Radschnellverbindungen für Potsdam

In Sachen Radschnellwege ist Potsdam seiner großen Schwester Berlin um Längen voraus. In einer Machbarkeitsstudie wurden bereits drei Routen geprüft. Doch zunächst können sie nur teilweise finanziert werden. VON NIKOLAS LINCK.

Geplante Radschnellverbindung von Potsdam nach Stahnsdorf. Abbildung: Landeshauptstadt Potsdam / ADFC Berlin

Geplante Radschnellverbindung von Potsdam nach Stahnsdorf. Abbildung: Landeshauptstadt Potsdam / ADFC Berlin

Radschnellverbindungen können mittlere und weite Strecken attraktiver machen und so vor allem Pendler dazu bewegen, auf das Rad umzusteigen. Die Forschungsgesellschaft für Straßen und Verkehrswesen (FGSV) empfiehlt, dass sie als Zwei-Richtungs- Wege mindestens vier Meter breit sind und eine Mindestgeschwindigkeit von 30 km/h ermöglichen. Darüber hinaus sollte der Radweg vom Fußverkehr getrennt sein und geringe Wartezeiten an Kreuzungen gewährleisten, zum Beispiel durch Über- oder Unterführungen oder Ampelschaltungen, die den Radverkehr priorisieren. Um geeignete Strecken für Potsdam und seine Nachbargemeinden zu ermitteln, beauftragte die Stadt bereits letztes Jahr ein Planungsbüro. Die Verkehrsplaner kommen in ihrer Machbarkeitsstudie auf drei Verbindungen, deren Abschnitte unterschiedliche Priorität haben. Da die Maßnahmen finanziell aus eigener Kraft nicht zu stemmen sind, müssen Fördermittel her. Die betroffenen Gebietskörperschaften taten sich zusammen und nahmen am »Stadt-Umland-Wettbewerb « teil, der von der Europäischen Union finanziert wird und nachhaltige Projekte fördern soll. Im März kam die Entscheidung: Die Region Potsdam erhält statt der 53 Millionen Euro für alle beantragten Projekte nur 21,8 Millionen der EU-Mittel. Das Ringen um die Verteilung der Gelder hat begonnen; nur einige Streckenabschnitte können umgesetzt werden.

Östlich: Region Teltow, Kleinmachnow, Stahnsdorf – Potsdam Hbf.

Die Trasse in die Region Teltow, Kleinmachnow, Stahnsdorf weist laut Machbarkeitsstudie ein sehr hohes Potenzial auf, sofern bestimmte Straßenzüge in Potsdam-Babelsberg genutzt werden. Die Länge beträgt ca. 10 km bis Stahnsdorf. Die Streckenführung sei relativ einfach und daher mit ca. 3,9 Millionen Euro kostengünstig. Die Studie empfiehlt den Ausbau mit erster Priorität, er wird vollständig über die Fördermittel finanziert werden.

Westlich: Werder – Potsdam Hbf.

Die Verbindung von und nach Werder führt über die Gebiete Potsdam, Schwielowsee und Werder und ist ca. 6 km lang. Laut Kostenschätzung müssen dafür mindestens 10 Millionen Euro in die Hand genommen werden, unter anderem kostet die Umgestaltung der 120 Meter langen Eisenbahnbrücke am Zernsee rund 3,3 Millionen Euro. Der Ausbau einer Fußgänger- und Radfahrerbrücke hat oberste Priorität innerhalb dieser Strecke und soll nun finanziert werden. Weitere Streckenteile bekamen die zweite und dritte Rangfolge, dort bleibt zunächst alles beim Alten. Laut Potsdams Radverkehrsbeauftragtem Torsten von Einem wird die Strecke wird die Strecke dennoch gut mit dem Fahrrad zu bewältigen sein. Durch die Brücke würden Radfahrende in Zukunft sehr viel schneller und bequemer ans Ziel kommen. Die direkte Verbindung geht allerdings durch den Wald, dort fehlt für eine alljährliche Nutzung der Winterdienst.

Eine dritte Verbindung, die von Potsdam Hbf in den Norden der Stadt führen soll, tritt in der Machbarkeitsstudie mit dritter Rangfolge in den Hintergrund. Sie bleibt bis auf Weiteres Zukunftsmusik.


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