Motivation, Ziel und neue Ideen

Boris Schäfer-Bung (48) ist seit 2012 stellvertretender Landesvorsitzender des ADFC Berlin. Neben seinem Beruf als wissenschaftlicher Mitarbeiter in einer oberen Bundesbehörde ist er seit acht Jahren ehrenamtlich im Vorstand tätig. Im Interview erzählt er über die Arbeit des Vorstands und die Entwicklung des Verbands.

radzeit: Was genau machst du im Vorstand?
Schäfer-Bung: Ich bin für die verbandsinterne Verzahnung von Bundes-, Landes- und Bezirksebene zuständig, also für die Verbindung zu den Stadtteilgruppen, und ich koordiniere die Berliner Delegierten der Bundeshauptversammlung. Fachlich bin ich verantwortlich für die Beurteilung landesweiter Verkehrsprojekte – kurz Verkehrsplanung. Für Stern- und Kreisfahrt bin ich das zuständige Vorstandsmitglied, aber auch für Themen wie Rechtsberatung bin ich der Ansprechpartner im Vorstand.

Was ist die Funktion des Vorstands im ADFC Berlin?
Schäfer-Bung: Da schauen wir mal in die Satzung. Dort steht sinngemäß, dass der Vorstand die laufenden Geschäfte führt und die Beschlüsse der Mitgliederversammlung und des Bezirksrats umsetzt bzw. umsetzen lässt. Der Vorstand entscheidet also über die wichtigen Fragen zwischen den jährlichen Mitgliederversammlungen.

Wie genau sieht die Arbeit eines Vorstandsmitglieds aus?
Schäfer-Bung: Das ist so ähnlich wie bei einer Regierung: Die Aufgaben werden auf die Personen aufgeteilt. Abhängig vom zugeteilten Ressort gestaltet sich die Arbeit. Der eine ist zum Beispiel für Radtouren verantwortlich und geht ganz anderen Tätigkeiten nach als der Politikverantwortliche.

Ist das überhaupt mit einem Beruf und dem Alltag zu vereinbaren?
Schäfer-Bung: Ja, das ist vereinbar. Der Großteil der ehrenamtlichen Vorstandsmitglieder ist berufstätig. Es funktioniert deshalb, weil der ADFC Berlin hauptamtliche Mitarbeiter eingestellt hat. Es erfordert allerdings Absprachen über die Zusammenarbeit.

Wie arbeitet ihr als Vorstand zusammen?
Schäfer-Bung: Der Vorstand beschließt in monatlichen Vorstandssitzungen. Er tauscht sich hauptsächlich über E-Mail aus und benutzt eine eigene Cloud zur Dokumentenverwaltung.

Muss ich eine bestimmte Ausbildung haben, um Vorstandsmitglied zu werden?
Schäfer-Bung: Gegenfrage: Was ist die passende berufliche Ausbildung für ein Vorstandsmitglied? Hier gilt das, was für den Beruf auch gilt. Wichtig sind Motivation und Ziel. Wie der Vorstand funktioniert, kann man sich auf den öffentlichen Vorstandssitzungen ansehen. In einer neuen Funktion lernt man zu Beginn am meisten, einfach weil man diese Funktion jetzt ausfüllen darf. Außerdem kann man sich verbandsintern fortbilden. Der Bundesverband bietet Fortbildungen an, für die immer Teilnehmer gesucht werden. Ein Mentoringprogramm ist auch keine schlechte Idee. Wichtig sind ein produktiver Arbeitsstil, Entscheidungsfreude, kritisches Hinterfragen der ankommenden Anfragen und eine konstruktive Zusammenarbeit. Der Vorstand hat keine Zeit, sich mit sich selbst zu beschäftigen.

Stichwort Motivation: was hat dich motiviert, für den Vorstand zu kandidieren?
Schäfer-Bung: Meine Motivation war, eine berlinweite Präsenz des ADFC in den Bezirken zu erreichen. Das ist übrigens eine satzungsgemäße Aufgabe des Bezirksrats. Er hatte damals nicht existiert.

Was hat sich noch verändert in den letzten Jahren?
Schäfer-Bung: In den letzten Jahren haben wir hauptamtliche Mitarbeiter eingestellt. Wir haben so ein Entwicklungsziel des gesamten Verbands verwirklicht. Wir haben dadurch unsere Schlagkraft erhöht und können mehr Einfluss auf politische Entscheidungen nehmen, um den Radverkehr zu fördern. Die vor sieben Jahren wiedererweckten Stadtteilgruppen haben sich langfristig etabliert. Sie sind wichtig, um unsere Ziele an die Bezirksebene zu adressieren. Wir haben von der Verkehrslenkung Berlin geförderte Verkehrssicherheitsprojekte wie Frühlings- und Herbst-Checks etabliert und damit zur Verbesserung der Verkehrssicherheit beigetragen. Übrigens haben wir damit ein gutes Argument an der Hand in der immer wieder hochkochenden Diskussion um „Rüpelradler«.

Wohin soll sich der ADFC Berlin in Zukunft entwickeln?
Schäfer-Bung: Zum einen müssen wir die neuen Medien nutzen – mit der gebotenen Skepsis. Dafür sollten die »digital natives« im Verein zuständig sein. Da sind wir auch bei einem weiteren wichtigen Punkt: der Überalterung des ADFC im allgemeinen und besonders die der Funktionäre. Wir brauchen jüngere Leute mit neuen Ideen im Vorstand!


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Für weitere Infos schreib eine E-Mail an boris.schaefer-bung@adfc-berlin.de