Radverkehrsanteil in Brandenburg geht zurück

Neue Befragung zeigt: Radfahren ist zwar grundsätzlich attraktiv und viele Menschen in Brandenburg besitzen ein Fahrrad. Trotzdem ist der Radverkehrsanteil in Brandenburg in den letzten zehn Jahren gesunken. Verschläft Brandenburg die Verkehrswende? von Ronald Benke

Alle sprechen von Mobilität, aber wie kann man diese eigentlich „messen“ und damit auch vergleichen? Ein sehr gutes Mittel hierfür sind Befragungen. In Deutschland gibt es zwei große Befragungen zum Mobilitätsverhalten: „Mobilität in Städten“ (diese wird alle 5 Jahre durchgeführt) und „Mobilität in Deutschland – MiD“. Die MiD ist eine bundesweite, repräsentative Befragung, die im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur in den Jahren 2002, 2008 und zuletzt 2017 durchgeführt worden ist. Die Ergebnisse der aktuellen MiD liegen nun vor. Es wurden mehr als 316.000 Menschen zu Kennwerten des Haushaltes, der Person und der Mobilität befragt. Über 960.000 Wege wurden in die Auswertung aufgenommen. Die regelmäßige Befragung ist auch deshalb so wichtig, weil sie Trends und Tendenzen im Mobilitätsverhalten aufzeigen kann und damit ein Gradmesser für die Wirksamkeit verkehrspolitischer Maßnahmen ist.

Viele Fragestellungen bezogen sich auf das Thema Radverkehr. Die positiven Ergebnisse vorweg. 78 Prozent der Haushalte in Deutschland besitzen mindestens ein Fahrrad und/oder ein Pedelec bzw. Elektrofahrrad. Die höchste Besitzrate an Fahrrädern weist mit 94 Prozent die Gruppe der 7 bis13-Jährigen auf, die niedrigste mit 36 Prozent ist bei den über 80-Jährigen zu finden.

Bundesweit gibt es rund 880 Fahrräder pro 1.000 Einwohner, die höchste Anzahl mit 921 gibt es dabei im kleinstädtischen, dörflichen Raum in Stadtregionen. Hier ist auch die höchste Anzahl an Pedelecs/Elektrofahrrädern mit 62 Stück pro 1.000 Einwohnern zu verzeichnen. Deutschlandweit hat sich der Anteil der Wege, die mit dem Fahrrad zurückgelegt werden, von 9 Prozent in 2002 stetig gesteigert und liegt aktuell bei 11 Prozent. Der Anteil der Kfz-Nutzung als Fahrer und Beifahrer sank im selben Zeitraum von 60 auf 57 Prozent.

Insgesamt nutzen 49 Prozent der Menschen in Deutschland über 14 Jahren das Fahrrad an mindestens einem Tag im Monat, 35 Prozent an mindestens einem Tag in der Woche. 18 Prozent fahren täglich bzw. fast täglich Fahrrad.

Keine Überraschung bietet die Bewertung der Radverkehrsinfrastruktur. Je besser diese benotet wurde, umso höher war der Anteil des Radverkehrs am Modal Split, also der Wahl des Verkehrsmittels.

Quelle: Mobilität in Deutschland 2017, Tabellenband, S.27

Fahrradpotenzial hoch, wird aber nicht genutzt

In den 4.739 Brandenburger Haushalten, die an der Befragung teilnahmen, gibt es durchschnittlich zwei Fahrräder pro Haushalt. 82 Prozent der Brandenburgerinnen und Brandenburger besitzen ein Fahrrad– in keinem anderen Bundesland ist dieser Anteil höher. Nur 28 Prozent der Brandenburgerinnen und Brandenburger nutzen nie oder fast nie ein Fahrrad, aber 42 Prozent mindestens an drei Tagen in der Woche.

11 Prozent aller Wege in Brandenburg werden mit dem Fahrrad zurückgelegt. Das ist zwar bundesweiter Durchschnitt, aber auch deutlich weniger als 2008. Damals belief sich der Anteil des Fahrrads noch auf 13,4 Prozent aller Wege. Brandenburg ist neben Schleswig-Holstein und Sachsen-Anhalt das einzige Bundesland, in dem der Anteil zurückgegangen ist.

Auch dieser Befragungsdurchgang der Studie „Mobilität in Deutschland“ zeigt die Attraktivität des Fahrradfahrens. Der Anteil des Radverkehrs an der Gesamtmobilität steigt, die Menschen in Deutschland wollen Fahrrad fahren – sicher, attraktiv und komfortabel. Der bundesweite Trend zum Fahrradfahren ist im Land Brandenburg an den Zahlen der MiD 2017 nicht zu erkennen, obwohl das Potenzial grundsätzlich sehr gut ist.

Solange Radfahrende in Brandenburg sich auf Straßen wie diesen wiederfinden, wird der Radverkehr nicht zunehmen.


Landesregierung muss mehr für die Radverkehrsförderung tun

Die Landesregierung kommt nicht umhin, mehr für die landesweite Radverkehrsförderung zu tun, im Alltags-, Freizeit- und touristischem Radverkehr sowie flächendeckend in den Städten und ländlichen Räumen. Dafür braucht es als Grundvoraussetzung eine bessere finanzielle Ausstattung. Der ADFC fordert, 50 Mio. Euro jährlich im Landeshaushalt bereitzustellen.

Die Verkehrswende kann nur gelingen, wenn das Fahrrad im Mittelpunkt steht – auch und gerade im Land Brandenburg. Der ADFC wird sich weiter dafür einsetzen, dass diese Maxime handlungsleitend für die politischen Entscheidungsträger wird.

Der Kurzreport der MiD-Studie und die Ergebnisse sind online abrufbar unter www.mobilitaet-in-deutschland.de

© Bild links: ADFC /Westrich, Bild rechts: Pixabay