fLotte Lastenräder: Berlin kommt auf den Geschmack

Vor einem Jahr startete der ADFC Berlin ein Verleihsystem für Freie Lastenräder. Mittlerweile gehören 38 zwei- und dreirädrige Cargobikes zur „fLotte“ – und der Traum einer Stadt voll Freier Lastenräder rückt in greifbare Nähe. Von Nikolas Linck.

Ist es nun praktisch oder problematisch, wenn der Hund sich lieber fahren lässt, statt zu laufen? Lastenrad Luise hat jedenfalls nichts dagegen.

„Draufsetzen und ausprobieren!“ Dieses Motto beherzigte auch das Team der fLotte, als es im Januar 2018 den „Probebetrieb“ aufnahm und fünf Lastenräder auf die Straßen von Berlin setzte: drei nagelneue, vom ADFC Berlin finanzierte Räder und zwei der KungerKiezInitiative aus Alt-Treptow, des ersten fLotten Partners. Im März rollte die fLotte Berlin zum offiziellen Start auf das Tempelhofer Flugfeld. Dort wurden die Räder gleich ausgiebig getestet: Im Cargobike-Race mussten sie gegeneinander antreten und außerdem Reporterin und Kamerateam des RBB chauffieren. Die Nachfrage nach den fLotten Rädern ist überwältigend. Es scheint, als hätten die Menschen in Berlin nur auf „Lotte“ und die anderen Lastenräder gewartet. Von Beginn an waren sie für Wochen ausgebucht. Viele der Nutzerinnen und Nutzer fahren zum ersten Mal mit einem Lastenrad – und erfüllen damit eines der Ziele des Projekts: Neulinge zum Ausprobieren der praktischen Transporter zu motivieren. „Die meisten sind hinterher begeistert – sie fahren am Stau vorbei, sparen sich die Parkplatzsuche und haben sich selbst und der Umwelt etwas Gutes getan“, erzählt Thomas Büermann, der das Projekt initiiert hat.

Büermann koordiniert das Projekt in seiner Freizeit – das ist an manchen Tagen ein Full-Time-Job. Warum er so viel Zeit in die ehrenamtliche Tätigkeit steckt? „Ich war beruflich lange für eine große Fluggesellschaft tätig. Jetzt ist es Zeit für mich, etwas Sinnvolles zu tun“, erklärt er lachend. Und das mit großem Erfolg: Jeden Monat wächst die Zahl der Lastenräder, die von Kiezinitiativen, Geschäften oder Privatpersonen angeschafft und mit Hilfe des Verleihsystems frei zugänglich für alle werden. Immer mehr Menschen sind überzeugt von dem Motto „teilen statt besitzen“. Das ging schon so weit, dass sich eine Privatperson ein Lastenrad zum Geburtstag wünschte, um es an die fLotte zu geben, erzählt Büermann. Gleichzeitig wächst die Nachfrage, weil das Angebot immer bekannter wird und die Nutzung so einfach ist: Registrierung und Buchung sind mit wenigen Klicks erledigt.

Kein Einkauf ist zu groß: Was alles in Lastenrad Frieda hineinpasst, grenzt an ein Wunder.

Da kam die Anfrage der Bezirksämter von Spandau und Lichtenberg gerade zur rechten Zeit. Sie meldeten sich beim ADFC Berlin mit der Idee, den Menschen in ihrem Bezirk Freie Lastenräder anzubieten. Das Kooperationsprojekt „fLotte – kommunal“ war geboren. Die Bezirke schafften jeweils zehn Lastenräder an und entschieden sich für zehn öffentliche Einrichtungen als Ausleihstationen. Der ADFC nahm die Räder in sein Verleihsystem auf, macht Öffentlichkeitsarbeit und kümmert sich um Koordination und Wartung der Räder. Dafür wurde eine eigene Projektstelle geschaffen. „fLotte – kommunal“ rollt seit September 2018 und wird aus Mitteln des Berliner Energie- und Klimaschutzprogramms 2030 finanziert.

Reisegruppe: Für den Familienausflug oder andere Abenteuer können auch mehrere fLotte Räder gebucht werden

Der fLotte gehören damit inzwischen 38 Lastenräder an, von denen das letzte zum Jahresanfang 2019 in Betrieb genommen wurde. Und es könnten noch sehr viel mehr werden, denn andere Bezirke wollen den Vorreitern Spandau und Lichtenberg folgen. In Charlottenburg-Wilmersdorf, Neukölln, Pankow, Reinickendorf, Treptow-Köpenick und Mitte werden derzeit die Weichen gestellt, „fLotte – kommunal“ auch dort zu etablieren. „Unsere Vision ist dabei, Wirklichkeit zu werden: Eine Stadt voll Freier Lastenräder!“, jubelt Uwe Behrendt, der Co-Projektleiter des fLotte-Teams. Gleichzeitig bremst er die Erwartungen, da die Aufnahme, Koordination und Wartung weiterer kommunaler Räder mit einem hohen zusätzlichen Zeitaufwand verbunden sei. Gerade erst hat Projektmitarbeiterin Karena Kuntze alle neuen Räder fahrtüchtig in ihren Stationen untergebracht und ist nun mit Wartung und Projektmanagement voll ausgelastet. Auch wenn mit der Ausweitung auf andere Bezirke mehr Stunden bezahlt werden könnten, müssen vorher Standorte ausgesucht, Budgets kalkuliert, Verträge aufgesetzt und vieles mehr getan werden. Zusätzlich kommen auch neben „fLotte – kommunal“ neue Räder hinzu. Standortpartner müssen gefunden, die Räder gewartet und die Website aktualisiert werden. Kein Wunder, dass sich das fLotte-Team über Unterstützung freut (siehe Kasten). Wie sich das lohnt, zeigt die Bilanz der fLotte zu ihrem 1. Geburtstag: Die 3.100 registrierten Nutzerinnen und Nutzer haben an insgesamt 3.800 Tagen ein fLottes Lastenrad ausgeliehen – und aufs Auto verzichten können.

An diesen Standorten können fLotte Lastenräder geliehen werden (Karte unter flotte-berlin.de)

Wir bedanken uns ausdrücklich bei Thomas Büermann, Uwe Behrendt und dem fLotte-Team, die dieses tolle Projekt auf die Beine gestellt haben; und bei den vielen Aktiven, die im täglichen Einsatz als Patinnen und Paten sowie in den Ausleihstationen die fLotten Lastenräder am Rollen halten!

Bilder: 1 © ADFC Berlin, 2&3 © Privat, 4 © Thomas Büermann, 5 © Google Maps