Berlin umweltfreundlich entdecken – Radtourismus fördern!

Fahrradtourismus boomt in Deutschland und zahlreiche beliebte Radfernwege verlaufen durch Berlin. Doch die Wege sind in schlechtem Zustand, eine zentrale Stelle für Pflege, Planung und Vermarktung fehlt. Der Senat versäumt, Reisen und Sightseeing mit dem Fahrrad ausreichend zu fördern – und verspielt damit das ökologische und wirtschaftliche Potenzial des Radtourismus. Der ADFC Berlin stellt nun konkrete Forderungen an den Senat, um den Besuch der Stadt mit dem Fahrrad attraktiver zu machen. Von Nikolas Linck.

Immer mehr Menschen in Berlin fahren Fahrrad – nicht nur im Alltag. Touristen auf Leihrädern und kleine Pulks von Fahrrad-Stadtführungen gehören ebenso zum Stadtbild wie voll bepackte Radreisende, auf ihrem Weg durch die Hauptstadt.

Der Zustand des Mauerradwegs in Rudow ist durch Wurzelaufbrüche geprägt. © alle Fotos: Maike Berndt

Die Vorteile eines attraktiven und gut ausgebauten touristischen Radwegenetzes liegen auf der Hand. Es lädt Besucher ein, die Stadt umweltfreundlich zu erkunden und stärkt einen nachhaltigen und stadtverträglichen Tourismus. Statt sich nur in wenigen Innenstadtbereichen aufzuhalten, die allein vom Tourismus profitieren, können Besucher einfacher Außenbezirke und Umland entdecken – ganz ohne Mietauto. Treptow-Köpenick und Steglitz-Zehlendorf haben längst erkannt, dass sie genug zu bieten haben und die große Anziehungskraft der Hauptstadt nutzen können. Sie haben bereits eigene, bezirkliche Radtourismuskonzepte entwickelt. Zudem liegt Radfahren in Metropolen im Trend. Mit dem geplanten Mobilitätsgesetz will Berlin sich zur Fahrradstadt mausern. Ähnlich wie Kopenhagen könnte Berlin das Image als Fahrradmetropole für touristisches Marketing nutzen – und beim Thema nachhaltige Mobilität seinen Besuchern eine Botschaft mitgeben. Doch touristische Radwege bieten nicht nur für Gäste die Möglichkeit, die Stadt zu entdecken – auch Ortsansässige können sie nutzen, ob in ihrer Freizeit oder um im Grünen zur Arbeit zu pendeln. So kurbelt touristische Radinfrastruktur nicht nur die Wirtschaft an, sondern schafft mehr Lebensqualität für alle.

Neun offizielle Radfernwege verlaufen bereits durch die Hauptstadt, starten oder enden hier. Doch die Qualität der Infrastruktur ist vielerorts desaströs. Der Berliner Mauerweg als radtouristisches Aushängeschild erfüllt keinerlei Qualitätsstandards, Radfernwege wie Spreeradweg oder R1 weisen gravierende Mängel auf – ein klarer Wettbewerbsnachteil für die Tourismusdestination Berlin. Anders als viele andere Orte in Deutschland hat die Hauptstadt den Fahrradtourismus bislang kaum auf dem Radar. Es fehlt an professioneller Steuerung und ganzheitlicher Entwicklung seitens des Senates oder der zuständigen Tourismusorganisation visitBerlin. Eine Chance auf Änderung bot kürzlich das neu erarbeitet Tourismuskonzept 2018+, das die Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe im Januar veröffentlichte.

Nicht überall sind Radfernwege in Berlins so breit und gut ausgebaut wie dieser Abschnitt des Mauerradwegs in Neukölln.

Das Ziel: ein nachhaltiger stadtverträglicher Tourismus für Berlin. Doch in den Vorgesprächen wurde kaum ein Vorschlag des ADFC angenommen. Radtourismus spielt letztlich in dem Papier kaum eine Rolle und wird lediglich in zwei Maßnahmen erwähnt. So soll das radtouristische Angebot in der Hauptstadt mit der Aufwertung des Mauerradweges und der Schaffung ergänzender Infrastruktur wie Schließanlagen und Haltepunkten verbessert werden – ein Anfang, aber lange nicht genug, findet Maike Berndt, Fachreferentin für Tourismus beim ADFC Berlin: »Andere Städte haben das längst verstanden, doch Berlin macht in seinem neuen Konzept kaum Fortschritte«, kritisiert die Diplom-Geografin und langjährige Tourismus-Beraterin. Gemeinsam mit anderen Ehrenamtlichen des ADFC-Arbeitskreises Tourismus hat sie eine Reihe von Forderungen an den Senat erarbeitet:

1) Radtourismus in Berlin braucht Koordinierung und Abstimmung

Für einen erfolgreichen Radtourismus müssen Verantwortliche in den Bereichen Tourismus und Verkehr zusammenarbeiten und sich abstimmen. Eine zentrale Koordinierungsstelle muss radtouristische Anliegen bündeln und fester Ansprechpartner für alle berlinweiten Fragen zum Radtourismus sein. Außerdem muss für länderübergreifende Projekte die Zusammenarbeit mit Brandenburg gestärkt werden.

2) Radtourismus in Berlin braucht wettbewerbsfähige Produkte und Infrastruktur

Touristische Radwege und die begleitende Infrastruktur entlang der Routen müssen besser ausgebaut, gepflegt und instandgehalten werden. Darüber hinaus fehlen aus touristischer Sicht attraktive Rundtouren durch Berlin und seine 12 Bezirke. Ein bezirksübergreifendes radtouristisches Gesamtkonzept ist notwendig, das attraktive Routen festlegt, bestehende Lücken und Mängel identifiziert und behebt und touristische Angebote entlang der Radrouten einschließt.

3) Radtourismus in Berlin braucht professionelles Marketing
Erfolgreicher Radtourismus muss entsprechend beworben und vermarktet werden. Dafür braucht es klare Zuständigkeiten und Ressourcen für ein berlinweites radtouristisches Marketing, die bisher auf Landesebene nirgends vorhanden sind. Der ADFC Berlin fordert ein zentrales Marketingbudget für den Radtourismus in Berlin.

 

Weitere Informationen zum Thema Radtourismus:

Vollständiger Forderungskatalog des ADFC-Berlin zu Radtourismus

Forderungen des ADFC auf Bundesebene

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