Unfallbilanz: Radfahren nicht sicherer

Die Verkehrsunfallstatistik der Polizei für das Jahr 2017 zeigt keine höhere Sicherheit für Radfahrende.  Zwar ging die Zahl der Radunfälle gegenüber dem Vorjahr zurück, die Zahl der schwer verletzten Opfer von Radunfällen stieg jedoch. Außerdem verunglückten mehr Kinder auf dem Fahrrad als im Vorjahr.  Der ADFC ruft auf zum Ride of Silence am 16. Mai, einer Demonstration zum Gedenken an verunglückte Radfahrende. Von Nikolas Linck.

Im Jahr 2017 geschahen in Berlin 7.111 Radunfälle. Die Zahl der Unfälle nahm damit gegenüber dem Vorjahr um 6,1 Prozent ab. Jedoch wurden 665 Menschen bei Radunfällen schwer verletzt, 34 mehr als im Vorjahr. Neun Radfahrerinnen und Radfahrer kamen im Straßenverkehr ums Leben. Die Zahl der auf dem Fahrrad verunglückten Kinder stieg von 381 im Jahr 2016 auf 404 im vergangenen Jahr. Die häufigste Ursache für Radunfälle ist fehlerhaftes Abbiegen von Kfz-Führenden. Die schlimmsten Folgen haben dabei Unfälle mit Lkw – ein Drittel der getöteten Radfahrerinnen und Radfahrer sind Opfer von rechtsabbiegenden Lkw. Mit der aktuellen Unfallbilanz setzt sich der langfristige Trend der letzten Jahre fort, in denen sich die Zahlen der Radunfälle und die der verletzten Radfahrer nahezu synchron mit der Zu- oder Abnahme des Radverkehrs entwickelten. Von einer nachhaltige Erhöhung der Verkehrssicherheit kann daher nicht gesprochen werden. Die Zahl der Verletzten und Toten bleibt erschreckend hoch. Auch die rot-rot-grüne Koalition kann nach einem Jahr keine nennenswerten Erfolge aufweisen.

„Auf der Straße ist alles wie gehabt: Bekannte gefährliche Kreuzungen bleiben unangetastet. Falschparker, die im Kreuzungsbereich die Sicht behindern oder Radstreifen blockieren, haben noch immer kaum etwas zu befürchten. Die Fahrradstaffel der Polizei, welche in ihrem Einsatzgebiet die Sicherheit nachweislich erhöht, bleibt weiter auf einen Bezirk beschränkt“, kritisiert Evan Vosberg, stellvertretender Landesvorsitzender des ADFC. Auch ADFC-Verkehrssicherheitsexperte Daniel Pepper mahnt: „Von einer Trendwende fehlt jede Spur. Seit Jahren versagt der Senat darin, die Zahl der Verletzten und Toten langfristig zu senken, die zunehmenden Abbiegeunfälle zu reduzieren und insbesondere die Fußgänger und Radfahrer besser zu schützen.“ Er zeigt sich trotzdem erleichtert, dass 2017 weniger Menschen auf dem Fahrrad verunglückten als im Jahr zuvor. „Das Radfahren ist nicht gefährlicher geworden“, so Pepper.

Weltweit fordern Radfahrende beim Ride of Silence mehr Sicherheit für Radfahrende. In Berlin organisiert der ADFC die Demonstration, die in diesem Jahr am 16. Mai stattfindet. © Andreas Stenzel

Ride of Silence 2018: Weltweites Statement für mehr Sicherheit

Im Jahr 2018 wurden in Berlin bereits drei Radfahrende im Straßenverkehr getötet. Der Verein Changing Cities rief gemeinsam mit dem ADFC Berlin zu Mahnwachen auf. Der ADFC Berlin stellte an den Unfallorten weiße Geisterräder zum Gedenken an die Getöteten auf. Am 16. Mai ruft der ADFC Berlin wie in den vergangenen Jahren zum Ride of Silence auf. Die schweigende Demonstration findet weltweit in mehr als 350 Städten auf sieben Kontinenten statt. Die Teilnehmenden erinnern an Radfahrende, die im Straßenverkehr verletzt oder getötet wurden und fordern mehr Sicherheit. In Berlin nahmen in den letzten Jahren mehr als tausend Menschen an der Demonstration teil, welche viele der Unfallorte passiert, an denen Radfahrende getötet wurden. Start ist um 19 Uhr am Brandenburger Tor, die Teilnehmenden werden gebeten, weiße Kleidung zu tragen.

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