorisiertem Individualverkehr gerecht wird. Das Berliner Mobilitätgesetz scheint diesen Spagat der verschiedenen Anforderungen zu meistern. Wir hoffen, noch mehr von Berlin lernen zu können.
Guillaume, Vorstand Maison du Vélo

 

»Ich fand es spannend, wie vielschichtig die Maison du Vélo aufgebaut ist. Das Lernen voneinander fand ich in dem Austausch besonders interessant, gerade in Bereichen, mit denen wir uns bisher gar nicht beschäftigen, etwa Schulklassenfahrten per Rad. Das erlaubt uns, Fahrrad im Kontext Schule noch einmal ganz neu zu denken.«
Britta, Projektkoordinatorin KidBike e.V.


Der Verein KidBike e. V., dritter Partner in dem einwöchigen Austausch, betreut mehrere Fahrradwerkstätten für Mädchen und junge Frauen und unterstützt Kinder und Jugendliche sowie geflüchtete Menschen in Tempelhof und Kreuzberg. Neben dem Austausch über Verkehrskonzepte standen daher Besuche in den Werkstätten von Kidbike e.V. auf dem Programm.

Der nächste Teil der Vélofahrt befindet sich bereits in Planung und wird unter Vorbehalt vom 20.10. –27.10.2018 in Toulouse, Frankreich stattfinden. Acht Plätze werden voraussichtlich über das Programm Erasmus+ und das Deutsch-Französische Jugendwerk gefördert. Anmeldung und nähere Informationen zum vorläufigen Programm bei: anne.weise@adfc-berlin.de

Weitere Informationen:

Website-Beitrag zum Programm der Velofahrt-Woche

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