Eva-Maria Scheel nimmt Abschied vom Landesvorstand

Nach neun Jahren im Landesvorstand und acht Jahren als Landesvorsitzende ist EvaMaria Scheel auf der diesjährigen Mitgliederversammlung nicht erneut angetreten. Im radzeit-Interview spricht sie über ihre Zeit an der Spitze des Verbands.

Wann hast du angefangen, Dich beim ADFC zu engagieren?
Ab 2002 bin ich regelmäßig bei ADFC-Radtouren mitgeradelt. 2006 sprach mich eine Mitradlerin an. Der ADFC benötige dringend Leute, die politisch mitarbeiten. Da habe ich nicht lange überlegt. Als Alltagsradlerin habe ich die Probleme für Radfahrer*innen Tag für Tag selbst erlebt und als Charlottenburgerin habe ich mich der Stadtteilgruppe City-West angeschlossen. Nach meiner Wahl zur stellvertretenden Sprecherin der Gruppe war im Jahr 2011 der Sprung in den Vorstand schnell getan.

Du kommst aus der Fahrradstadt Münster. War der Umzug nach Berlin ein Kulturschock?
Als Münsteranerin war ich es gewohnt, alle Wege bei Wind und Wett er mit dem Fahrrad zurückzulegen. Ich bin von meinen Eltern so erzogen worden, das war ganz selbstverständlich. 1983 bin ich nach Berlin gezogen, das war ein großer Unterschied. Aber es ist ein Irrtum zu glauben, dass die Radverkehrsinfrastruktur in Münster perfekt ist. Der Radverkehrsanteil ist mit ca. 40 Prozent sehr hoch, das ist aber vor allem der Tatsache geschuldet, dass die Münsteraner*innen es gewohnt sind, mit dem Fahrrad zu fahren. Das hat auch mit der Nähe zu Holland zu tun.

Was waren für dich prägende Entwicklungen im Verband innerhalb deiner Amtszeit?
Insgesamt hat der ADFC seit 2012 eine rasante Entwicklung hingelegt. Er hat sehr schnell viele Mitglieder gewonnen. So haben sich neue Aufgaben und Herausforderungen entwickelt. Viele neue Projekte und Kooperationen sind entstanden. Im Zuge der Professionalisierung wurden Aufgaben, die vorher ehrenamtlich geleistet wurden, an neue hauptamtliche Mitarbeiter*innen übergeben. Ein wichtiger Meilenstein war die Einführung von Parität im Vorstand, um mehr Frauen in den Vorstand zu bekommen, der jahrelang männlich dominiert war.

Ist die politische Arbeit in Berlin heute eine andere als früher?
Die politische Lobbyarbeit des ADFC hat heute mehr Gewicht als früher. der ADFC ist unter anderem Mitglied im Beirat der BVG, im Aufsichtsrat der infraVelo oder im Verkehrsausschuss der IHK. Das bedeutet auch, dass die repräsentativen Aufgaben des Landesvorstandes deutlich zugenommen haben. 2015 startete der Volksentscheid Fahrrad. Das war eine große Herausforderung für den ADFC Berlin und drohte für kurze Zeit, den Verband zu spalten. Doch nach der positiven Entscheidung der Mitglieder für das Volksbegehren ging der ADFC mit frischem Wind daraus hervor. Die Umsetzung des Mobilitätsgesetzes erfordert nun viel Zeit, politisches Geschick und wird die Arbeit des ADFC noch viele Jahre bestimmen. Auf zivilgesellschaftlicher Seite gibt es viele neue Vereine, Gruppen und Initiativen und damit junge Menschen mit neuen Denkweisen und Positionen. Das öffnet die Tür für neue Zusammenarbeit.

Spenden sammeln für den guten Zweck auf der PSD-HerzFahrt 2017.

Vor acht Jahren wurdest du in den Vorstand gewählt. Wenn Du acht Jahre in die Zukunft blickst: Was für einen ADFC wünschst Du Dir 2028?
2028 hat der ADFC Berlin 30.000 Mitglieder. Alle seine Gremien sind paritätisch besetzt. Viele Frauen und junge Menschen sind ganz selbstverständlich im Verband aktiv. Der Landesvorstand arbeitet mit Freude und Teamgeist zusammen. Positions-, Machtkämpfe und persönliche Egotrips gehören der Vergangenheit an. Das »Wir« steht im Vordergrund. Der Verband ist in der Lage, sich ständig weiterzuentwickeln, Neues zuzulassen und trotzdem die Marke ADFC zu bewahren.