Drängelgitter behindern Radverkehr

DrängelgitterBUEr ist einer der wenigen ruhigen Wege, die aus der Stadtmitte heraus in die Randbezirke und ins Umland führen: der Berlin-Usedom-Radweg, zugleich auch Teil der Radialroute 6 vom Schloßplatz in Mitte nach Bernau. Sowohl Pendler als auch Freizeitradler schätzen die attraktive Strecke – müssen sich seit einiger Zeit aber mit einem Hemmnis herumschlagen.

Dort, wo die Route die Pankgrafenstraße kreuzt, wurde Ende 2014 ein Zebrastreifen angelegt – für Fußgänger eine erfreuliche Verbesserung; jedoch wird diese Strecke überwiegend von Radfahrenden genutzt – und für die hat sich die Situation im Februar drastisch verschlechtert. Und zwar durch das Aufstellen von Umlaufsperren – so genannten »Drängelgittern«. Die wurden auf Veranlassung der Verkehrslenkung Berlin (VLB) auf beiden Seiten der Pankgrafenstraße montiert. Wohl deshalb, weil die zunächst am Zebrastreifen aufgestellten, rechtlich aber nicht bindenden Verkehrszeichen »Radfahrer absteigen« nicht auf die Akzeptanz gestoßen waren, die sich die Verkehrslenkung davon versprochen hatte. Dabei mussten Radfahrende die Verkehrszeichen auch gar nicht akzeptieren, das Recht ist da eindeutig auf Seiten der Radler (siehe Kasten). »Radfahrer absteigen« ist allenfalls ein ergänzendes Gefahrzeichen. Außerdem: Ohne Zebrastreifen haben Radfahrer hier jahrelang ohne Behinderung die Straße gekreuzt.

Nun aber sorgen regelwidrig ausgeführte Drängelgitter für reichlich Unmut, die mehrere Meter von der Fahrbahn entfernt installiert wurden. Ein Passieren für Radler mit Packtaschen, Anhänger (oder Kinderwagen) ist extrem schwierig, mit Dreirad vermutlich unmöglich. Bei geringer Verkehrsbelastung der Pankgrafenstraße oder wenn größere Gruppen die Kreuzung passieren, sorgen die Sperren für massive Verzögerungen. Und Radgruppen passieren diesen Punkt häufig. Allein eine Schnellumfrage unter ADFC-Tourenleitern ergab, dass sie in diesem Jahr 20 Touren mit jeweils 20 bis 60 Teilnehmern planen, die genau hier vorbeiführen. Nach Ansicht der ADFC-Stadtteilgruppe müssen die Sperren wieder abgebaut werden. Wenn tatsächlich ein Sicherheitsproblem bestünde, wäre es sinnvoller, für regelkonformes Verhalten aller Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmer zu werben. Der Zebrastreifen zwingt zu gegenseitiger Aufmerksamkeit. Das sollte ausreichend sein.

Drängelgitter BUIn einer Fahrradstadt könnte man natürlich auch diskutieren, ob die Einstufung der Wege im Stadtentwicklungsplan Verkehr auf Dauer haltbar ist. Danach wird der Pankgrafenstraße als Hauptstraße der Kategorie II automatisch gegenüber einer – in diesem Kontext kaum als Verkehrsweg ernstgenommenen Hauptroute des Radverkehrs – Vorrang eingeräumt. Um dies zu ändern, sind aber wohl noch einige Schritte zurückzulegen. n SJ, CL

Vorrang am Zebrastreifen

Nach derzeitiger Rechtslage haben an Zebrastreifen zu Fuß Gehende (auch wenn sie ein Fahrrad schieben) Vorrang, Radfahrende dürfen weiterhin queren ohne abzusteigen, haben aber dann den Vorrang des Straßenverkehrs zu beachten. In der Praxis ist diese Rechtslage allerdings vielen Verkehrsteilnehmern nicht klar, am Fußgängerüberweg in der Pankgrafenstraße äußert sich das in widersprüchlichen Anforderungen. Schiebende Radfahrer werden angehupt, weil sie langsamer sind als wenn sie fahren, fahrende Radler werden angepöbelt mit Äußerungen wie: »Ich fahr dich um, wenn du nicht absteigst.«

Der ADFC fordert seit Jahren eine Änderung der StVO, die eine gemeinsame Bevorrechtigung von Fußgängern und Radfahrern an Fuß-gängerüberwegen erlaubt.