Neue Wege übers Gleisdreieck

Ein Dilemma städtebaulicher Art nimmt 1838 seinen Anfang. Als die Berlin-Potsdamer Eisenbahn den Betrieb aufnimmt und zwei Jahre später die Anhalter Bahn folgt, ist das ein nachhaltiger Impuls für die Entwicklung von Berlin. TEXT UND FOTOS VON PHILIPP POLL

Gleidreiseck

Von der Hornstraße kommend Richtung Westen quert man die Gleise der Museumsbahn vom Technikmuseum. Anfänglich war auf dieser Achse auch eine Brücke geplant, um auf kürzestem Wege die Fernbahn zu überqueren, doch für das Projekt war dann doch kein Geld da. Nun muss man einen Umweg in Kauf nehmen, wenn man zur Bülowstraße möchte.

So wichtig, dass es in den folgenden Jahrzehnten nicht gelingt, während der Ausdehnung der Stadt das großflächige Bahngelände für den Verkehr durchlässig zu machen. Wie ein undurchdringlicher Keil liegt es zwischen Schöneberg und Kreuzberg. Am Dennewitzplatz muss um 1880 der eigentlich schnurgerade geplante Generalszug um 400 m nach Süden in einen ungemütlichen, von Eisenbrücken überspannten Trog verlegt werden. Die einzige Querungsmöglichkeit in 150 Jahren bringt 1902 die Eröffnung der U-Bahn, die über ein Gleisdreick die Verbindung Hallesches Ufer – Bülowstraße bedient. Das Gleisdreieck und die spätere, gleichnamige Station prägen den Verkehr so stark, dass das gesamte Bahngelände im Volksmund bald als »Gleisdreieck« bezeichnet wird.

Der Weg zum Park Gleisdreieck
Nach dem Mauerfall werden Vorkehrungen getroffen, das Gleisdreieck-Gelände zu entwidmen und in einen Park umzugestalten, aber erst im Herbst 2011 konnte der östliche Teil freigegeben werden. Der westliche Teil ist just eröffnet worden.

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Neue Wege übers Gleisdreieck gelb: Für Radfahrer sehr gut befahrbar | weiß: gut befahrbar | gestrichelt/gestreift: in Planung. Ausschnitt Fahrradkarte: baerleinplan.de

Neue Wege durch den Park
Wer bisher als Radfahrer das Gleisdreieck umfahren musste, hatte die Qual der Wahl zwischen den stark Kfz-belasteten Korridoren am Landwehrkanal und dem Yorckstraßentrog. Der neue Park bietet nun besonders auf den diagonalen Relationen neue, zum Teil sogar asphaltierte Verbindungen. Wer zum Beispiel von Schöneberg nach Mitte möchte, gelangt durch den Park schnell in die Schöneberger Straße. Und wer vom Nollendorfkiez zum Bergmannkiez möchte, fährt auf Höhe der Pohlstraße in den Westpark, hält sich vor dem U-Bahnhof rechts, hinter dem alten Stellwerk wieder links und gelangt über die Rampe an der Hornstraße wieder heraus. Eine interessante Alternative in Nord-Süd-Richtung verläuft vom Anhalter Bahnhof kommend, am Tempodrom vorbei und über den Anhalter Steg in den Gleisdreieck-Park. Glück hat, wer Zeit zum Verweilen erübrigen kann. Denn dieser Park ist einfach unvergleichlich. Großstädtischer und kontrastreicher geht es nicht.

Zukunft Südparkplanung
Für Radfahrer sind auch die Planungen im Süden des Parks interessant. Über den so genannten »Flaschenhals« soll künftig eine Verbindung zur Kreuzberg- und Monumentenstraße geschaffen werden, die als Radfernweg Berin–Leipzig weiter entlang der S2-Trasse Richtung Südkreuz führen wird. Darüber hinaus ist entlang der S1-Trasse eine Route zum Cheruskerpark geplant. Ob diese Planungen zu einem Radschnellweg führen werden, zum Schleichweg mit Hundeauslaufgebiet verkommen oder gar am Widerstand von lokalen Initiativen scheitern könnten – der ADFC wird den Prozess weiter begleiten und sich für radfahrfreundliche Lösungen einsetzen.


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