Möbel fürs Velo

Gerade ein paar Monate ist es her, seit Leopold Brötzmann (30) und Sebastian Backhaus (33) das Design-Label „Mikili“ gegründet und die ersten ihrer selbst entwickelten Fahrrad-Möbel verkauft haben. Inzwischen liefert das Neuköllner Start-up die Velo-Halterungen fürs Wohnzimmer schon in 20 europäische Länder, interessieren sich Rad-Freaks zwischen London und Lissabon, Warschau und Paris für die Modelle „Kappo“ und „Tian“. Jetzt überlegen die beiden Freunde, wie sie für ihre trendige „Bicycle-Furniture made in Berlin“ sogar einen weltweiten Versand aufziehen können. VON CLAUDIA LIPPERT, FOTOS: MIKILI / ANNA REHE.

Dass Leopold Brötzmann ein sportlicher Typ ist, sieht man auf den ersten Blick. Einer, der am liebsten mit dem Fahrrad in Berlin unterwegs ist. Dem es nichts ausmacht, sein geliebtes Velo nach jeder Fahrt wieder in die Wohnung zu tragen, um es vor Dieben, Regen, Hagelschlag zu schützen. Doch das gute Stück an die Wand lehnen, das wollte der studierte Betriebswirt nicht länger. Der unschönen Striemen wegen, die das schnell auf der Tapete hinterlässt. „Aber die klassischen Fahrrad-Aufhängungen für Garagen oder Keller, diese Metallbügel und Seilzüge waren auch nicht die Lösung“, ergänzt Leopolds Kumpel Sebastian, den jahrelang das gleiche Problem plagte. Schließlich habe man „einen gewissen ästhetischen Anspruch“, meint der Marketing- und Kommunikationswirt. Eines Abends, als sie sich mal wieder gemeinsam ärgerten, skizzierten sie mit ein paar Bleistiftstrichen, wie aus ihrer Sicht die optimale Wandhalterung aussehen müsste. Eine Art kleines Regal, in das man das Rad hängen könnte. Das außerdem Stauraum für Helm, Schloss oder Handschuhe bietet und dazu noch einen Akzent im Raum setzt. Die Idee für die schicken Fahrradmöbel war geboren. Auch das Material war schnell klar: „Holz, weil sich das am besten in den Wohnraum einfügt“, sagt Sebastian.Druck-Radzeit 02 130225_Seite_08_Bild_0001

An den Start gegangen ist Mikili mit drei Versionen des Modells „Kappo“. Vollholz in Eiche und Walnuss oder weiß lackiert. Die Auflagefläche fürs Oberrohr des Fahrrades ist mit Filz ausgekleidet – damit weder Rad noch Möbelstück Kratzer abbekommen. Ein Filzband gibt’s mit dazu, um das Vorderrad zu fixieren. Produzieren lässt das Unternehmen, dessen Kernteam inzwischen aus sieben Leuten besteht, in den VIA-Werkstätten in Weißensee, einem Behindertenprojekt mit großer Tischlerei. Das zweite Modell „Tian“ – mit Schublade – ließ nicht lange auf sich warten. Mit dem dritten stehen die Jungs in den Startlöchern: „Slit“. Der Prototyp hat sich schon bewährt: bei Leopold im Wohnzimmer. Ein hölzernes Quadrat, das flach an der Wand anliegt. „Um das Rad dranzuhängen, muss man nur das Innenteil aus Metall ausklappen“, sagt der 30-Jährige. Logisch, dass auch Sebastians Velo an einer Mikili-Halterung parkt. „Im Flur, am Kappo aus Walnuss.“ Gutes Mauerwerk vorausgesetzt, tragen die Halterungen ein leichtes Singlespeed ebenso wie Schwergewichte bis 20 Kilogramm. Einen Namen für das vierte Modell, derzeit ebenfalls kurz vor der Fertigstellung, gibt es noch nicht. Aber da werden die beiden Jungunternehmer in ihrem altdeutschen Wörterbuch sicher bald fündig. Das hatten sie eher zufällig in die Hand bekommen, als sie nach einem Namen für ihre Firma suchten und feststellten, dass geeignete international verwendbare Begriffe schwer zu finden waren. „Bei guten Namen waren die Domains im Internet immer schon belegt“, sagt Sebastian. Mikili bedeutet im Altdeutschen Größe, Erhabenheit. Das Wort gefiel ihnen. So blätterten sie weiter im Wörterbuch, Druck-Radzeit 02 130225_Seite_08_Bild_0002stießen auf Kappo, was Kasten heißt, und Slit, die flache Ebene. „Tian bedeutet ziehen, das fanden wir für unser Schubladenmodell treffend“, erzählt Leopold. Ganz billig sind die modischen Radmöbel nicht, zwischen 250 und 400 Euro muss der Kunde auf den Tisch legen. „Man darf das nicht mit einfachen Werkstatthalterungen vergleichen, das sind hochwertige Designerstücke“, so Sebastian. „Zudem zu 100 Prozent in Berlin produziert“, ergänzt sein Kompagnon. Das ist den beiden wichtig. Billig irgendwo im Ausland fertigen lassen, das wollen sie nicht. Sie setzen auf hochwertige Verarbeitung und Produktion unter fairen Bedingungen. Ein Konzept, das ankommt. Im September 2012 gestartet, waren bereits kurze Zeit später sämtliche Produkte ausverkauft. „Die Nachfrage war größer, als wir erwartet haben. Mit solch einem Erfolg in der Anfangsphase hatten wir nicht gerechnet“, sagt Leopold.

Ob es demnächst weitere Modelle gibt? „Wir arbeiten dran“, verkünden die Fahrrad-Freaks wie aus einem Munde. Aber unter Druck setzen wollen sie sich nicht. „Wir müssen nicht jedes Jahr eine Kollektion auf den Markt werfen.“ Etwas Kopfzerbrechen bereitet ihnen derzeit noch eine Wandhalterung für Damenräder. „Da sind so viele verschiedene Rahmengeometrien zu berücksichtigen. Es wird schwieriger, eine Lösung zu finden“, gibt Sebastian offen zu. Aber auf Dauer werde auch das Damenfahrrad „mit einer Mikili-Halterung die Bühne in der Wohnung bekommen, die es verdient“. Schließlich nehmen immer mehr Menschen ihr Rad mit in die Wohnung oder ins Büro. Vor allem aus Liebe zum eigenen Fahrrad – und das kann ja auch ein Damenrad sein.

Infos unter: www.mikili.de


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