Wird Treptow-Köpenick das neue Radparadies?

Mathis Richter, Geschäftsführer des Tourismusvereins Treptow-Köpenick, hat sich ein hohes Ziel gesteckt: Irgendwann einmal soll der Bezirk als ADFC-RadReiseRegion empfohlen werden. Dass es bis zu dieser Auszeichnung ein weiter Weg ist, weiß er. Bis 2020 soll Treptow-Köpenick erst einmal Berlins fahrradfreundlichster Bezirk werden. VON CLAUDIA LIPPERT

Der Radwanderweg führt auf 28 Kilometern rund um den Müggelsee. Foto: Tourismusverein Berlin Treptow-Köpenick

Viele Parks und Waldflächen, durchzogen von Flüssen und Seen, gute touristische Infrastruktur, gute Gastronomie – der Bezirk empfehle sich geradezu als die touristisch Radfahrregion der Bundeshauptstadt, sagt Richter. Zudem verlaufe mit dem R1/D-Route 3 einer der beliebtesten Radfernwege Europas mehr als 20 Kilometer quer durch den Bezirk. Insgesamt stehe in Treptow-Köpenick ein 80 bis 100 Kilometer langes Radwegenetz zur Verfügung. »Das sind gute Voraussetzungen«, schätzt Richter ein. Aus denen der Tourismusverein noch mehr machen will.

Beispielsweise durch bessere Wegweiser. Jenseits der großen Radwege gebe es eine Fülle von Strecken, die noch nicht beschildert seien. Das sei »keine glückliche Situation«, gesteht Richter offen ein. Aber auch die bekannten Routen wie den Radwanderweg »Rund um den Müggelsee«, den auf elf Kilometern durch den Bezirk verlaufenden DahmeRadweg oder die IGA-Tour zwischen Treptow-Köpenick und Marzahn-Hellersdorf will Richter aufwerten. »Die wollen wir als echte Erlebnisradwege vermarkten«, erzählt er. »Hier im Bezirk arbeitet zum Beispiel der letzte Berufsfischer Berlins.« Darauf und auf vieles mehr, »was den Charme und die Ursprünglichkeit des Bezirks ausmacht« wolle man Freizeitradler hinweisen – auf Schildern, mit guten Erlebniskarten, über QR-Codes. Auch für Radler, die mit E-Bikes und Pedelecs unterwegs sind, will der Bezirk attraktiver werden. Sechs Batterie-Ladesäulen werden in diesem Jahr installiert, unter anderem im Treptower Park, am Müggelsee und direkt vor der Tourist-Information in der Köpenicker Altstadt, wo Besucher künftig Elektrofahrräder mieten können. »Wir wollen auch Elektroscooter in ein Netz von Verleihstationen einbinden«, kündigt Richter an. Behinderte oder ältere Menschen hätten dann die Möglichkeit, zusammen mit ihrer Familie auf »Rad-Tour« zu gehen, hebt Richter den Aspekt der Barrierefreiheit hervor.

Was ihm besonders wichtig ist: »Wege müssen durchgängig befahrbar sein.« Es könne nicht sein, dass ein Radweg an der Berliner Stadtgrenze ende und womöglich erst nach zwei Kilometern weitergeführt werde. Ein Positiv-Beispiel sei da der Dahme-Radweg, der »von Anfang bis Ende, von der Dahme-Quelle bis zur Mündung gut ausgeschildert ist«. Radler dürften gar nicht merken, ob sie noch in Treptow-Köpenick oder schon in Brandenburg unterwegs seien. »Deswegen müssen wir uns mit anderen Reiseregionen vernetzen«, erklärt Richter. Auch Trassenverläufe bestehender Radwege will Richter genau unter die Lupe nehmen. Wo Wegführungen nicht optimal seien, müsse es möglich sein, notfalls ein Teilstück zu verlegen. Oder auch neue Wege anzulegen – »kleine Abschnitte zwischen zwei Wegen, wo heute noch Verbindungen fehlen«. Dass er seine Pläne nur mit finanzieller Unterstützung des Bezirksamts umsetzen kann, ist Richter bewusst. »Bürgermeister Oliver Igel steht hinter uns«, sagt er, »die Stadträte ebenfalls.« Das mache ihn zuversichtlich. Und motiviert ihn. Längst denkt er über das laufende Jahr hinaus: 2018 und 2019 will er Themenradwege anlegen – »zur Industriekultur, zur Deutschen Einheit, zur Aktiv-Erholung.«

Treptow-Köpenick kann mit einem dichten
Radwegenetz punkten. Foto: Claudia Lippert

»Das Engagement in Treptow-Köpenick könnte Vorbildwirkung auf andere Bezirke haben, sagt Philipp Poll«, Geschäftsführer des ADFC Berlin. Dass man den Fokus zunächst auf die viel befahrenen Radwanderwege lege, sei richtig. »Aber bei weniger prominenten Strecken sind ebenfalls Verbesserungen nötig – insbesondere, was die Sicherheit betrifft«, so Poll.