Jetzt neu: Gehirnprothesen-Pflicht! – Ein Kommentar

Waren Sie auch mal alt, schwanger, krank, ein Kind, mit Kind unterwegs, in Urlaubsstimmung, verträumt, schwer beladen – oder aus welchen anderen Gründen auch immer langsam mit dem Rad unterwegs? Oder gar Fußgänger? EIN KOMMENTAR VON KERSTIN E. FINKELSTEIN

Foto: Kerstin E. Finkelstein

Coole Radfahrer machen Pause statt Druck.

Dann kennen Sie vermutlich auch das Gefühl des spontanen Schreckens, der sich als Stoßwelle durch den ganzen Körper ausbreitet und in zitternden Knien und einem wutgrollenden Kloß im Rachen endet. Extrovertierte Verkehrsteilnehmer beginnen in solchen Momenten zu fluchen – andere hoffen, dass es Karma wirklich gibt und es sich eines Tages auszahlen wird, wie man in den Wald hinein geradelt ist. Allein: In diesem Leben müssen wir alle irgendwie miteinander auskommen. Was einige Verkehrsteilnehmer jedoch beileibe nicht daran hindert, durch die Gegend zu brettern, als seien sie Eremiten und alleine auf irgendeiner Wüstenpiste unterwegs. Nach einem guten Dutzend eigener fast Karambolagen innerhalb weniger Wochen und der Lektüre diverser Unfallberichte in den Hauptstadtgazetten sei hier jedoch einmal ausgerufen: Werte Kollegen Schnellradler, kommt mal runter von eurem hohen Stahlross der ungebremsten Fahrt! Es mag sein, dass es in eurer Welt cool ist, andere Radfahrer im Abstand von 15 Zentimetern zu über-holen. Es hat auch sicher etwas Spielerisches, Fußgänger als Slalomhütchen zu sehen und in flotter Fahrt zu umkurven. Und es mag sich bärig maskulin anfühlen, einen Radweg in falscher Richtung zu benutzen, und trotz Gegenverkehrs keinen Deut weniger Kraft in die Pedale zu legen. Ja, ja, ja: Die Infrastruktur ist in Berlin und Brandenburg auf Autos ausgelegt, viele Wegeführung ein Ärgernis und der immer größer werdenden Anzahl an Radfahrern nicht angemessen. Stimmt. Deshalb muss man sich aber trotz-dem nicht aufführen, als sei jeder andere Verkehrsteilnehmer ein lästiges Hindernis auf der eigenen, so unendlich bedeutungs-schweren Strecke – und dabei Unfälle billigend in Kauf nehmen. Denn nein, nicht je-der (langsame) Radfahrer fährt stets gerade-aus, und auch so mancher Fußgänger macht einfach mal einen Schritt zur Seite. Und dann knallt es.

Aber dennoch: Ein Helm ist ja ganz schön; der Dame, die mich jüngst auf dem einen Meter breiten Radstreifen beim Durchfahren des Charlottenburger Tores überholte und dabei meinen Lenker touchierte, während neben ihr der Pkw-Verkehr floss, sei jedoch eher eine Gehirnprothese anzuraten. Ebenso den Kollegen, die auf Radspuren rechts überholen. Merke: Wenn der Streifen neben parkenden Autos entlangführt, hält der denkende Radfahrer möglicherweise den Abstand aus gutem Grund! Zusammenfassend stelle ich fest: Radfahren ist cool. Aber ihr nicht, werte Kollegen Schnellradler.

Schottklein

Foto: Kerstin E. Finkelstein

 

 

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