Wegeheld3

Der Wegeheld Heinrich Stößenreuther

Falschparken scheint keine große Sache: Ist kein Parkplatz zu finden, stellt der gemeine städtische Autofahrer sein Auto einfach irgendwo anders ab. Während er selbst alsdann entspannt zum Einkauf oder Kneipenbummel aufbricht, erzeugt sein Fahrzeug Probleme: Auf der Radspur postiert, zwingt es etwa Radfahrer zum gefährlichen Ausweichen; auf dem Bürgersteig geparkt, grenzt er Fußgänger ein; und vor abgesenkten Bordsteinen lässt er den Gehweg zur unentrinnbaren Falle für Rollstuhlfahrer werden. TEXT UND FOTO VON KERSTIN E. FINKELSTEIN

Während andere Verkehrsteilnehmer durch diese Park-and-block Methode eingeschränkt oder gar gefährdet werden, darf der Kfz-Lenker davon ausgehen, dass er nicht einmal die ohnehin überschaubaren Falschparkergebühren zu zahlen hat. Schließlich ist die Chance, dass gerade hier und jetzt eine Ordnungsamtstreife vorbeizieht, gering. Bei Fußgängern, Rollstuhlfahrern und Radfahrern hingegen herrscht Ohnmacht.

Geht es nach Heinrich Strößenreuther, soll sich das bald ändern. Der freiberufliche Verkehrsberater entwickelte die App „Wegeheld“. Einmal heruntergeladen, kann hiermit jeder Verkehrsteilnehmende ein Foto von der jeweiligen Situation machen und mit einer kurzen Situationsbeschreibung auf der App-zugehörigen Homepage posten. Das Nummernschild wird vorher geschwärzt, um Datenschutzrichtlinien zu genügen. Wer mag, kann das Bild jedoch auch ungeschwärzt per Mail direkt an das zuständige Ordnungsamt mailen. Dessen Anschrift wird von der App eigenständig herausgesucht, so dass eine zeitraubende Adresssuche entfällt. „Wir erwarten, dass die Ordnungsämter zunehmend tätig werden“, so Strößenreuther. „In jedem Falle wird dann aber ersichtlich, wie die Behörde sich verhält.“ Denn während das Problem der Einzelnen leise im Nichts verschwinden kann, bewirkt der Homepagepost Öffentlichkeit. „Auf einen Blick ist dann ersichtlich, wo Polizei und Ordnungsamt tatenlos zusehen“ “ Journalisten könnten dann etwa nachfragen, was denn mit den ganzen Beschwerden passiere – und ob die jeweilige Landeskasse eigentlich auf die Einnahmen verzichten könne. „Auch wenn ein Unfall geschieht, kann anschließend nachgesehen werden, ob die Stelle nicht vielleicht schon länger als gefährlich bekannt war und benannt wurde.“ Mit dem Wegeheld haben die schwächeren Verkehrsteilnehmenden somit ein Werkzeug in der Hand, mit dem sie sich bei Bedarf wehren können. Ob sie es dann im Einzelfall machen, bleibt immer noch ihnen überlassen.

Ein Gedanke zu „Selbstverteidigung per App

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