Susanne Henckel: »Da ist noch viel Musik drin.«

Die Geschäftsführerin des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg (VBB), im Gespräch über Abstellanlagen für Fahrräder an Bahnhöfen und was sich Pendler*innen wünschen. Das Interview führte NICOLE OPITZ.

Was braucht es Ihrer Meinung nach in Berlin und Brandenburg, damit Pendler*innen lieber klimafreundlich mit Rad und Bahn fahren statt mit dem Auto?
Ich persönlich glaube, dass es sehr wichtig ist, dass es hochwertige Abstellanlagen für Fahrräder an allen Zugangsstellen für den ÖPNV gibt. Das Ziel gibt es seit vielen Jahren. Dennoch kann man beobachten, dass ein einfach hingestellter Fahrradständer das Angebot ist. Das ist nicht im Sinne der Fahrradfahrenden.

Was bedeutet „hochwertige Abstellanlagen“?
Sie müssen wie ein Flaggschiff zu jeder Station dazugehören. Diese Abstellanlagen, wenn sie gut gepflegt sind, machen deutlich: Hier benutzen viele Menschen umweltfreundliche Verkehrsmittel, um zur Station zu kommen. Eigentlich ein tolles Signal, mit dem sich dann alle auch ein bisschen brüsten können. Eine Überdachung muss sein, es muss abschließbare Boxen geben, es muss die Möglichkeit geben, E-Bikes mit einer Nachladestruktur zu versorgen. Wir brauchen fertige Module und diese müssen zum Grundangebot einerjeden Zugangsstation gehören. Das Thema Abstellanlagen ist nach meiner Sicht der Nukleus.

Haben Sie ein Positivbeispiel?
Es gibt in Deutschland große Anlagen an großen Bahnhöfen, die funktionieren. Ich glaube, es ist wichtig, hier sehr zügig an einen Ausbau ranzugehen. Das große Problem sind die Flächenverfügbarkeiten. Es scheitert nicht am guten Willen, sondern es ist schwer, an attraktive Flächen in unmittelbarer Nähe der Bahnhofseingänge zu kommen. Es ist sehr schade, dass man manchmal mit dem Auto bis fast vor die Tür der Eingänge fahren kann, aber mit dem Fahrrad im Hinterhof landet.

Und haben Sie ein Positivbeispiel für Abstellanlagen in Berlin?
(schweigt) Tja. Das sagen Sie mir jetzt mal.

Mir fällt keines ein.
Ich bin regelmäßige Nutzerin der Station Bahnhof Zoo und bin immer wieder erstaunt, dass dort kaum ein vernünftiges Angebot existiert. Geschweige denn ein überdachtes. Ich denke, da ist noch viel Musik drin.

Vielen Dank für das Gespräch!