Begegnungszone Bergmannstraße

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Neuralgischer Punkt – Kreuzung Friesen- /Bergmannstraße. Fotos: Katrin Starke

Die Bergmannstraße – beliebte und belebte Wohn- und Geschäftsstraße – soll zwischen Zossener Straße und Mehringdamm als eines von drei Pilotprojekten der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung zur „Begegnungszone“ werden. VON CLAUDIA LIPPERT

Kreuzberg – Die Bürger sollen auch hier mitreden, haben diese Chance bei einer ersten Bürgerversammlung im November 2014 bereits zahlreich genutzt. Die nächsten Monate soll weiter über mögliche Veränderungen debattiert werden. Umgesetzt werden sollen sie 2016. Begegnungszone – das bedeutet, dass „alle Verkehrsarten verträglich miteinander auskommen“ sollen.

So steht es in der Fußverkehrsstrategie des Senats. Derzeit kommen sich Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger oft in die Quere. Das Aufeinandertreffen ist nicht immer ganz friedlich: Autofahrer parken ihre Vehikel in zweiter Reihe, weil die regulären Parkplätze von Dauerparkern blockiert sind, oder zwingen Radfahrer zum spontanen Slalom, indem sie ohne Seitenblick die Fahrertür aufreißen. Radfahrer weichen auf den Bürgersteig aus, schlängeln sich zwischen den Fußgängern hindurch. Was eine Begegnungszone bringen könnte? Zum Beispiel ein Tempolimit für Autos auf 20 Stundenkilometer. Die Hoffnung: dass die Bergmannstraße dann für Automobilisten als Schleichweg zwischen Mehringdamm und Gneisenaustraße weniger attraktiv wäre. Und dass Radfahrer wieder die Fahrbahn nutzen würden, wenn sie mit gleicher Geschwindigkeit wie die Autos unterwegs wären und als gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer wahrgenommen würden. Mit „aufwändigen Komplett umbauten“ sei angesichts der Berliner Haushaltslage nicht zu rechnen, macht Verkehrsstaatssekretär Christian Radzeit 01-15 045Gaebler (SPD) deutlich. Eher denke man an „kleine Veränderungen mit nachhaltiger Wirkung“, ergänzt Kreuzbergs Baustadtrat Hans Panhoff (B90/Die Grünen). Das könnten auch Markierungen auf der Straße sein. Womit sich die Initiative „Leiser Bergmannkiez“ sicher nicht zufrieden geben wird. Ihre Forderung: die umliegenden Straßen in die Begegnungszone einzubeziehen und zum verkehrsberuhigten Bereich ohne motorisierten Verkehr zu erklären. Der ADFC unterstützt die Forderung der Bürgerinitiative, die Zossener Straße vor der Markthalle komplett für den Durchgangsverkehr zu sperren. Denn: Würde die Bergmannstraße für den Durchgangsverkehr unattraktiv, verlagere sich der Nord-Süd-Durchgangsverkehr nur weiter in die Nachbarstraßen wie die kopfsteingepflasterte Friesenstraße, befürchtet Hans-Peter Hubert (Bürgerinitiative). Nach Zählungen der Verkehrslenkung Berlin sind in der Bergmannstraße täglich zwischen 7 und 19 Uhr bis zu 6.000 Radfahrer unterwegs. Schließlich verläuft hier die „Südspange“, die Radroute TR 4, die von Biesdorf kommend bis nach Dahlem führt – unter anderem über den Viktoriapark und Kreuzberg und die Hasenheide in Neukölln. „Das muss bei den Planungen vorrangig berücksichtigt werden“, fordert ADFC-Stadtteilgruppensprecher Florian Noto. „Gehört eine Straße zum Berliner Fahrradroutennetz, müssen Radfahrer hier auch zügig durchkommen und dürfen nicht in den Fußgängerverkehr hineingezwängt werden“. Zumal es bereits 2011 einen Beschluss der Bezirksverordneten gab, die Bergmannstraße zur Fahrradstraße zu erklären.


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