Fahrradstraße 2.0

© Axel von Blomberg

Die Linienstraße in Mitte soll weitgehend zur Vorfahrtsstraße werden und eine Markierung erhalten, die ihre Funktion als Fahrradstraße sichtbarer macht. Autos sollen durch Einbahnstraßenregelungen ferngehalten werden. Damit könnte sie Vorbild für andere Fahrradstraßen in Berlin werden. Von Nikolas Linck.

Als erste Straße in Berlin wurde die Linienstraße vor 10 Jahren als Fahrradstraße ausgewiesen. Laut Rechtslage sind Autofahrer hier seitdem lediglich zu Gast – doch die Praxis sieht anders aus. Wer öfter auf der Linienstraße fährt, kennt auch den motorisierten Durchgangsverkehr, der das Vorankommen in der schmalen Straße ziemlich mühsam machen kann. Ähnlich sieht es in den meisten anderen Fahrradstraßen Berlins aus. Entweder kennen Autofahrer das Konzept nicht, oder sie ignorieren es. Auch Navigationssysteme sind mitunter ahnungslos und führen durch die Straßen, die Radfahrenden und Anliegern in Kraftfahrzeugen vorbehalten sind. Das Problem ist der Polizei bekannt, doch wie so oft scheitern häufige Kontrollen am Personalmangel. Dabei kann durch einfache Maßnahmen verhindert werden, dass Autofahrer Fahrradstraßen als Schleichwege nutzen – etwa Diagonalsperren aus Pollern oder Einbahnstraßenregelungen. Letzteres soll nun in der Linienstraße angewendet werden. Die Ausweisung einiger Abschnitte als Einbahnstraße mit »Radfahrer frei«-Regelung soll den Kfz-Durchgangsverkehr unterbinden, so ein Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung im Dezember 2017. Darüber hinaus soll eine 25 Zentimeter breite grüne Linie – passend zur geplanten grünen Markierung künftiger Radstreifen – die Sonderrechte der Radfahrenden deutlicher machen.

Andere deutsche Städte kennzeichnen ihre Fahrradstraßen deutlicher als Berlin. Die Schottenstraße in Konstanz zum Beispiel weist blaue Markierungen auf. Die Linienstraße in Berlin soll einen grünen Streifen bekommen. © Axel von Blomberg

Gleichzeitig soll die Straße an fast allen Kreuzungen als Vorfahrtsstraße ausgewiesen werden, verdeutlicht durch rot markierte Flächen. Bislang werden Radfahrende in Fahrradstraßen durch die – in Nebenstraßen übliche – Rechts-vor-links-Regelung ausgebremst. Die Vorfahrtsregelung über mehrere Kreuzungen wäre ein Novum in Berlin und würde die Qualität der Strecke deutlich erhöhen. Im Berliner Mobilitätsgesetz soll festgehalten werden, dass ein Leitfaden für die einheitliche Gestaltung von Fahrradstraßen erarbeitet wird. Denn von denen soll laut Gesetz bald viel mehr geben. Je nachdem, wie sich die geplanten Maßnahmen in der Linienstraße bewähren, könnte sie Eingang in den Leitfaden finden.

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