Verkehrssicherheit fängt klein an

Seit einem Jahr setzen sich Bürger für den Erhalt der Jugendverkehrsschule Moabit ein. Der Bezirk will auf dem Gelände Wohnungen bauen. VON BRIGITTE NAKE-MANN UND NORBERT KESTEN.

Tag der offenen Tür - JVS Bremer Strasse, Berlin, 12. September 2015

Foto: Norbert Kesten

Es ist einiges los am Tag der Offenen Tür in der Jugendverkehrsschule Moabit. Unter den interessierten Blicken der Kiezbewohner kurven Kinder um den Kreisverkehr bevor sie an der kleinen Ampel des Geländes anhalten. An anderer Stelle wackeln sie quietschend über den Geschicklichkeitsparcours des ADFC Berlin. Wie lange es solche Angebote noch geben wird, ist unklar. Im Juli 2014 entschied das Bezirksamt Mitte die Schließung der Schule, begründet durch Betriebs- und Sanierungskosten. Wirksam würde dies aber erst durch Beschluss der BVV. Ein weiterer Grund dürfte der Wert des Grundstücks für den Wohnungsbau sein. Engagierte Kiezbewohner bildeten daraufhin eine Arbeitsgruppe zur Erhaltung der JVS und sammelten Unterschriften. Sie zweifeln am angeblich sozialverträglichen und ökologischen Konzept für die geplanten 175 – 250 Wohnungen und glauben nicht an die versprochenen niedrigen Mieten. Statt der Grünflächen und Bäume auf dem jetzigen Gelände soll es eine Dachbegrünung der Neubauten geben. Nicht nur würde die Schließung der JVS deshalb die Lebensqualität im Kiez mindern, sie widerspricht auch diversen Strategiepapieren des Senats: In der Radverkehrsstrategie von 2013 heißt es: »Die Rolle der Jugendverkehrsschulen soll (…) gestärkt werden.« Im Verkehrssicherheitsprogramm 2020 von 2014 ist die »Stärkung der bezirklichen Jugendverkehrsschulen als außerschulische Zentren für verkehrssicherheitsbezogene Lern- und Trainingsangebote« festgeschrieben. Schon 2010 gab es den »Leitfaden zur Qualifizierung und Weiterentwicklung der Jugendverkehrsschulen in Berlin«. An Sinn und Zweck der JVS scheint es keine Zweifel zu geben, ihre Existenzberechtigung wird lediglich gegen lukrative Bauvorhaben abgewogen.

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Foto: Norbert Kesten

In der JVS Moabit tritt irgendwann auch Schulstadträtin Sabine Smentek durch die »Offene Tür«. Sie findet sich sofort in Diskussion mit zahlreichen Besuchern, die sie von der Erhaltung des Geländes überzeugen wollen. Übungsmöglichkeiten für Schul- und Kitakinder und grüne Kiezoase für Jung und Alt, beides könne die Verkehrsschule leisten, so die Bürger. »Es kommen doch viele Flüchtlingskinder zu uns«, gibt ein älterer Herr zu bedenken, »die brauchen doch ganz besonders die Jugendverkehrsschule, zum Lernen und zu ihrer Integration!« Auch nach einem Jahr Einsatz für die JVS Moabit ist ihre Zukunft ungewiss.

Weitere Infos, Termine und Kontakt zur AG Bürgerbeteiligung Jugendverkehrsschule gibt es hier.


Jugendverkehrsschulen
In Jugendverkehrsschulen (JVS) sind im Kleinformat Straßen, Kreuzungen und Kreisverkehre mit Verkehrszeichen und Ampeln nachgebildet. Hier können Kinder Radfahren und regelkonformes Verhalten im Verkehr lernen, ohne dessen Gefahren ausgeliefert zu sein. Mobilitäts- und Verkehrssicherheitserziehung ist Lehrstoff der 3. und 4. Grundschulklassen, an deren Ende eine Radfahrprüfung abgelegt wird. Früher lag der Unterricht in den Händen der Verkehrspolizei. Inzwischen unterstützt diese die Grundschullehrkräfte nur noch bei wenigen praktischen Übungen und der Prüfung.


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