Sanierung des Berliner Mauerwegs: Geschichte erfahren

Gerade rechtzeitig zum 30-jährigen Jubiläum des Mauerfalls will der Berliner Senat den Mauerweg erneuern. Aktive des ADFC haben Mängel und Verbesserungsvorschläge für die 160 Kilometer lange Radroute auf einem Webportal gesammelt – und klare Forderungen zur Erneuerung formuliert. Von Maike Berndt, Fachreferentin für Tourismus beim ADFC Berlin.

 

Seit Anfang 2018 arbeitet die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz an einem Konzept für den langfristigen Erhalt und die Pflege des Berliner Mauerwegs. Eine wichtige Initiative, denn der Mauerweg – eigentlich bedeutender Freizeit- und Alltagsradweg – ist vielerorts in desolatem Zustand. Der ADFC Berlin bringt sich daher mit eigenen Vorschlägen ein.

In Rudow vermiesen Wurzelaufbrüche den Fahrspaß und der Weg wuchert von beiden Seiten zu. Leider auch auf anderen Abschnitten keine Seltenheit. Foto: Maike Berndt

 

Aufbrüche und Gestrüpp

Der Berliner Mauerweg ist das radtouristische Aushängeschild für die Hauptstadt. Auf rund 160 Kilometern Länge erzählt er eine der wichtigsten Etappen der jüngeren deutschen Geschichte, die Teilung Berlins durch die Mauer. Damit steht er eindrucksvoll für das, was Berlin inzwischen auch touristisch vermarktet: Die Freiheit nach der Teilung.

Zumindest könnte der Mauerweg dafür stehen. Denn als touristisches Produkt hat er zwar großes Potenzial, aber wenig Qualität zu bieten. In den Jahren 2002 bis 2006 wurde der Mauerweg zwar grundlegend saniert. Misst man ihn aber an den der vom ADFC für touristische Radwege entwickelten Qualitätsstandards, zeigen sich vielerorts haarsträubende Mängel.

Aufgebrochener Asphalt, Schlaglöcher und Rillen trüben nicht nur den Fahrspaß, sondern sorgen auch für Sturzgefahr. Andernorts wächst Gestrüpp von beiden Seiten in den Weg, sodass kaum zwei Radler nebeneinander passen – von Begegnungen mit Fußgängern oder Skatern, die den Mauerweg ebenfalls ausgiebig nutzen, ganz zu schweigen. Unfälle und
Konflikte sind vorprogrammiert.

Auf dem Abschnitt Altglienicke/Südpark lädt der Mauerweg breit und mit bestem Belag zum Radeln ein. Infostelen erzählen die Geschichte der Berliner Mauer. Mehr davon! Foto: Axel von Blomberg

 

ADFC-Vorschläge online dokumentiert

Zwar wurden im Auftrag der Senatsverwaltung in den vergangenen Jahren einzelne kurze Abschnitte ausgebessert und saniert, doch gerade in den äußeren Bezirken gibt es noch viel zu tun. Um das nun in Erarbeitung befindliche Konzept der Senatsverwaltung zu unterstützen, haben Aktive des ADFC in den vergangenen Monaten Testfahrten auf verschiedenen Etappen des Mauerweges unternommen, um sich ein Bild von der Lage zu verschaffen.

Das Fazit der Arbeitsgruppe: Es wird höchste Zeit! Zahlreiche Ideen für die Verbesserung den Mauerwegs haben die Aktiven zusammengetragen und in einem Webportal dokumentiert. Zudem wurden die Ergebnisse und Vorschläge der Senatsverwaltung zur Verfügung gestellt und an Verkehrssenatorin Regine Günther übergeben, um die schnelle und umfassende Sanierung des Mauerwegs mit radtouristischem Know-How aus dem Verband zu unterstützen.

Mehr als nur ein Schlagloch ausbessern

Die Forderungen des ADFC gehen freilich über die Ausbesserung einzelner Stellen hinaus. Um den Mauerweg als Radroute attraktiver zu machen, braucht es mehr:

• Ein Qualitätsmanagementsystem muss durch regelmäßige Kontrollen und Wartungen den Unterhalt der Radroute sichern.
• Bislang wird das historische Thema des Mauerwegs auf einigen wenigen Infostelen abgehandelt. Der ehemalige Grenzverlauf wird außerdem oft auf unattraktiven Umleitungen verlassen. Eine authentische Routenführung und mehr begleitende Information würden der Radroute gut tun.
• Touristische Radrouten leben von begleitender Infrastruktur. Dazu zählen Rastmöglichkeiten, Fahrradabstellanlagen, Einkaufs- und Einkehrmöglichkeiten, Informationsstellen und Sehenswürdigkeiten entlang des Weges. Nahgelegene Angebote sowie S-Bahnstationen müssen besser ausgeschildert sein.
• Zentrale Koordination und Vermarktung ist ein Muss für jede touristische Radroute. Auch der Mauerweg braucht eine Koordinierungsstelle, die für das Qualitätsmanagement zuständig ist, als erste Kontaktadresse für Fragen und Infos fungiert und das Marketing übernimmt.


Hier geht es zum Online-Dokumentation der Mängel am Mauerweg: https://geoplattform.adfc-berlin.de/mauerweg/

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