Ein Globetrotter aus Weißensee

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Das verschmitzte Lächeln ist wohl sein auffälligstes Kennzeichen.

Sven Marx wuchs in den 70ern im beschaulichen Weißensee auf. Als junger Mann entdeckte er die Liebe zu Motorrädern. Inzwischen hat er seine Liebe zu (unmotorisierten) Zweirädern zum Lebensinhalt gemacht.
TEXT UND FOTOS VON ANDREAS STENZEL

 

 

Zuvor gab es jedoch noch ein paar Zwischenstopps: er war Hausmeister, Dachdecker und später Tauchlehrer, zuletzt in Ägypten. Hier traten auch die ersten Anzeichen seiner Erkrankung auf: ein Tumor am Hirnstamm, der größtenteils operativ entfernt werden konnte. Noch immer ist ein Rest des Tumors vorhanden. Trotz der Reha, in der der Pflegefall Sven wieder das Sitzen, Stehen, Gehen und selber Essen lernte, ist eine Behinderung geblieben. Svens Gesichtssinn ist eingeschränkt, nur ein kleiner Ausschnitt seines Gesichtsfeldes ist frei von Doppelbildern. Zudem ist sein Gleichgewichtssinn eingeschränkt. Das Laufen ist daher auch nicht so sein Ding. Ein Fahrrad fährt hingegen fast von allein geradeaus.

Seit 2009 weißt du, dass du einen Tumor hast. Wie kamst du auf die Idee, es auf dem Rad zu versuchen?
Die Idee kam in der Reha. Mir war klar, dass ich wieder Muskeln aufbauen muss, um so weit wie möglich an einem normalen Leben teilnehmen zu können.
Was für ein Fahrrad hattest du 2009?
Zuerst ein Mountainbike, man konnte es schön niedrig einstellen, damit ich nicht immer hinfalle, wenn ich anhalte.
Du fährst jetzt mit einer Shimano 11fach-Nabenschaltung, die für Reiseradler eher untypisch ist.
Für mich war nach ein paar tausend Kilometern klar, dass ich eine Nabenschaltung haben möchte, sie bietet beim Reisen viele Vorteile. Eigentlich bin ich ein Fan von Kettenschaltungen.
Du hast inzwischen 35.000 km zurückgelegt, darunter die Route 66 in den USA. Welche Reise blieb dir besonders in Erinnerung?
Die Reise von Helsinki nach Mera (Rumänien). Das war eine der Charitytouren für den DID e.V. (Diakonische Initiative Direkt e.V., www.did-ev.de; AS)
Was war das Besondere an deiner Tour nach Rumänien?
Einiges! Ich fahre nun schon das vierte Jahr dorthin und die Menschen vor Ort sind schon immer gespannt, wann und von wo »der Verrückte« nun wieder kommt. Da es ja immer für einen guten Zweck ist, fühle ich mich einfach wohl, wenn am Ende der Tour auch noch etwas Geld gespendet wird. Und ich finde die Touren abenteuerlicher, weil Osteuropa (von Norden bis Süden) noch nicht so gleichgerichtet ist.
Du engagierst dich für »Inklusion braucht Aktion«. Wie kam es dazu?
Karl (Grandt; AS) hat mich in Frühjahr 2014 angeschrieben und befragt, ob ich wie viele andere Menschen Botschafter werden möchte. In Gesprächen hat sich eine Freundschaft entwickelt und so unterstütze ich nun auch IbA.
Wie finanzierst du deine Touren?
Ich bekomme eine Rente und habe noch ein paar Euro gespart. Dieses Geld nutze ich, um meine Touren zu finanzieren und damit die beiden Vereine zu unterstützen. Sponsoren sind dabei dringend nötig um mein Vorhaben weiter zu verfolgen.
Jeder Mensch kann in eine vergleichbare Situation geraten. Welchen Rat würdest du anderen Betroffenen geben?
Nur einen: Es ist mehr als schwer, sein altes Leben aufzugeben. Aber: man muss das zuerst vergessen. Man kann auch gut weiterleben mit anderen Dingen. Wenn man glücklich ist mit dem, was man kann, fühlt man sich auch wohl ohne Motorradfahren und Tauchen.
Was wünschst du dir für 2015?
Dass mir alles gelingt, was ich mir vorgenommen habe!

Sven Marx ist auf Facebook und http://sven-globetrotter.com zu finden. Am 13.3. hält er einen Reisevortrag in der ADFC Landesgeschäftsstelle Berlin. http://www.adfc-berlin.de/service/diavortraege/

 

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