Glosse – Orthodox auf Rädern

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Ende vergangenen Jahres verunglückte U2-Sänger Bono bei einem Fahrradunfall im New Yorker Central Park. Als die Medien den Band-Gitarristen The Edge fragten, warum es von seinem Kollegen keines der heutzutage so beliebten Smartphone-Fotos vom Unfallort gebe, antwortete dieser, Bono verkleide sich beim Radeln stets als chassidischer Jude. VON KERSTIN E. FINKELSTEIN

Das könne geholfen haben (eine Erklärung, die allseits in Zweifel gezogen wurde, nicht zuletzt, da sich auch ein Selfie mit einem frisch verunglückten, schwarzbemantelten Vollbartträger mit Hut auf mancher Facebookseite gut machen würde). Interessant an dem Sachverhalt ist jedenfalls die generelle Frage nach der richtigen Verkleidung für das jeweils gewünschte Fahrerlebnis. Wer unauffällig in der Masse mitfahren möchte, der bedient sich im Berlin-Brandenburger Raum besser nicht eines chassidischen Outfits. Doch was wünscht der hiesige Radfahrer überhaupt? Um festzustellen, ob – und wenn ja, welche Kleidung dem Pedaleur anempfohlen sei, lohnt sich zunächst eine kurze Umfrage im nächsten Bekanntenkreis. Diese zeitigt folgende Untersuchungsergebnisse: 54 Prozent aller hiesigen Radfahrer möchten gerne gesehen werden, 23 Prozent möchten nur von rechts abbiegenden Lkw, nicht aber von der Fahrradstaffel der Polizei wahrgenommen werden, 13 Prozent möchten vor allem gut aussehen (egal für wen),sechs Prozent möchten durch sichtbar Verkehrsregelkonformes Verhalten Werbung für den Radverkehr machen und vier Prozent ist alles egal (= »Hippster«). Umgesetzt wird dieser Wunsch oft (34 Prozent) durch eine Verkleidung als »Radfahrer« (Helm, Warnweste). Häufiger ist indes ein unentschlossenes Bekleidungsverhalten (»Je nach Wetter«, »Kommt darauf an, wo ich hin will«). Ein kurzer Blick bei Amazon unter »Verkleidung und Kostüme – mit dem Fahrrad« sollte Inspiration bieten: Neben allerlei bunten Regenponchos für Kinder findet sich hier auch der »Zwerg Wikinger Vollbart« (5,49 Euro) und ein Army Tarnschminkset (14,39 Euro). Beides schön, aber für eine sichere Fahrt w2015-1Velophil-250x190pxohl ebenso wenig hilfreich wie die Clown Halbmaske (16,39 Euro) oder das »Karton Gesicht« des ehemaligen Top-Bahnradfahrers Chris Roy (6,60 Euro). Der Sache des guten Aussehens bei gleichzeitiger Sichtbarkeit kommt da die »Biker-Dude-Perücke für Erwachsene« zum Preis von 24,14 Euro schon deutlich näher! Immerhin haben Selbstversuche mit offenen blonden Haaren in Verbindung mit einem kurzen roten Rock oder bunten Kleid gezeigt: Hier bremst der Autofahrer gerne! Gar selten wird dann gehupt, gedrängt und geschnitten, stattdessen heißt es sicheren Pedaltrittes das Ziel erreichen. Nicht selbst getestet, aber vermutlich ebenso erfolgreich dürfte das Adams- bzw. Evakostüm sein. Wer nackt radelt, fällt auf und kommt leicht ins Gespräch. Allerdings leider auch mit der Polizei. Was tun? Vielleicht erst einmal zu Hause üben, welcher Stil am sichersten trägt: Mit dem Computerspiel »Mädchen mit Fahrrad – verkleiden sich online«. Die Beschreibung ist verlockend: »Alle Mädchen lieben es, im Sommer entspannen. Und der Rest ist sehr unterschiedlich. Zum Beispiel heute, sie wollte mit dem Fahrrad fahren. Sie bewegt sich selbstbewusst auf, aber es ist noch immer etwas im Weg. Heute müssen Sie soviel wie möglich für das, was ihr zu entsprechen versuchen, so dass bequem sein, um durch die Stadt fahren würden, und wie, um die Blumen zu sammeln. Versuchen Sie, die besten zu wählen, und zur gleichen Zeit – die schönsten Dinge in ihrem Kleiderschrank. Sie können nicht nur Kleidung, sondern auch die Farbe ihrer Lippen, sowie Haar, viel Glück für Sie ändern!« Das Spiel hat 3,67 von 5 möglichen Punten bekommen. Viel Spaß!

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