Archiv des Autors: Nikolas Linck

Gemeinsam aktiv: Ein Jahr Frauen-Netzwerk im ADFC Berlin

Seit einem Jahr trifft sich das Frauen-Netzwerk des ADFC Berlin regelmäßig, plant Veranstaltungen und diskutiert aktuelle Verkehrspolitik. Lara Eckstein erklärt, worum es geht und mit Netzwerk-Mitgliedern gesprochen.

Warum sind eigentlich in unseren Stadtteilgruppen, unter unseren Tourenleiter*innen, unter den Fachreferent*innen und in unserem Vorstand so wenige Frauen? Und vor allem: Wie können wir das ändern? Das waren Fragen, die ich mir Anfang des Jahres 2018 gestellt habe. Ich war neu beim ADFC Berlin, kam gerade zurück vom ADFC-BundesForum, wo ich viel über die neue und inklusive Ausrichtung des ADFC gehört hatte. Ich war inspiriert vom Frauen-Netzwerk im ADFC Nordrhein-Westfalen und einigermaßen verwundert darüber, dass ausgerechnet im Berliner Landesverband die Geschlechtergerechtigkeit noch nicht so richtig angekommen war.

Frauen machen die Hälfte der Weltbevölkerung aus und die Hälfte der Radfahrenden in Berlin. Frauen, Trans- und Inter-Personen sind in unserer Gesellschaft noch immer Diskriminierung ausgesetzt: Bestimmte Aufgaben werden ihnen zugeschrieben, bestimmte Fähigkeiten abgesprochen. Klar zeigt sich das auch in der Verkehrsplanung von einer Stadt wie Berlin, wo deutlich mehr Männer arbeiten. Und nein, eine Frau als Verkehrssenatorin ändert daran genau so wenig wie eine Frau als Bundeskanzlerin. Wer wann sprechen und entscheiden darf, entscheidet sich nach bestimmten Verhaltensmustern, die in uns allen – Männern, Frauen und allen anderen Geschlechtern – tief eingeschrieben sind. Es ist verdammt schwierig, diese Verhaltensweisen zu ändern. Für uns alle.

Ich fand es wichtig, einen Anlaufpunkt zu schaffen für Frauen, die gerne fahrradpolitisch aktiv sein möchten, die sich aber in den bestehenden ADFC-Angeboten nicht wohl fühlen. Deshalb habe ich das Frauen-Netzwerk ins Leben gerufen. Unsere Landesvorsitzende und auch der Geschäftsführer (ja, ein Mann!) haben mich dabei von Anfang an unterstützt. Weitere Unterstützung habe ich durch meine Kollegin, Anne Weise, zuständig für Aktivenkoordination und später durch ihre Elternzeitvertreterin, Britta Seidl, erfahren.

Wir treffen uns als Frauen-Netzwerk jeden dritten Montag im Monat um 19 Uhr im Velokiez. Die Treffen sind auch offen für alle, die sich als Trans oder Inter definieren. Bisher sind wir aber „nur“ Frauen. Alle kommen aus unterschiedlichen Ecken der Stadt und der Gesellschaft. Einige waren früher schon mal in Stadtteilgruppen aktiv, andere kommen über das Netzwerk zum ersten Mal zum ADFC Berlin. Einer Frau habe ich einfach mal bei einer Diskussionsveranstaltung zum Thema Verkehrssicherheit einen Zettel in die Hand gedrückt, auf dem stand: „Wenn du auch mal zu Wort kommen willst, dann komm doch zu unserem Frauen-Netzwerk!“ Sie ist gekommen, dabeigeblieben und gemeinsam mit vielen anderen Frauen haben wir Filmabende organisiert und ein Argumentationstraining, haben am Parking Day einen Parkplatz besetzt und eine Podiumsdiskussion auf die Beine gestellt

Ziel von unserem Netzwerk ist, dass wir einen geschützteren Raum schaffen, in dem wir einander zuhören können, Erfahrungen austauschen und Vertrauen aufbauen – ohne Männer, die dazwischenquatschen. Wir wollen Frauen motivieren und unterstützen, aktiv zu werden, uns einmischen in die verkehrspolitischen Debatten im ADFC, in der Fahrrad-Community und in unserer Stadt. Wir wollen zeigen, dass Fahrrad-Aktivismus Spaß machen und gleichzeitig etwas bewegen kann.

Antonija (35) aus Mitte

Antonija, Warum bist du beim Frauen-Netzwerk aktiv?
Das tolle am Frauennetzwerk ist, dass wir gemeinsam überlegen, welche Projekte wir umsetzen wollen, und dabei thematisch nicht eingeschränkt sind. Die Zusammenarbeit macht großen Spaß, da wir von unseren unterschiedlichen Charakteren und Fähigkeiten profitieren, und zugleich ähnliche Erfahrungen als Radfahrerinnen mitbringen, die nicht warten wollen, bis die Mobilitätswende vom Himmel fällt.

Was wünschst du dir fürs Radfahren in Berlin?
Ich wünsche mir, dass wir Radfahrenden und der gesamte Umweltverbund mehr Platz bekommen, mindestens die Hälfte der Straße! Praktisch könnte das so aussehen, dass Autofahrende auf den Hauptstraßen nur noch eine Autospur befahren, und die zweite Spur gehört den Radfahrenden und dem ÖPNV. Und alle Nebenstraßen werden zu Fahrradstraßen

Was wünschst du dir vom ADFC Berlin?Dass er sich für genau das einsetzt, was ich mir als Radfahrerin für Berlin wünsche, und diese Ziele für Berliner*innen in der Zukunft nicht mehr utopisch klingen, sondern selbstverständlich. Ich bin überzeugt, dass das Radfahren einen wichtigen Bestandteil der Mobilität der Zukunft ausmacht. Es ist eine so einfache und geniale Lösung für viele Herausforderungen der wachsenden Städte und knapp werdenden Ressourcen.

Brigitta (44) aus Marzahn-Hellersdorf

Brigitta, warum bist du beim Frauen-Netzwerk ak­tiv?
Weil die Verkehrswende nur mit Frauen zu schaffen ist.

Was wünschst du dir fürs Radfahren in Berlin?
Die Akzeptanz des Fahrrades als gleichberechtigtes Verkehrsmittel mit allen Konsequenzen sowie als Teil der Lösung der Verkehrsprobleme.





Was wünschst du dir vom ADFC Berlin?
Mut zur Veränderung, Entschlossenheit, Beständigkeit, Professionalität und mehr aktive Frauen

Doreen (47) aus Treptow-Köpenick (Foto: doreen-2)

Warum bist du beim Frauen-Netzwerk ak­tiv?
Gemeinsam mit Frauen bei interessanten Themen nicht nur über technische Details diskutieren, sondern spannende Projekte initiieren und umsetzen. Interessierte Frauen für den ADFC begeistern und in gemeinsamen Aktionen rund ums Radfahren Spaß haben.

Was wünschst du dir fürs Radfahren in Berlin?
Ausreichend breite Radwege und Radschnellwege, sicher gestaltete Kreuzungsbereiche mit Rad- und Fußgängerwegen, die nicht nur versierten Radfahrer*innen, sondern auch „Wenigradler*innen“ das Radfahren erleichtern und die Nerven aller Beteiligten schonen. Außerdem verstärkte Rücksichtnahme auf unsere radelnden Kinder – dazu gehört auch ausreichend Zeit für die wichtige Arbeit der Fachfrauen und -männer bei der Verkehrserziehung und Praxisvermittlung.

Was wünschst du dir vom ADFC Berlin?
Neugier auf Frauen mit Ideen, offene Kommunikation und vielfältige Unterstützung bei der Umsetzung der Ideen mit der Erfahrung von vielen Fachleuten. Außerdem die Vernetzungsarbeit mit anderen Initiativen ausbauen, damit wir gemeinsam das Mobilitätsgesetz in Berlin zu einer tragenden Säule für die zukünftige Stadtentwicklung machen.

Interview mit Neuköllns Bürgermeister Martin Hikel: »Das geht nicht über Nacht«

Weniger Durchgangsverkehr in den Kiezen, Parkraumbewirtschaftung, geschützte Radfahrstreifen: Bezirksbürgermeister Martin Hikel will Radfahren in Neukölln sicher und attraktiv machen. Doch Radwege, Fahrradstraßen und Geschwindigkeitsbegrenzungen werden von vielen Autofahrenden ignoriert. Radfahrende wünschen sich beim Umbau mehr Tempo und Mut. Hikel wirbt um Geduld. Das Gespräch führte Nikolas Linck.

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Die ultimative Prüfung

Ohne die Bezirke gibt es keine Verkehrswende in Berlin. Damit ein neuer Radweg gebaut wird, muss das Bezirksamt aktiv werden und mit der Senatsverwaltung zusammenarbeiten. Die radzeit macht deshalb eine Tour durch alle 12 Bezirke und stoppt dieses Mal in Neukölln. Der quirlige Bezirk ist bunt, jung und voller Radverkehr. Trotzdem ersticken die Kieze in Autolawinen, die Hauptstraßen sind nur etwas für Hartgesottene. Die Politik will das ändern – eine Mammutaufgabe, die Mut erfordert. Von Nikolas Linck.

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Visionen von Frauen für die Stadt für alle

Warum werden Debatten um Mobilität und Stadtplanung meist von Männern dominiert? Was ändert eine weibliche Perspektive auf Verkehrsplanung? Und wie gelangen wir zu einer Stadt mit weniger Autoverkehr und mehr Lebensqualität für alle? Der ADFC Berlin lud fünf Expertinnen ein, um ihre Visionen einer »Stadt für alle« zu diskutieren. Von Nikolas Linck.

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Interview mit Marianne Weinreich: »Warum fragt ihr nicht einfach eine Frau?«

Marianne Weinreich (46) ist Vorsitzende der Dänischen Fahrrad-Botschaft und seit 20 Jahren international als Beraterin, Managerin und Campaignerin für Radverkehr und nachhaltige Mobilität tätig. Aktuell arbeitet sie für das dänische Unternehmen Ramboll, das in Berlin bald im Auftrag der Stadt Radschnellwege planen wird. Am 28. März nahm sie an der Diskussion »Stadt für alle« des ADFC Berlin als Expertin auf dem Podium teil und sprach in einer Keynote über Frauen im Mobilitätswesen (siehe Artikel „Visionen von Frauen für die Stadt für alle„). Nikolas Linck sprach mit ihr über weibliches Mobilitätsverhalten, Ratschläge für Regine Günther und das Rauchverbot als Vorbild für weniger Autoverkehr.

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Überholabstand: Mut zur Lücke

Sie haben bewiesen, was wir täglich spüren: Viel zu oft werden Radfahrende in Berlin ohne ausreichenden Sicherheitsabstand überholt. Mit einem selbstentwickelten Ultraschallsensor, der den Abstand zu überholenden Autos misst, ließen Redakteure des Berliner Tagesspiegels 100 Menschen zwei Monate durch Berlin radeln. Nebenbei befragten sie 5.000 Radfahrende zu ihrem Sicherheitsgefühl auf der Straße. Die Ergebnisse sind alarmierend. Von Nikolas Linck.

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fLotte Lastenräder: Berlin kommt auf den Geschmack

Vor einem Jahr startete der ADFC Berlin ein Verleihsystem für Freie Lastenräder. Mittlerweile gehören 38 zwei- und dreirädrige Cargobikes zur „fLotte“ – und der Traum einer Stadt voll Freier Lastenräder rückt in greifbare Nähe. Von Nikolas Linck.

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ADFC Berlin begrüßt sein 15.000. Mitglied

Seit seiner Gründung im Jahr 1983 wächst der ADFC Berlin kontinuierlich. Für das fünfzehtausendste Mitglied gab es ein Überraschungeschenk. Der Politikwissenschaftler Michael Kuhl (31) will den ADFC mit seiner Mitgliedschaft stärken, damit ihm Radfahren in Berlin wieder Spaß macht. Die radzeit traf ihn zum Gespräch.

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Max Raabe im Interview: „Beim Radfahren fühle ich mich frei“

Sein Song „Fahrrad fahr’n“ ist eine Liebeserklärung ans Radfahren in Berlin. Im Interview mit der radzeit erzählt der Sänger Max Raabe, warum er so gern in die Pedale tritt und was er sich für die zukünftige Fahrradstadt Berlin wünscht.

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The Cycling Dead. Eine Replik zur AutoBILD-Ausgabe vom 6.10.2017

Lieber Tom Drechsler, lieber Hauke Schrieber aus der AutoBILD-Redaktion,

Sie tun mir wirklich leid. Nicht nur wurde die AutoBILD jahrelang von Autoherstellern veräppelt und hat deren geschummelten Verbrauchs- und Abgaswerte abgedruckt. Viel schlimmer: Von Fahrradfahrern „gejagt und bepöbelt“ grenzt es an ein Wunder, dass Sie es morgens noch lebendig in die Redaktion schafft, beginnt Ihr Tag schließlich so:

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Sven Marx auf Weltreise: Aber du bist doch behindert!

Sven Marx war nach einer Tumoroperation bereits ein Pflegefall. Ende April startete er am Brandenburger Tor zu einer Weltreise mit dem Rad. In rund 18 Monaten will er wieder in Berlin ankommen, nachdem er alle fünf Kontinente bereist hat. Weiterlesen

Themenabend: The Bicycle Era – Rethinking Berlin

Berlin steht vor der Mobilitätswende. Der Radverkehr boomt und soll mehr Platz bekommen. Aber wie sieht eine moderne und sichere Radinfrastruktur aus? Und wie können wir mit Widerständen umgehen? Diesen Fragen ging der ADFC am Freitag, den 17.02.2017 mit  Vorträgen und einer Diskussion im Haus der Nordischen Botschaften nach.  ADFC-Bundesgeschäftsführer Burkhard Stork moderierte den Abend. VON NIKOLAS LINCK

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