Untoter Winkel

Es geistert ein Gespenst durch den deutschen Verkehr: Der so genannte „tote Winkel“. Halbe Schulklassen sollen sich verstecken lassen in diesem Bermudadreieck rechts der Beifahrertür jedes Lkw. „Und tatsächlich führt die Fuhrgewerbe-Innung auch immer noch solche Vorstellungen an Schulen durch“, berichtet Daniel Pepper. VON KERSTIN E. FINKELSTEIN

Als Gast in der ADFC-Verkehrs-AG erläutert er, dass es den „toten Winkel“ technisch nicht mehr gibt. Seit spätestens dem Jahr 2009 nämlich müssen EU-weit Lkw ab 3,5 Tonnen mit zusätzlichen Spiegeln sogar nachgerüstet sein. Mit dem Frontspiegel sieht der Fahrer den Bereich vor seinem Führerhaus, mit dem Rampenspiegel kann er einen zwei Meter großen Bereich direkt neben der Beifahrertür kontrollieren und mit dem Weitwinkelspiegel wird schließlich der gesamte Bereich des einstmals „toten Winkels“ neben dem Fahrzeug abgedeckt. Alle drei Spiegel liegen dicht nebeneinander und lassen sich durch einen kurzen, gleitenden Blick erfassen.

„Leider stellen zu viele Fahrer ihre Spiegel jedoch falsch ein“, so Pepper. Das lässt sich sogar vom Laien überprüfen: Man stelle sich schlicht als Fußgänger oder Radfahrer neben ein Fahrzeug und schaue in die Spiegel. „Oft sieht man dann alles Mögliche – aber nicht die Augen des Lkw-Lenkers selbst oder die Kopfstütze des Fahrersitzes, wenn der Lkw abgestellt ist.“ Und nichts zu sehen bedeutet, auch selbst nicht gesehen zu werden. Selbst bei Polizeikontrollen nehmen viele Fahrer die so entstehende Gefahr nicht ernst. Es heißt dann zum Beispiel, „damit habe ich nichts zu tun, das macht die Werkstatt“. Über diesen laxen Umgang muss man sich nur wundern, schließlich geht es hier um Menschenleben: In den vergangenen Jahren verursachten Lkw-Lenker in Berlin jeden dritten tödlichen Radfahrunfall. Statt weiter das Märchen vom sich hilflos blind vorantastenden Lastkraftwagen zu verbreiten, geht es deshalb jetzt im Interesse aller Verkehrsteilnehmer darum, endlich die vorhandene Rundumsicht zu nutzen. Dazu gehört nicht nur eine sorgfältige Einstellung der Spiegel, beispielsweise auf den eigens eingerichteten Spiegel-Einstellplätzen der DEKRA, sondern auch eine Sensibilisierung der Fahrer.

Fehler von Kraftfahrern beim Abbiegen sind die Hauptursache von Radunfällen, denn zu viele Kraftfahrer beachten nicht, dass abbiegende Fahrzeuge generell anderen Verkehrsteilnehmern den Vorrang lassen müssen. Um die eigene Sicherheit zu erhöhen, achten Radfahrer daher besonders auf abbiegende Fahrzeuge. Der ADFC fordert, dass das Verhalten von Kraftfahrern beim Abbiegen von der Polizei noch stärker überwacht will das Thema weiter vorantreiben.

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