ADFC Berlin begrüßt sein 15.000. Mitglied

Seit seiner Gründung im Jahr 1983 wächst der ADFC Berlin kontinuierlich. Für das fünfzehtausendste Mitglied gab es ein Überraschungeschenk. Der Politikwissenschaftler Michael Kuhl (31) will den ADFC mit seiner Mitgliedschaft stärken, damit ihm Radfahren in Berlin wieder Spaß macht. Die radzeit traf ihn zum Gespräch.

Michael, im Mai bist du Mitglied im ADFC geworden. Was hat dich dazu bewegt?

Das hatte ich schon lange überlegt, letztlich war es dann eine spontane Entscheidung. Ich fahre seit Jahren viel mit dem Fahrrad, früher auch auf Radrennen. Nur hier in Berlin habe ich angefangen, Radfahren plötzlich doof zu finden, obwohl es so toll sein könnte. Da dachte ich mir: Jetzt wird’s Zeit, Mitglied zu werden, um dem ganzen Prozess rund ums Mobilitätsgesetz mehr Schwung zu verleihen.

Was stört dich beim Radfahren in Berlin?

Alleine mein Weg eben hierher aus Moabit: Überall Stau, zugeparkte Radstreifen, asynchrone Ampelschaltungen. Warum werden neue Bushaltestellen so gebaut, dass sie den Radweg blockieren, wie zum Beispiel am Invalidenpark? Warum gibt es keine vernünftigen, breiten Radwege, anstatt solche aus holprigen Platten? Warum muss die Karl-Marx-Allee zwei Jahre gesperrt werden, nur weil ein paar neue Striche gemalt werden – mal überspitzt formuliert? Das könnte ich endlos weiter ausführen. Ich denke, je mehr Menschen in einer Interessenvertretung wie dem ADFC Mitglied sind, desto mehr Masse hat sie. Und das ist wichtig.

Was muss sich ändern?

Ich bin in der Bezirksverordnetenversammlung Mitte ehrenamtlicher Bürgerdeputierter für die SPD im Bereich Stadtentwicklung und Wohnen. Dort kriege ich mit, dass in Berlin viele Sachen einfach viel länger dauern als in anderen Städten. Das kann man den Bezirken auch nicht immer zum Vorwurf machen, denn in den letzten zehn Jahren wurden kaum neue Leute eingestellt. Ein großer Fortschritt wäre eine Verwaltungsreform, sodass nicht die eine Verwaltung der anderen immer die Verantwortung zuschieben kann und selber keine übernehmen will. Und ich wünsche mir eine andere Haltung: Dinge möglich machen, nach Lösungen suchen, die funktionieren und alles am besten miteinander. Das Mobilitätsgesetz ist ein gutes Beispiel. Ich denke, dass damit ein wichtiger Schritt in Richtung Verkehrswende gegangen wurde und Berlin positive Akzente setzt. Es lohnt sich eben auch, nicht nur zu meckern, sondern anzupacken.

Das Interview führte Nikolas Linck.

 

 

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