Ride with a Smile: Überholen

Mehr Autos, mehr Fahrräder, mehr Fußgänger. In Berlin sind wir nie allein unterwegs. Doch ganz gleich, wie und wohin es geht – am liebsten wollen wir mit einem Lächeln ankommen. Deshalb gibt es in jeder Radzeit einen Tipp für mehr Sicherheit, Rücksicht und Nettigkeit im Berliner Verkehrsdschungel.

Jeder kennt das Gefühl, hautnah von einem Auto überholt zu werden: Der Luftzug, der Schreck, der Ärger. Deshalb müssen Autofahrende laut Rechtsprechung mindestens 1,50 Meter Abstand beim Überholen einhalten. Was aber ist mit Radfahrenden, die einander überholen?

Die Geschwindigkeiten Radfahrender unterscheiden sich im Stadtverkehr viel mehr als die der Autos. Ein älterer Herr, der im Seitenflügel unseres Hauses wohnt, fährt jedes Wochenende mit seinem Hollandrad zur Gartenlaube. Dabei erreicht er gerade genug Fahrt, um nicht seitlich umzukippen. Manchmal kommt seine Enkelin ihn besuchen. Sie fährt ein neongrünes Bahnrad. Bisher habe ich sie zwar nur auf dem Hof und nicht auf der Straße gesehen. Sie macht aber den Eindruck, dass sie sich auf ihrem Rad unter 35 km/h nicht blicken lassen kann. Alles, was langsamer ist, würde ihren Ruf sicher beschädigen, man weiß ja nie, wen man trifft.

Was aber, wenn die Enkelin dem Opa nicht zum Kaffee begegnet, sondern in gleicher Richtung auf dem Radweg? Im Idealfall geschieht das auf einem drei Meter breiten Radweg, auf dem sich auch zwei Lastenräder überholen könnten – dann gibt es kein Problem. In der Berliner Realität ist der Radweg oft schmaler als zwei Meter. Dann wird Opa plötzlich zu einem Hindernis, das den Fahrfluss stört. Verlorene Geschwindigkeit muss ja erst wieder erstrampelt werden.

Auf dem Fahrrad sind wir es gewohnt, uns an allen möglichen Hindernissen vorbeischlängeln zu müssen. Wird schon passen. Aber: Die Fahrlinie von Radfahrenden ist selten vollkommen schwankungsfrei, auch nicht die meines Hausnachbarn. Schon gar nicht, wenn er zuvor noch einen Abstecher in die Kleingartenwirtschaft gemacht hat.

Was sagt die Rechtsprechung zum Überholen anderer Radfahrender? Erstens: Es ist links zu überholen. Zweitens: Nicht auf den Gehweg ausweichen. Drittens: Der Radweg muss ausreichend breit sein. Wie breit, ist nicht eindeutig definiert. Wenn es knapp wird, empfiehlt sich ein kurzes Klingeln. So bleibt dem Vorausfahrenden der Schreck erspart und er kann bei Bedarf ein wenig weiter rechts fahren. Übrigens: Indem man sich für das Vorbeilassen bedankt, verwandelt man den Ton des Klingelns vom aggressiven »Aus-dem-Weg!« zum netten »Darf-ich-mal?«

Zuletzt noch ein Appell an jene, die langsam fahren, aber trotzdem gern die »Pole Position« haben: Bitte überholt doch nicht an jeder roten Ampel die gesamte Warteschlange und stellt Euch ganz vorn auf. Es müsste Euch doch auffallen, dass alle anderen dann wieder Euch überholen müssen. Und Ihr dann wieder alle anderen. Und dann wieder…, jedenfalls: Könntet Ihr da ein wenig mehr vorausdenken? Danke im Voraus, von den Vorausfahrenden. NL