Alles, was Recht ist

„Radfahrer halten sich nicht an die Regeln,“ spricht der Stammtisch – und weiß dabei oft
nicht einmal, wie diese eigentlich lauten. Hier werden ein paar verbreitete Irrtümer zusammengetragen und richtig gestellt. TEXT UND FOTOS VON KERSTIN E. FINKELSTEIN

Rechtsirrtu¦êmerSchick

Erlaubt und erwünscht: Schicke Radfahrer fürs Auge (hier: Robert Bartko, Rad-Weltmeister)

1. Radfahrende gehören auf den Radweg
Falsch! Im Regelfall können sie selbst entscheiden, wo sie lieber fahren möchten. Nur Radwege, die mit einem runden blauen Verkehrsschild gekennzeichnet sind, müssen genutzt werden.

§ 2 Abs. 4 Satz 2 StVO: Eine Pflicht, Radwege in der jeweiligen Fahrtrichtung zu benutzen, besteht nur, wenn dies durch Zeichen 237 (Radfahrer), 240 (Gemeinsamer Fuß- und Radweg) oder 241 (Getrennter Rad- und Fußweg) angeordnet ist.

2. Kopfhörer sind verboten
Nein, Musikhören ist auch beim Radfahren erlaubt.
Man darf die Lautstärke nur nicht so weit aufdrehen, dass die eigene Wahrnehmung eingeschränkt wird, also etwa Hupen oder Sirenen nicht mehr gehört werden. Das Gleiche gilt übrigens auch für Autofahrer – rollende Diskotheken entsprechen nicht der Straßenverkehrsordnung.

§ 23 Abs. 1 Satz 1 StVO: Wer ein Fahrzeug führt, ist dafür verantwortlich, dass seine Sicht und das Gehör nicht durch die Besetzung, Tiere, die Ladung, Geräte oder den Zustand des Fahrzeugs beeinträchtigt werden.

3. Nebeneinander fahren geht gar nicht
Doch! Zumindest in Fahrradstraßen ist das erlaubt oder in Verbänden von mindestens 16 Radfahrenden. Einige Verkehrsrechtsexperten wie der Berliner Anwalt Christoph Krusch gehen sogar noch einen Schritt weiter und erklären, warum auch auf anderen Straßen nebeneinander Rad gefahren werden dürfe: Schließlich sollten Radfahrende einen Meter Abstand von der rechten Fahrbahnkante halten, um jederzeit möglichen Gefahren ausweichen zu können. Gleichzeitig müssen Autofahrer einen Abstand von 1,5 Metern beim Überholen einhalten – korrektes Überholen ist somit auf den meisten Straßen ohnehin nicht möglich, weshalb Radfahrende auch nebeneinander fahren können. Sie behindern damit ja niemanden.

§ 2 Abs. 4 Satz 1 StVO: Radfahrer müssen einzeln hintereinander fahren; nebeneinander dürfen sie nur fahren, wenn dadurch der Verkehr nicht
behindert wird.

4. Rechts Überholen ist Verboten
An Ampeln oder im Stau dürfen Autos sehr wohl rechts überholt werden. Die Angst der Autofahrer um ihren Lack und Außenspiegel ist dabei meist unbegründet – schließlich verhindern Radfahrende schon aus eigenem Interesse jeden direkten Kontakt. Denn was beim einen nur der Spiegel ist, wäre beim anderen der eigene Körper. Die von Kfz-Lenkern gerne erhobene Forderung nach „gleichem Recht für alle“ entbehrt auch hier jeder logischen Grundlage: Überholt ein Kraftfahrzeug ein Fahrrad, sind beide in Bewegung. Rollt ein Rad am Kraftfahrzeug vorbei, steht letzteres sicher auf seinen vier Rädern und stellt keine Gefahr dar.

§ 5, Abs. 8 StVO: Ist ausreichender Raum vorhanden, dürfen Rad Fahrende und Mofa Fahrende die Fahrzeuge, die auf dem rechten Fahrstreifen warten, mit mäßiger Geschwindigkeit und besonderer Vorsicht rechts überholen.

5. Gehwege sind nur zum Gehen da
Nein, Kinder bis acht Jahre müssen sogar auf dem Gehweg fahren – leider indes ohne ihre begleitenden Eltern. Das stellt Familien vor unlösbare Konflikte, da sie ihr Kind nicht sicher von der Fahrbahn aus begleiten und schützen können – besonders wenn beide auch noch durch eine Reihe parkender Autos getrennt sind. Gespannte Hundeleinen, ausfahrende Autos und querende Ladedienste sind für Kinder aber noch nicht überschaubare Gefahrenquellen. Sie brauchen folglich die direkte Anleitung eines begleitenden Erwachsenen. Die Rechtslage sollte hier dringend angepasst werden, zumal Eltern ihrer Aufsichtspflicht jederzeit nachkommen müssen. Verursacht das auf Grund der StVO unbegleitete Kind einen Unfall, können Eltern wegen Vernachlässigung der Aufsichtspflicht belangt werden.

§ 2, Abs. 5 StVO: Kinder bis zum vollendeten achten Lebensjahr müssen, ältere Kinder bis zum vollendeten zehnten Lebensjahr dürfen mit Fahrrädern Gehwege benutzen. Auf zu Fuß Gehende ist besondere Rücksicht zu nehmen. Beim Überqueren einer Fahrbahn müssen die Kinder absteigen.

Und sonst…

  • muss beim Abbiegen nicht die ganze Zeit der Arm raus gehalten werden. Einmal Richtungsänderung anzeigen reicht – danach kann entspannt mit beid
    Rechtsirrtu¦êmerHund

    Auch erlaubt: Hund im Riesenkörbchen

    en Händen am Lenker weitergefahren werden.

  • dürfen auch Zebrastreifen mit dem Rad befahren werden. Sie sind dann lediglich kein Schutzbereich mehr.
  • dürfen Hunde an der Leine mitgeführt werden, solange letztere nicht um den Arm geschlungen, sondern locker in der Hand liegt.
  • sind Radfahrer sichere Verkehrsteilnehmer. Die Mehrheit der Unfälle mit Radbeteiligung wird von Kfz-Lenkern verursacht. Letztere nehmen Radfahrenden zum Beispiel beim Abbiegen oft die Vorfahrt. Trotz dieser Gefährdung ist Radfahren in Berlin insgesamt sicher: 2012 etwa gab es in der Hauptstadt mehr als 130.000 Verkehrsunfälle – aber nur an gut 7.000 waren Radfahrer beteiligt.
  • dürfen auch Radfahrer nicht unbegrenzt Alkohol trinken. Ab einer Promillegrenze von 1,6 kann die Polizei eine „Medizinisch-Psychologische Untersuchung“ (MPU) anordnen. Verweigert ein Radfahrer den Test oder fällt durch, verliert er seinen Führerschein.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.