Friedrichshain-Kreuzberg beschließt Radverkehrsplan

© ADFC Berlin

Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg hat im Dezember 2017 beschlossen, in den nächsten Jahren umfangreiche Radverkehrsmaßnahmen umzusetzen. Das bedeutet – zumindest auf dem Papier – eine Trendwende: Bislang wurden wichtige Projekte, welche die BVV bereits beschlossen hatte, vom Bezirksamt nicht umgesetzt. Von
Nikolas Linck.

»Mit diesem umfangreichen Radplan sind wir unter den Berliner Bezirken Vorreiter zur Förderung des Radverkehrs. Wir haben zum ersten Mal eine transparente Gesamtübersicht über unsere geplanten Radverkehrsprojekte für mehrere Jahre«, sagt Florian Schmidt, Bezirksstadtrat für Bauen, Planen und Facility Management.

Seltenes Bild in der Oranienstraße: In einer Schwerpunktaktion rückte letztes Jahr der Abschleppwagen an. Tags darauf waren die Falschparker wieder da – Busgäste und Radfahrende haben das Nachsehen. © ADFC Berlin

Der Bezirk weiß, wo den Radfahrenden der Schuh drückt und verspricht in dem Plan den Umbau unangenehmer und gefährlicher Strecken (siehe Kasten). Viele der Maßnahmen mussten dabei nicht neu erfunden werden – sie waren lange von den bezirklichen Volksvertretern beschlossen, aber im Bezirksamt nie in die Hand genommen worden.


Priorisierte Maßnahmen (in dieser Reihenfolge):

1. Komplettumbau der Oranienstraße
2. Komplettumbau der Petersburger Straße
3. Schaffung eines geschützten Radstreifens auf dem Kottbusser Damm
4. Asphaltierung der Straßen im Boxhagener Kiez
5. Schaffung von Radstreifen in der Zossener Straße (einschließlich des Kreuzungsumbaus Zossener Straße / Bergmannstraße)
6. Schaffung von möglichst geschützten Radstreifen auf den Kanaluferstraße Tempelhofer Ufer und Hallesches Ufer

Eine Herausforderung zudem, bestehende Regelungen durchzusetzen: Das bereits bestehende Halteverbot in der Oranienstraße hindert derzeit noch niemanden, auf beiden Seiten zu parken und damit Radfahrende sowie Busgäste zu gefährlichen Slalomfahrten oder langen Wartezeiten zu zwingen. Neben den großen Bauprojekten verspricht das Bezirksamt mehr Fahrradbügel und rote Farbmarkierungen an gefährlichen Kreuzungen.

Außerdem sollen Projekte der Senatsverwaltung wie Radstreifen auf der Hasenheide, Frankfurter Allee und Stralauer Allee unterstützt werden. Die Zusammenarbeit zwischen Senat und Bezirken sollte zwar eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein, hatte aber in der Vergangenheit auch in Kreuzberg oft genug gehakt und für Verzögerungen gesorgt. Für mehr als die Hälfte der insgesamt 49 Maßnahmen, die der Radverkehrsplan beinhaltet, ist neben dem Bezirk auch die Senatsverwaltung zuständig. Wenn hier Uneinigkeit herrscht, bleibt abzuwarten, ob sich die Beteiligten gegenseitig die Schuld zuschieben oder an einem Strang ziehen. Und auch wenn für kaum eines der Vorhaben ein Zeitrahmen angegeben ist: Mit dem Radplan bekennt sich Kreuzberg Schwarz auf Weiß zum Berliner Mobilitätsgesetz und leistet damit mehr als die meisten anderen Bezirke. »Jetzt kommt es darauf an, die Projekte umzusetzen«, kündigt Stadtrat Schmidt an und spricht damit den Menschen in Kreuzberg, die berlinweit am meisten Rad fahren, aus der Seele.

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