Oranienburg bekommt Fahrradparkhaus

Wer am Oranienburger Bahnhof sein Fahrrad abstellen möchte, trifft meist auf hoffnungslos überfüllte Abstellanlagen. Nun will die Stadt Bahnhof und Umgebung aufwendig umgestalten und ein Fahrradparkhaus errichten. VON NIKOLAS LINCK.

So soll das neue Fahrradparkhaus aussehen Abbildung: Gruppe PLANWERK

So soll das neue Fahrradparkhaus aussehen Abbildung: Gruppe PLANWERK

Wer heute in Oranienburg aus dem Bahnhof tritt, ist möglicherweise überrascht von der Geschäftigkeit und der nicht geringen Zahl an Reisenden, die in der Kleinstadt ihrer Wege gehen. Seit dem letzten großen Ausbau des Bahnhofsvorplatzes vor 20 Jahren hat sich der Oranienburger Bahnhof zu einer viel genutzten Verkehrsschnittstelle entwickelt. Berlin ist nur einen Katzensprung entfernt, dort erreicht man neben dem Hauptbahnhof inzwischen auch den Bahnhof Ostkreuz, ohne umzusteigen. Nicht nur Pendler, auch immer mehr Ausflügler nutzen die Regionalbahn zwischen Hauptstadt und der ihrer kleinen Nachbarstadt im Norden. Inzwischen übersteigt die Zahl der Reisenden die baulichen Kapazitäten des Bahnhofs und seiner Umgebung. Radfahrer finden kaum noch Abstellplätze für Ihre Räder, Autos keinen Parkplatz und Touristen keine Orientierung. Busse haben wegen der Menschenmassen auf dem Vorplatz Probleme beim Halten und Abfahren. Zwischen Lindenstraße und Schulstraße soll nun ein verkehrsberuhigter Bereich ausgewiesen werden, rund um den Bahnhof gilt dann Tempo 20 oder Tempo 30 – ein Gewinn für alle Verkehrsteilnehmer, vor allem aber für die vielen Fußgänger. Darüber hinaus werden P&R-Möglichkeiten für Pkw geschaffen und die Bushaltestellen ziehen dahin, wo sich derzeit die überfüllten Fahrradabstellanlagen befinden. Anstatt ihrer soll ein zweigeschossiges Fahrradparkhaus die S-Bahnböschung neben dem Bahnhof zieren, dessen Bau noch im Herbst beginnt. Die Zahl der Fahrradstellplätze würde sich damit von derzeit 370 auf 1.000 erhöhen.

Zurzeit sind die Abstellanlagen hoffnungslos überfüllt. Foto: Gruppe PLANWERK

Zurzeit sind die Abstellanlagen hoffnungslos überfüllt. Foto: Gruppe PLANWERK

Ohne Service, dafür umsonst

Der Bebauungsplan sieht ein 80 Meter langes Gebäude vor, dessen zwei Geschosse mit Doppelstockparkern ausgestattet sind. Diese Technik, auch am S-Bahnhof Pankow finden, hat sich inzwischen bewährt: Die obere Halterung wird per Hand zur Erde gedrückt, das Fahrrad in die Halterung geschoben, das Gestell zurück in die Ausgangslage geschwenkt. Daneben wird es bis zu 12 abschließbare Plätze für Pedelecs und hochwertige Räder geben, einige davon mit Lademöglichkeit für den Akku. Obwohl es kein Personal in dem rund um die Uhr geöffneten Gebäude geben wird, sieht das Stadtplanungsamt die Gefahr von Diebstahl oder Vandalismus als gering an. »Die Idee ist ein offenes, gut einsichtiges Gebäude. Am Bahnhof ist eigentlich immer was los, da ist die soziale Kontrolle hoch. Außerdem werden die Stellplätze per Kamera überwacht «, erklärt Sven Dehler, der das Projekt dort betreut. Trotzdem gebe es Überlegungen, zumindest für Teile des Gebäudes eine Betreiberfirma zu finden. Die würde nicht nur die Sicherheit erhöhen, sondern könnte auch Serviceeinrichtungen wie eine Werkstatt integrieren. Bedarf gäbe es sicherlich, auch wenn der nächste Fahrradladen in 600 Metern Entfernung noch gut zu erreichen ist. Ohne Betreiber und dank clever eingetriebener Fördermittel wird das Parkhaus zumindest kostenlos – sicher auch zur Freude vieler Nutzer. Ohnehin sei das Projekt noch ausbaufähig: Je nach Auslastung könnten noch mehr Stellplätze geschaffen werden, Dehler wünscht sich außerdem einen direkten Zugang vom Parkhaus zum Gleis. Da wiederum hat die Bahn ein Wörtchen mitzureden. Wie es auch weitergeht, die Oranienburger und ihre Besucher können sich demnächst über ausreichend moderne, witterungsgeschützte Stellplätze freuen. Die sucht man in Berlin, nach 36 Minuten Bahnfahrt zum Ostkreuz, immer noch vergebens.


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