Radeln ohne Alter, das Recht auf Wind in den Haaren

Radfahren kann glücklich machen. Doch was ist, wenn jede Bewegung mühselig wird und man sich nur noch per Rollator fortbewegen kann? »Radeln ohne Alter e.V.« bringt bewegungseingeschränkte Menschen zurück aufs Rad, auf die Straße, in Parks, in Regen, Wind und Sonne. Von CALLE OVERWEG

Bei »Radeln ohne Alter« (RoA e.V.) fahren Freiwillige bewegungseingeschränkte Menschen in Fahrradriksc has spazieren, in so genannten »Vorne-Rikschas«. Hier können Passagiere und Fahrer während der Fahrt miteinander reden. Das ist wichtig, denn die älteren Menschen werden durch die vielen Eindrücke auf den Ausflügen belebt. Erinnerungen an Vergangenes werden überall in der Stadt wieder wach.

Die Fahrer kriegen so Geschichten und Geschichte mit. Manche Passagiere brechen in spontane Fröhlichkeit aus. Das ist ansteckend, Passanten lächeln, manche rufen bewundernd: »Toll!« oder: »So gut will ich’s auch mal haben!«. Für die Fahrer ergibt das eigene sportliche Engagement plötzlich auch noch sozialen Sinn. Man teilt das Glück, den Wind in den Haaren zu spüren.Das Glück wird dadurch nicht weniger.

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Die Grundidee und das Erscheinungsbild von Radeln ohne Alter stammen aus Dänemark. RoA e.V. hat sie seit letztem August auf Berliner Verhältnisse angepasst. Zwei Räder wurden privat finanziert und sind in Schöneberg und im Wedding im Einsatz. Inzwischen unternehmen fünfzehn Freiwillige regelmäßig Ausflüge.

Sie kommen aus den unterschiedlichsten Berufen: Psychologe, Polizist, Designerin, Rentner, Uni-Mitarbeiter, Tierarzt, Künstler. Viele von ihnen sind Alltagsradler. Oft war es für sie überraschend, wie einfach der Umgang und Kontakt mit den Senioren ist, wenn es ein so klares Ziel wie einen gemeinsamen Ausflug gibt. Einplanen sollte man 1,5 bis 2 Stunden für eine Fahrt. Leistungssportler muss man für das Rikschafahren nicht sein, denn es gibt eine E-Unterstützung, die man nach Bedarf zuschalten kann.

RoA sucht Mitstreiter, denn die Idee vom Generationen-Miteinander lebt dadurch, dass viele sich beteiligen. Leute, die fahren, die andere von der Idee begeistern, z.B. anlässlich ihres Geburtstags Spenden sammeln oder den jungen Verein mit ihrer Expertise (Juristerei, Computerei) unterstützen.Kommen ausreic2015-1Velophil-250x190pxhend Spenden zusammen, werden im Frühjahr zwei weitere Räder in Betrieb genommen: in Mitte und in Kreuzberg.

Zukünftige Fahrer können sich über die Webseite zu einem der wöchentlichen Trainings von RoA e.V. anmelden. Hier lernt man von erfahrenen Piloten das Handling der Rikscha (ein Dreispurgefährt mit Drehschemel-Lenkung). Wer einfach so neugierig ist, kann sich auch zum nächsten Stammtisch gesellen (erster Montag im Monat), an Gruppenausflügen teilnehmen (nächster ist im Mai). Für Gruppen ab sechs Personen organisiert der Verein eigene Termine.

Radeln ohne Alter wünscht sich ein Recht auf Wind in den Haaren für alle, und eine Stadt, in der die RoA-Rikschas so selbstverständlich sind wie ein freudvolles soziales Miteinander.


Mehr Informationen unter www.radelnohnealter.de
Termine für Fahrtraining: ab 5. März jeweils Samstag 15:00 Uhr,
bitte anmelden: calle@radelnohnealter.de
Stammtisch: 1. Montag im Monat, 19:30 Uhr, Felsenkeller, Akazienstr. 2, 10823 Berlin.
Spenden:
Radeln ohne Alter e. V.

DE 26430609674019213101, BIC: GENODEM1GLS