Rhein ins Vergnügen

Fünfzehn junge Menschen aus Frankreich und Deutschland brachte der ADFC Berlin im August für das Austauschprojekt Tour de Rh(e)in zusammen. Sie radelten 400 Km von Basel nach Strasbourg und lernten voneinander über Ökologie, Politik – und warum es glücklich macht, den Kaiserstuhl per Rad zu erklimmen. Für die radzeit haben sie gemeinsam ein Tagebuch geschrieben.

 

Tag 1
Wir treffen uns samt Fahrrädern und vollgepackten Satteltaschen morgens um Halbsieben am Ostbahnhof Berlin, um unsere Reise nach Basel anzutreten. Dank Teamwork schaffen wir alle Umstiege mit Fahrrädern reibungslos – schon jetzt wird klar: Zusammen können wir alles schaffen! Nach zehn Stunden erreichen wir Basel Hauptbahnhof und werden von der französischen Gruppe in Empfang genommen. Gemeinsam fahren wir unsere erste kleine Tour zum Campingplatz, wo schon für uns gekocht wurde. Dabei durchfahren wir nebenbei Deutschland, die Schweiz und Frankreich. Unser Gepäck wird dabei, genauso wie in der restlichen Woche, zusammen mit dem Kocher und Essen im Transporter für uns gefahren.

Vor dem Europaparlament. Foto: Privat

Tag 2
Nach dem ersten gemeinsamen Frühstück sezten wir uns zum Kennenlernen zusammen. Dabei wird alles sofort entweder ins Deutsche oder Französische übersetzt, um alle mitzunehmen. Allen Übersetzerinnen, die während der Woche wirklich zur Höchstform aufliefen, gilt unser großer Dank! Nachdem wir alle Namen wenigstens schon einmal gehört haben, checken wir gemeinsam mit Julien, unserem Fahrradmechaniker, nochmal unsere Räder und dann geht es schon los Richtung Mulhouse – immer entlang eines Kanals im Auengebiet Petite Camargue Alsacienne.

Tag 3
In Mulhouse fällt uns eine neu installierte Säule auf, die die Fahrradfahrer in der Stadt zählt. An diesem Tag sind es schon über 700 – hoffentlich werden es bald mehr, dafür müsste in Mulhouse aber noch einiges passieren. In der Stadt wird das gemeinsame Fahren in der Gruppe schon zu einer größeren Herausforderung als auf dem Land. Zum Glück finden sich aus der Gruppe immer Leute, die für alle anderen die Kreuzungen sichern.

Tag 4
Von Mulhouse fahren wir nach Neuf Brisach, einer alten Vauban Festungsstadt. Auf dem Weg kommen wir durch den Hardtwald, der wegen der Hitze ganz ausgetrocknet ist. Heiße Luft strömt uns aus dem Wald entgegen, der wohl aufgrund eines kalkhaltigen Bodens und eines niedrigen Grundwasserspiegels zu den ersten Opfern des Klimawandels zählen wird.

Überall sind die Auswirkungen der anhaltenden Hitze und Trockenheit zu sehen: komplett verdorrte Maisfelder, aber dafür später sehr viele süße Weintrauben. In Neuf Brisach erwartet uns ein wunderschöner Campingplatz mit einem Extrabereich für Fahrradreisende. An diesem Abend genießen wir zusammen elsässischen Wein bei Kerzenschein.

Planung ist alles. Foto: Privat

Tag 5
Mittlerweile sind wir ein eingespieltes Team – morgens bereitet eine Schicht alles für Frühstück und Sandwiches vor (am wichtigsten: Kaffee!), dann schnell die Zelte abbauen, alles im Transporter verstauen und dann ein kleines »Warm-Up«. Dann geht es durch die Weinberge Richtung Freiburg.

Auf dem Weg besuchen wir die solidarische Landwirtschaft Gartencoop und bekommen eine kleine Tour über ihr Gelände. Als ein Gewitter beginnt, finden wir im Kuhstall Unterschlupf. Während wir gemütlich auf Strohballen liegen, können wir Landwirt Vincent alles zum Konzept der Solawi (Solidarische Landwirtschaft) fragen.

Tag 6
Freiburg, oh Freiburg – hier sind wir auf alle Fälle nicht allein auf dem Rad unterwegs! Wir bleiben zwei Nächte und nutzen den Tag, um uns das älteste Projekt der Initiative Mietshaussyndikat anzuschauen. Dann genießen wir die Freizeit – es ist der erste Nachmittag, der nicht verplant ist und der erste Abend, an dem wir sehr spontan sind.

Obwohl wir es nicht müssten, möchten wir die Zeit gemeinsam verbringen. Nachts auf dem Rückweg tanzen wir sogar auf einem Platz im Stadtzentrum – und das mit den Profis, obwohl wir selber keine professionellen Tänzer sind.

Tag 7
Morgens haben zwar einige von uns etwas Angst vor der großen Herausforderung, am Ende sind wir aber begeistert. Die Fahrradstrecke von Freiburg nach Baggersee Schuttern ist unsere längste – über 80 km inklusive Bergetappe, weil wir uns auf dem Weg noch den Kaiserstuhl anschauen. Der bietet eine schöne Aussicht, aber das Highlight des Tages kommt erst am Nachmittag: gemeinsames Baden im Baggersee.

An diesem Tag verstehen wir das Prinzip des Mountainbiking: Es ist ein Kampf zwischen Radfahrer und Berg, bei dem es nur einen Gewinner gibt. Trotzdem kommen wir am Ende des Tages gesund und glücklich an und können es kaum erwarten, die nächste Fahrradtour zu planen.

Foto: Privat

Tag 8
Vom Baggersee Schuttern starten wir unsere Tour nach Strasbourg. Auf der Europabrücke machen wir das obligatorische Foto. Abends fahren einige von uns in die Stadt, wo im Rahmen des Sommerprogramms LuX drei Monumente mit Lichtanimationen verzaubert werden.

Tag 9
Mit unseren Fahrrädern fahren wir beim Europäischen Parlament vor und bekommen eine kleine Führung. Danach flanieren wir durch die Stadt und besorgen Abschiedsgeschenke für unsere super Teamerinnen. Die gibt es jedoch nicht einfach so: Beim gemeinsamen Flammkuchenessen müssen diese in einer neuen Abwandlung unserer Gruppenkommandos auf Polnisch erst entdeckt werden.

Am nächsten Tag geht es dann sehr früh los nach Berlin und Lyon.

Foto: Privat

 

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