Tourentipp: Spur der Steine

Spur der Steine – ein zarter Brocken

Uckermark: Auf dieser Tour durch Brandenburgs Norden lässt sich die schöne Landschaft mit buntem Kinderprogramm kombinieren. Von STEFAN JACOBS.

Die Aussicht auf eine hübsche Gegend mag Erwachsenen genügen, aber Kinder lockt man damit nicht unbedingt aufs Rad. Was also darf man ihnen für die „Spur der Steine“ versprechen? Na ein Märchenschloss, eine uralte Ruine, einen klasse Eisladen und die dicksten Eichen der Welt. Je nach Sai‐
son außerdem Badegelegenheiten und Obst, das sich fast während der Fahrt pflücken lässt. Die mit Rad-und-Findling-Logo beschilderte Tour längs durch die Uckermark ist ein reines Brandenburger Projekt: 55 Kilometer von Templin bis an die Landesgrenze zu MeckPomm, wo die Beschilderung einfach aufhört. Also fährt man noch 23 Kilometer weiter bis zum Bahnhof Blankensee mit Direktverbindung nach Berlin. Macht 78 Kilometer (oder mit Abkürzung 68), die hervorragend in ein Wochenende passen. Von Templin aus nordwärts wie hier beschrieben – oder umgekehrt, wenn nach der Übernachtung in Boitzenburg die zweite Etappe die kürzere sein soll und man sich zum Abschluss vielleicht noch ein warmes Bad in der Templiner Therme gönnen mag.
Wo die Brummeldieselbahn in Templin-Stadt endet, wechseln wir also aufs Rad und rollen wahlweise eine Runde durchs Städtchen mit ein paar hübschen Fachwerkhäusern und Angela Merkels Schule; oder gleich weiter parallel zum Gleis. Nach ein paar Schlenkern geht’s neben zur B109 aus Templin heraus. Das altehrwürdige gelbe Gebäude des Joachimsthalschen Gymnasiums links am Weg soll 2024 als „Europäische Schule Templin“ öffnen. Der hübsche Staudengarten daneben öffnet schon jetzt,
aber nur mittwochs von 10 bis 12 oder wenn jemand darin werkelt.
Nach ein paar radweglosen Metern in Fährkrug geht’s zweimal links auf einen Bahntrassenweg. Der führt asphaltiert zwischen Baumreihen entlang, passiert als Damm nasse Erlenbrüche und öffnet immer wieder hübsche Blicke auf die Felder und Hügel ringsum. Dabei verläuft er dank seines früheren Lebens fast steigungsfrei zwischen teils steilen Hängen. Hin und wieder gibt’s auch Steine: sehr alte Schweden, von der Eiszeit hergeschoben und von mittelalterlichen Bauern an die Feldraine geschleppt. Ein hübsches Panorama; je nach Jahreszeit sogar mit Obstgarnitur: Mirabellen, Äpfel, Pflaumen. Dazu viel Ruhe und Natur.
Ein paar Spuren der Bahn wurden in Hardenbeck bewahrt – als Mobiliar eines kuriosen Rastplatzes: Klappsignale, Infotafel, Schranke und eine Trabi-Nase, die aus einer Replik der Berliner Mauer ragt. Die Tafel erzählt die Geschichte der Bahn, die seit 1913 nicht nur Menschen transportierte, sondern auch
Agrarprodukte aus der Uckermark nach Berlin. Bis 1945, als das Gleis als Kriegsreparation in die Sowjetunion gebracht wurde. Der Damm verwaiste. Die nächsten drei Kilometer nach Boitzenburg sind hügelig, aber dort gibt’s Gelegenheit zum Ausruhen: Das prächtige Schloss der Adelsfamilie von Arnim strahlt mit seinen Erkern und Türmen unverschämt weiß in der Landschaft – und bietet Quartiere von schlicht bis schick. Nach dieser kurzen ersten Etappe bleibt noch genug Zeit zum Schlemmen vor der Marstall-Bäckerei gegenüber dem Schloss oder vor der MokkaMilch-Eisbar (August-Bebel-Str. 31) und für eine kleine Wanderung von der alten Klostermühle – das Kloster war die Backsteinruine dahinter – durch den Tiergarten. Der hat seinen Namen von den Tieren, die die Bauern hierher zum Fressen trieben. Die Jahrhunderte der Beweidung ließen nur wenige Jungbäume groß werden – aber die dann richtig: Uralte Eichenriesen lassen die Waldgesellschaft ringsum fast mickrig wirken. Als Imbiss in diesem Naturtheater gibt’s Waldhimbeeren.

Signalwirkung: Am Rastplatz Hardenbeck wird auch die Geschichte der Bahntrasse erklärt. © Stefan Jacobs

Wald und Eiszeithügel

Wenn dann noch Kondition und Zeit übrig sind: Am Küchenteich beim Schloss gibt’s Boote zu mieten. Einen besonderen Wald streift auch die weitere Route, die von Boitzenburg nordwärts führt – ausnahmsweise ohne Radweg auf der etwas rumpligen, aber ruhigen Landstraße nach Krewitz: Die Zerweliner Heide ist durchzogen von steilen Eiszeithügeln. Zur DDR-Zeit militärisches Sperrgebiet, wurde sie nach der Wende dem WWF übertragen, der sie zur Wildnis entwickeln will. Der Wegweiser zum Hof Kokurin in Naugarten kann als Wink für den nächsten Urlaub verstanden werden.

Für den Anfang reicht es, hundert Meter hineinzufahren und die gigantischen Linden vom Ende des 18. Jahrhunderts zu bewundern, die den Weg säumen. Aber die eigentliche Route führt auf der Landstraße weiter nach Krewitz, wo sie wieder als separates Asphaltband autofrei durchs weite Land führt. An Weggun vorbei geht’s nach Parmen, wo aus einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme das reizend gelegene Kräutercafé entstanden ist, in dem Andrea Tietz mit ihrem Mann opulente Kuchen und Torten serviert und Radler an warmen Tagen mit hausgemachtem Eistee beglückt. Bei Bedarf lässt sich die Tour hier um knapp zehn Kilometer verkürzen, ohne dass man viel verpasst: von Parmen direkt auf der Allee nach Warbende. Die reguläre Route macht eine Schleife durch Fürstenwerder, von wo sie wieder südwärts schwenkt und über steile Hügel nach Warbende an die Landesgrenze führt. Auf Mecklenburger Gebiet geht’s über radweglose, aber ruhige Alleen via Lichtenberg und Wendorf nach Krumbeck, wo sich die Pferde im Lenné-Park rechts der Straße vielleicht über Besuch freuen. Der Bahntrassenweg ab Bredenfelde wird nach kurzer Zeit zum Waldpfad. Aber in Quadenschönfeld hat einen die Zivilisation wieder – und grüßt freundlich in Gestalt eines Café-Ladens in einem alten Eisenbahnwagen. Schnurgerade und glatt geht es westwärts weiter nach Blankensee, wo man je nach Saison vor Abfahrt des Zuges noch eine Birne oder einen Apfel pflücken kann. Beides hochverdient.

© ADFC Berlin

Hier gibt es die Tourdaten zum Download als GPX-Datei: