Senioren mobil

Das Haar schwarz gefärbt, weiße Bluse, dunkle Jeans. So empfängt Margreth Rethmann die Gäste zu ihrem 81. Geburtstag. Das Alter sieht man der Reinickendorferin nicht an. „Aber ich bin Realistin. Mein Reaktionsvermögen hat nachgelassen.“ Autofahren mache sie an manchen Tagen völlig fertig. Stress, den sie sich nicht länger antun will. In ihrer Mobilität möchte sich die agile Berlinerin dennoch nicht einschränken lassen, will künftig verstärkt aufs Rad setzen. VON CLAUDIA LIPPERT

E-Bikes geben ‰lteren Radlern ein ungeahntes Mafl an Mobilit‰t zur¸ck - ein echter Quell von Lebensfreude und -qualit‰t. Eine geduldige und kompetente Einweisung in die Technik der R‰der bringt alte Hasen auf den neuesten Stand.

E-bikes geben älteren Radlern ein ungeahntes Maß an Mobilität zurück. Fotos: www.pd-f.de/KayTkatzik

Margreth Rethmann hat sich zum Geburtstag selbst beschenkt: mit einem neuen Fahrrad. Ein Trend: Immer mehr Senioren satteln um. Eine gute Alternative, urteilt man bei der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin. Wer körperlich nur geringfügig eingeschränkt sei, könne gut aufs Rad umsteigen und sich damit fit halten: Regelmäßige Bewegung fördert die Durchblutung und stärkt das Herz-Kreislauf-System. Radfahren schont zudem die Gelenke. „Knie- und Hüftgelenke werden durch die sanfte Bewegung geschmiert und zugleich entlastet“, heißt es im Familien-Netzportal familie-und-tipps.de. Außerdem könne man altersbedingten Krankheiten vorbeugen. Selbst wenn Arthrose den müden Knochen zu schaffen macht: Es gibt jede Menge Fahrradmodelle, die auf die Bedürfnisse von Menschen ausgerichtet sind, die mit eingerosteten Gelenken zu kämpfen haben. „Räder mit tiefem Einstieg werden mehr und mehr nachgefragt“, stellt man nicht nur beim Berliner Fahrradhändler Stadler fest. Auch beim führenden Schweizer E-Bike-Anbieter Flyer setzt man auf die Räder mit dem tief heruntergezogenen Hauptrahmenrohr. Das ermöglicht schnelles und bequemes Auf- und Absteigen – was nicht nur Senioren schätzen. „Früher hatte ich immer ein Herrenrad“, sagt die Kreuzbergerin Monika Höndra. Inzwischen ist die 52-jährige Sozialarbeiterin froh, dass sie Bein und Hinterteil nicht mehr über den Sattel schwingen muss. „Das Fahrrad ist für mich Fortbewegungsmittel und Lastesel. Wenn ich bepackt vom Einkaufen komme, ist ein tiefer Einstieg einfach bequemer.“ Ältere Leute, die – oftmals nach dem Ausstieg aus dem Berufsleben – wieder aufs Rad umsteigen, sollten allerdings nicht nur ihr Rad einem Funktionstest unterziehen, sondern auch sich selbst. Bei Gesundheitschecks werden Seh- und Gehörfähigkeit ebenso kontrolliert wie die Ausdauer. Damit sich niemand zu viel zumutet. Ob mit Bus, Bahn oder Auto: Ein Faltrad l‰sst sich leicht zum Startort der Radtour transportieren.Wobei Radfahren oft noch problemlos klappt, wenn das Gehen schon große Schwierigkeiten bereitet. Weil sich die körperliche Anstrengung besser dosieren lasse, sagt Tim Böhme vom Radlabor in Freiburg. Auch wenn mancher ältere Radfahrer es nicht wahrhaben will: Ist der Gleichgewichtssinn nicht mehr intakt oder wird das Auf- und Absteigen zunehmend beschwerlich, kann ein Dreirad die richtige Lösung sein, sofern es eine Möglichkeit gibt, das Vehikel in Garage oder Fahrradraum sicher zu verstauen. Denn in den Keller lässt sich so ein Gefährt nicht tragen. Wer befürchtet, mit einem Dreirad aufgrund der Breite nicht zurechtzukommen, dem sei ein Modell empfohlen, das nicht hinten, sondern vorne zwei Räder hat – so wie die meisten Lastenräder (die übrigens auch eine überlegenswerte Variante darstellen). Damit lassen sich die Ausmaße des Rades besser abschätzen. Sollte der Händler ein E-Bike – egal ob zwei- oder dreirädrig – empfehlen: Das ist kein Fahrrad, für das man sich schämen muss. Im Gegenteil: Immer häufiger sind es auch junge Berufstätige, die ein Fahrrad mit „Steckdosen-Antrieb“ kaufen. Der Vorteil: „Selbst bei Gegenwind und in hügeligen Gegenden kann man mit E-Bikes im persönlich optimalen Belastungsbereich bleiben“, hebt Dr. Achim Schmidt, Sportwissenschaftler und Radexperte an der Deutschen Sporthochschule Köln hervor. Bevor Senioren wieder aufs Rad steigen, können sie beim ADFC einen Fahrradkurs belegen. Da werden die Verkehrsregeln aufgefrischt. Und im Praxisteil können ungeübte ältere Menschen in geschütztem Raum ihre ersten Runden drehen.

adfc-berlin.de/radfahrkurse