Radschau

IMG_3191

Aufgehängte Radgeschichte

Über 100 Fahrrad-Ikonen auf 600 Quadratmetern – das bietet derzeit eine Ausstellung in Hamburgs Museum der Arbeit. „Das Fahrrad“ heißt die Schau und zeigt gleich am Eingang einen Höhepunkt der Mobilitätskunst: Golden glänzt „Ferdinand GT3“ – und vermittelt zunächst den Eindruck, im falschen Raum gelandet zu sein. Denn das von Johannes Langeder konstruierte Rad für zwei ist äußerlich eine Kopie des Porsche 911 GT3 RS. Über original Bauteile oder gar einen Motor verfügt das straßentaugliche Modell jedoch nicht und nennt sich deshalb auch zu recht „der langsamste Porsche der Welt“. Es wäre bestimmt ein Erlebnis, damit einmal eine Runde durch Berlin zu kurven! VON UND FOTOS KERSTIN E. FINEKLSTEIN

IMG_3130

Ein Traum in Gold: einmal Porsche radeln.

Nicht im Straßenverkehr, aber immerhin doch auf dem Trockendeck, kann man das nächste Modell ausprobieren: Ein Hochrad der Firma Adler aus dem Jahr 1885 steht gesichert bereit. Auf halber Höhe des Rahmens befindet sich ein Miniaturtritt, auf dem man sein linkes Bein zu platzieren hat, um dann mit elegantem Schwung auf dem Rad zu landen.

 

IMG_3170

Vorne das Hochrad zum Selbst-Testen, dahinter der flotte „Rad des Monats“-Feger

Der Museumswärter macht es mir denn auch entspannt vor. Und ich weiß nach einem ersten eigenen Versuch auch, warum man damals viele Unterrichtsstunden nehmen musste, um einmal den Genuss zu erleben, auch zu fahren – und nicht ausschließlich zu stürzen. Immerhin ist dieses Modell fest abgestützt, so dass man sogar, wenn gerade keiner hinschaut, den hohen Sattel unelegant von der Seite erklimmen kann. Eine Ecke weiter kann man auf seinem Nachfolger, dem Sicherheits-Niederrad, pedalieren – und dabei per Simulator-Bildschirm durch die Stadtumrisse von Amsterdam oder New York fahren. Im großen Gang schließlich hängen dutzende Räder der vergangenen 150 Jahre an den Wänden, ein Fundus, der in dieser Breite so noch nie in Deutschland gezeigt wurde. Zusätzlich gibt es noch einen Fahrrad-Parcours für Kinder und Workshops zum Lastenrad-Bau. Mit etwas Glück wird die Ausstellung im kommenden Jahr nach Berlin kommen. Wer sich diese Augenreise durch die Geschichte des Rades jedoch auf keinen Fall entgehen lassen möchte, fährt bis zum 1. März nach Hamburg oder lässt sich zumindest vom Ausstellungsblog inspirieren.

Museum der Arbeit, Wiesendamm 3, 22305 Hamburg, www.das-fahrrad.org

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.