Sichere Alternativroute für Tempelhof und Mariendorf

Zwischen Alt-Tempelhof und Alt-Mariendorf fehlt für Radfahrer eine sichere Nord-Süd-Verbindung. Vorschläge zur Verbesserung des Tempelhofer/Mariendorfer Damms laufen seit mehr als 10 Jahren ins Leere. Gemeinsam mit einem breiten Bündnis aus Fahrradaktiven hat die ADFC-Stadtteilgruppe jetzt eine vielversprechende Alternativroute erarbeitet. VON STEFAN GAMMELIEN UND DETLEF WENDTLAND

Im Herzen des Alt-Bezirks Tempelhof gibt es für Radfahrer keine sichere, durchgängige und legale Nord-Süd-Verbindung. Auf der 3,1 km langen Strecke des Tempelhofer/Mariendorfer Damms (Bundesstraße 96) mit mehr als 50.000 Kfz täglich gibt es nur wenige Radverkehrsanlagen. Lärm- und Feinstaubwerte werden regelmäßig überschritten. Die
meisten Gefahren für Radfahrer werden von unaufmerksamen oder rücksichtslosen Autofahrern hervorgerufen: Gefährliche Abbiegesituationen, Schwerlastverkehr, überhöhte Geschwindigkeit und zu geringer seitlicher Abstand beim Überholen. Pro Jahr zählt die Polizei hier ca. sechs Unfälle mit Radfahrerbeteiligung. Eine 14jährige Schülerin verlor beim Einfädeln in den Fließverkehr im März 2008 ihr Leben. Die B96 steht leider exemplarisch für viele Hauptverkehrsstraßen der Stadt.

Würden Sie Ihrem Kind, Ehepartner oder Bekannten empfehlen, auf der B96 Fahrrad zu fahren? Foto: Norbert Michalke

Würden Sie Ihrem Kind, Ehepartner oder Bekannten empfehlen, auf der B96 Fahrrad zu fahren? Foto: Norbert Michalke

Vorschläge aus der Zivilgesellschaft blieben ohne Erfolg: Die preisgekrönte Veloroute Tempelhof des BUND Tempelhof (1999) wurde nicht umgesetzt und Anträge des bezirklichen Kinder- und Jugendparlaments und der Seniorenvertretung für Radverkehrsanlagen wiederholt negativ beschieden. Auch Beschlüsse der BVV und Vorgaben der Berliner Radverkehrsstrategie zur Verbesserung der Situation blieben folgenlos.

Konzept trifft auf breite Zustimmung

Mitglieder des ADFC, des Volksentscheids Fahrrad und des BUND haben deshalb mit Unterstützung des VCD und der Grünen Radler im Frühjahr 2016 die Initiative Alternativrouten zur B96 für Radfahrer ins Leben gerufen. Verschiedene Lösungen wurden der Öffentlichkeit vorgestellt, diskutiert und gemeinsam mit dem Fahrrad erprobt. In diesem Prozess fanden die Beteiligten schließlich die hier vorgestellte Route, welche mit Politikern des Bezirks öffentlich diskutiert und befahren wurde. Sie fand bei allen anwesenden Bezirkspolitkern Zustimmung. (Bericht hier.)

Das Besondere an der Route: Sie verläuft nur 200 m westlich der B96 weitestgehend durch ruhige Nebenstraßen und Grünanlagen mit Verbindung zu den geplanten Hauptrouten der Stadt und Nebenrouten des Bezirks. Mehrere Schulen, Geschäftszentren und öffentliche Einrichtungen (Rathaus, Bibliothek, Schwimmbad) können auf diese Weise sicher erreicht werden. Am Teltowkanal soll die Route in Nord- und Südrichtung gesplittet werden, um Rechtsabbiegesituationen für Radfahrer zu gewährleisten – wenn nicht noch ein Steg über den Teltowkanal für den Rad- und Fußverkehr gebaut werden sollte; die entsprechende Machbarkeitsstudie hat die örtliche SPD jüngst beim Bezirksamt angeregt.


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