Meister des Schatzes

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Frank Masurat: Ob geliehen, oder gekauft – Hauptsache Rad. Foto: privat

Frank Masurat ist seit März 2013 für die Finanzen des ADFC Berlin zuständig. Über die Krönung des deutschen Steuerrechts, Haushaltspläne und warum Rechnen spannend sein kann sprach der 53-Jährige mit Kerstin E. Finkelstein. VON KERSTIN E. FINKELSTEIN

radzeit: Das Amt des Schatzmeisters löst bei vielen akuten Grusel aus – Zahlen in Reinform. Was hat Dich dazu bewogen, Dich der Excel-Tabellenflut zu stellen?
Frank Masurat: Ich fahre jeden Tag mit dem Rad durch Berlin und war von den Bedingungen genervt – wenn man nicht aufpasst, wird man jede Woche mindestens einmal überfahren. Also wollte ich mich im ADFC engagieren und da mir Finanzen, Budgets und Controlling berufsbedingt vertraut sind, habe ich mich zur Wahl gestellt, als der Verein einen neuen Schatzmeister suchte.

Über welche Summen wachst Du denn jetzt?
Der Landesverband verfügt im Jahr über knapp 500.000 Euro Erlöse. Etwa ein Drittel stammt aus den Mitgliedsbeiträgen, weitere hohe Erlöse kommen von den Radtouren und dem Radtourenprogramm, dem Info- und Buchladen und der Radzeit. Allerdings generieren die letzten drei Punkte natürlich auch Kosten. Unsere Radtouren etwa schreiben meist eine „rote Null“, andere Posten tragen sich nicht aus eigener Kraft und müssen gegenfinanziert
werden. Das ist auch das Interessante an dem Amt des Schatzmeisters: Die Finanzen ermöglichen einen große Gestaltungsspielraum. Wir sind ja kein gewinnorientierter Betrieb, sondern ein gemeinnütziger Verein, der sich genau überlegt, welche Projekte unterstützenswert sind. Übrigens sind wir inzwischen auch Unterzeichner der „Initiative transparente Zivilgesellschaft“, mit der wir uns zur Transparenz von Struktur, Abhängigkeiten und Finanzen nach vorgegebenen Kriterien verpflichtet haben, für jeden einsehbar unter adfc-berlin.de.

Und welche Projekte erscheinen Dir besonders unterstützenswert?
Da muss ich etwas weiter ausholen. Der ADFC Berlin ist ja bekannt für seine Sternfahrt, die weltgrößte Radfahrerdemonstration, an der jedes Jahr auch dank der professionellen Organisation mehr als 100.000 Menschen teilnehmen. Wir machen aber viel mehr Dinge, die von Außen meist nicht so wahrgenommen werden. In unserer Selbsthilfewerkstatt
ist der Andrang zum Beispiel oft so groß, dass die Menschen im Hof stehen und sich
gegenseitig beim Schrauben und Reparieren unterstützen. Und macht der Verein seine Frühjahrsoder Herbst-Checks, stehen die Radfahrer lange an, um ihr Rad kostenfrei prüfen und reparieren zu lassen. Damit ermöglicht der ADFC auch Berlinerinnen und Berlinern aus prekären Verhältnissen eine Grundmobilität zu bewahren und übernimmt damit eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe.

Welche Rolle spielst Du selbst innerhalb dieses Netzes?
Als Schatzmeister erstelle ich den Haushaltsentwurf, der im Einklang mit unserer strategischen Planung steht, und achte darauf, dass wir den Plan nach der Verabschiedung durch die Mitgliederversammlung einhalten. Um das Controlling in diesem Bereich weiter zu verbessern, haben wir im Herbst unsere Buchhaltung ausgelagert. Wir haben noch weitere Veränderungen vor uns, um wichtige Fahrradthemen befördern zu können. Der ADFC spielt ja in der Königsklasse des deutschen Steuerrechts, da wir unter unserem Dach neben dem ideellen Kernbereich auch einen Zweck- und einen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb haben. Diese werden jeweils unterschiedlich steuerlich behandelt. Die Mitgliedsbeiträge werden buchhalterisch und steuerlich anders behandelt als zum Beispiel Buch- und Infoladen. Leider erleben wir seit Jahren sinkende Umsätze in unserem Buch- und Infoladen. Da dieser aber auch eine wichtige Beratungs- und Anlaufstelle für unsere
Mitglieder ist, haben wir beschlossen den Laden aufrecht zu erhalten. Um die Kosten zu reduzieren und gleichzeitig dem Informations- und Kommunikationsbedürfnis unserer Mitglieder gerecht zu werden, wollen wir ab dem 1. Februar 2014 an drei Tagen in der Woche je vier Stunden geöffnet haben und in den Sommermonaten werden wir zusätzlich samstags vier Stunden öffnen.

Gibt es auch Bereiche, in denen der Verein auf Expansionskurs ist?
Ja, wir modernisieren unseren Internetauftritt derzeit, um besser und zeitnaher zu Fahrradthemen zu informieren. Auch im Bereich Social Media wollen wir aktiver werden. Gerade jüngere Leute erreicht man über facebook und twitter und kann sie dort am ehesten für den Verein und die vielen Mitmachmöglichkeiten begeistern. Und Nachwuchs suchen und brauchen wir immer! Im Moment wird zu viel Arbeit von zu wenig Menschen übernommen und wir wollen viel mehr ehrenamtliche, aktive, radfahrbegeisterte Berlinerinnen und Berliner gewinnen und fördern. Dafür müssen und werden wir auch in anderen Bahnen wie Kampagnen, Aktionen und Projekten denken.

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