Wir brauchen den Platz

Mit der Eröffnung des BER muss Tegel schließen. Das ist die Vereinbarung und die Rechtsgrundlage für den BER. Das ist aber auch das Versprechen an die Menschen, die zurzeit in Spandau, Wedding und Pankow in der Einflugschneise leben. Nun wird es wohl einen Volksentscheid geben. Er bedient populistische Elemente und nutzt in erster Linie
der Opposition im Abgeordnetenhaus. ADFC-Landesgeschäftsführer PHILIPP POLL erklärt, warum der ADFC sich gegen den Weiterbetrieb und für die Nachnutzung von Tegel ausspricht.

Fluglärm im Bereich der Einflugschneise Tegel

Der Vier-Mächte-Status nach dem zweiten Weltkrieg bescherte Berlin einen zusätzlichen Flughafen. Jede Besatzungsmacht brauchte nach dem Krieg für militärstrategische Zwecke einen Flughafen in Berlin. Für die West-Alliierten boten sich dazu nur die knappen Flächen
innerhalb ihrer Sektoren an. Die Amerikaner nutzten dazu den bestehenden Flughafen Tempelhof, die Briten bauten das Rollfeld in Gatow aus, nur im französischen Sektor gab es nichts.

So entstand 1948 in nur 90 Tagen eine Start- und Landebahn. Es galt, West-Berlin während der Sowjet-Blockade zu halten – Lärmschutz, Gesundheit oder Stadtentwicklung
spielen da keine Rolle. Das eingemauerte West-Berlin brauchte einen leistungsfähigen
Flughafen, 1974 wurde das bekannte Terminal in Tegel in Betrieb genommen. Die Maschinen wurden größer, vor allem in den letzten Jahren nahm der Flugverkehr dramatisch zu, entsprechend auch die Lärm- und Luftbelastung der 300.000 Menschen, die in der Einflugschneise leben. Auch unter dem Damoklesschwert eines möglichen Absturzes.

Rund 460 Hektar belegt der Flughafen mitten in der Stadt. Platz, den Berlin braucht für
zusätzliche Wohnungen, Unternehmen und Bildungseinrichtungen wie die Beuth-
Hochschule, für Erholungsflächen in der sich rapide verdichtenden Stadt. Platz auch
für neue Wege: Als viereinhalb Kilometer breiter Keil liegen die Landebahnen zurzeit
unüberwindbar zwischen Tegel und Charlottenburg. Wer als Radfahrer von Süden
nach Alt-Tegel will, muss große Umwege fahren, über den garstigen Jakob-Kaiser-
Platz, an der Autobahn entlang, unter dem Donnern startender Jets hindurch.
Rechtlich gesehen bedeutet ein Weiterbetrieb die Eröffnung eines neuen Flughafens
– mit den Risiken um Lärmschutzklagen und Brandschutzauflagen – einen zweiten BER. Wie schwer wiegt es da wirklich, wenn sich mit der Schließung von TXL für manche Berliner die Anreise zum Jahresurlaub um eine halbe Stunde verlängert? Für den ADFC gibt es deshalb nur einen Weg: Gegen den Volksentscheid und für Gesundheit, Umwelt und freie Fahrt.