»Lastenräder zum Alltag machen«

Lastenräder für alle: Seit Januar stehen fünf Transportvelos zur kostenlosen Ausleihe in Berlin bereit. Dem Team hinter dem ADFC-Projekt »fLotte« geht es um weit mehr, als nur ihre Leidenschaft zu teilen. Sie wollen das Lastenrad als Alternative zum Auto erlebbar machen – damit es zum festen Bestandteil in jedem Kiez wird. Birthe und Thomas vom fLotte-Team erzählen im Interview mit Nikolas Linck über die Entstehung und die Zukunftspläne des Projekts.

Bilden zusammen mit anderen das »fLotte«-Team: Michael, Birthe, Uwe, Michael, Thomas und Susanne mit den Lastenrädern Lotte, Luise und Lukas (v. l.) © Privat

Was ist die fLotte – und wie kam es zu dem Namen?

Birthe: fLotte ist ein ehrenamtliches Projekt des ADFC Berlin, das sich der alternativen Mobilität verschrieben hat. Über die Online-Plattform flotte-berlin.de können die Lastenräder der fLotte und ihrer Partner an verschiedenen Standorten kostenlos ausgeliehen werden. Natürlich kann fLotte mit ihren begrenzten Mitteln im großen Berlin nicht flächendeckend präsent sein. Deshalb kooperieren wir mit vielen Projekten, Initiativen und Gewerbetreibenden und unterstützen sie dabei, Lastenräder zu beschaffen und in ihrem Kiez zur Ausleihe bereit zu stellen.

Thomas: Der Name sagt uns, dass es viele Räder werden sollen – eine ganze Flotte. Und wer schon einmal eines unserer Räder Probe gefahren ist, weiß auch wie flott die werden können … (lacht).

Was ist eure Motivation dahinter?

Thomas: Wir wollen den Menschen zeigen, dass man für Wochenendeinkauf und Kindergarten-Shuttle keineswegs ein Auto braucht, sondern die Alltagstransporte mit dem Lastenrad sicher, schnell und zuverlässig erledigen kann. So trägt fLotte dazu bei, die Zahl der Autofahrten zu reduzieren und das Lastenrad für immer mehr Menschen zur Normalität zu machen.

Birthe: Viele Menschen saßen ja noch nie auf einem Lastenrad.
Wir schaffen sie Möglichkeit, das mal auszuprobieren, und
zwar kostenlos.

Was ist bisher passiert?

Das fLotte-Team auf Testfahrt. © Privat

Thomas: Seit Juni 2017 treffen wir uns in einem munteren Team von Fahrradbegeisterten, um Freie Lastenräder in Berlin zur Realität werden zu lassen. Im Verlauf der letzten sieben Monate haben wir gemeinsam geplant, gestritten und gelacht. Erstes sichtbares Resultat dieser Arbeit war dann am 6. Januar der Start des Testlaufs, der uns erlaubt hat, die Prozesse und Abläufe zu beobachten und zu verbessern, bevor es jetzt im Frühjahr richtig losgeht.

 

Wie seid ihr auf diese Idee gekommen?

Birthe: Das Konzept der Freien Lastenräder ist ja nicht neu – in vielen Städten Deutschlands gibt es bereits welche. Wir sehen uns da als Teil einer Bewegung und konnten uns von vielen anderen Projekten inspirieren lassen, etwa in Wien.

Thomas: Leuchtende Vorbilder waren für uns Kasimir und Hannah, die freien Lastenradinitiativen in Köln und Hannover. Wir stehen auf ihren Schultern und ihren Erfahrungen.

Lotte, das erste und namensgebende Lastenrad der fLotte, ist ein Bakfiets CargoTrike Classic Narrow. Mit der 8-Gang-Nabenschaltung und kräftigen hydraulischen Bremsen ist sie zügig und sicher unterwegs. In der großen Kiste warten zwei klappbare Sitzbänke auf bis zu vier Kinder. Die Kiste verträgt bis zu 100 kg Zuladung und der Gepäckträger verkraftet weitere 50 kg. Zu Lottes ersten Einsätzen gehörte die Rettung dieser Gemüsereste, die schon für den Abfall bestimmt waren. Die begeisterte Fahrerin meldete sich per Mail: »So viel konnten wir noch nie transportieren!«

Wie viele Lastenräder gibt es derzeit – und wie kann ich sie buchen?

Gemeinsam rollt es besser – Thomas hat das Projekt initiiert und koordiniert
das Team, Birthe ist für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig.

Birthe: Die aktuelle fLotte besteht aus drei Lastenrädern des ADFC, Lotte, Luise und Lukas,und zwei Rädern des KungerKiez e.V., Walter und Inge. Wir bieten unterschiedliche Lastenradmodelle an, damit die Vielfalt der Lastenmobilität erfahren und ausprobiert werden kann. Zu buchen sind die fLotten Lastenräder über fLotte-berlin.de. Nach einer kurzen Registrierung kann dort ein Rad reserviert werden. Man erhält dann per Email einen Code, mit dem man sich am Standort des fLotten Lastenrads identifizieren kann. Nötig für die Ausleihe ist ein Personalausweis oder eine Meldebescheinigung. Ein fLottes Lastenrad kann für ein bis drei Tage gebucht werden, eine kürzere Ausleihe ist technisch noch nicht möglich.

Wie geht es weiter?

Thomas: Die fLotte will wachsen – unsere Vision ist, Lastenräder in Berlin zum Alltag zu machen. Dabei beschreiten wir zwei Wege: zum einen integrieren wir bereits bestehende Lastenräder in Berlin in unsere fLotte, wie zum Beispiel die Räder des Kungerkiezes. Wir befinden uns in Gesprächen mit verschiedenen anderen Initiativen und gehen davon aus, dass wir bald mehr Lastenräder über unsere Plattform zur Verfügung stellen können, damit sie möglichst vielen Menschen zugänglich werden. Der andere Weg ist die Anschaffung von weiteren eigenen Lastenrädern. Hier sind Spenden das zentrale Stichwort. Wir planen Crowdfunding-Aktionen, die ein bestimmtes Kiezumfeld aktivieren und so auch den Zusammenhalt im Kiez durch ein gemeinsam finanziertes Lastenrad stärken.

Wer kann bei euch mitmachen?

Birthe: Das fLotte Team freut sich über Zuwachs: Wir sind eine bunte Gruppe und alle Talente sind willkommen. Außerdem suchen wir noch Leute, die sich als Patinnen oder Paten um Lotte, Lukas und Luise kümmern möchten.

 

Am 10. März startet die fLotte ganz offiziell mit einem kleinen Event auf dem Tempelhofer Feld. Alle Infos und Ausleihe unter flotte-berlin.de, fLotte Neuigkeiten auf Twitter und Facebook.

Wer mithelfen will, meldet sich gern per Mail an kontakt@flotte-berlin.de

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