Mehr Sicherheit für radelnde Humboldtianer

Die Urkunde soll einen Ehrenplatz in der Schule erhalten. Ein stilisiertes Fahrrad, im Hintergrund der Fernsehturm: Das Logo der „FahrradStadtBerlin“ dominiert die Auszeichnung in DIN-A4. Stadtentwicklungssenator Michael Müller ehrt damitJahr für Jahr Aktivisten, die sich um die Förderung des Radverkehrs in der Hauptstadt verdient gemacht haben.

2012 hat der Senator vier Urkunden überreicht – eine davon an die AG Verkehr der Wilhelm- von-Humboldt-Gemeinschaftsschule in Prenzlauer Berg. Das Herz der AG: Marie Bachmann, Hilke Falkenhagen und Ute Truttmann. Die drei Frauen haben sich dafür stark gemacht, dass das Bezirksamt Pankow vor der Schule 35 zusätzliche Fahrradbügel installiert und dass bei der anstehenden Neugestaltung der Verkehrsflächen rund um die Schule besonders an die radelnden Humboldt-Schüler gedacht wird. Unter dem Motto „Eine neue Schule – jetzt!“ hat die Humboldt-Schule 2008 als Gemeinschaftsschule ihren Lehrbetrieb aufgenommen, als erste neu gegründete Schule des gleichnamigen Berliner Pilotprojekts. Los ging’s mit 104 Schülern. Inzwischen drücken hier fast 500 Jungen und Mädchen in 20 jahrgangsübergreifenden Lerngruppen die Schulbank, 2015 werden es um die 750 sein. „Da die Schule kein explizites Einzugsgebiet hat, haben viele Kinder einen längeren Schulweg“, erklärt Bachmann. „Viele kommen mit dem Fahrrad“ – auch ihr Sohn. 2009 wurde er auf der „Humboldt“ eingeschult. Und seither stört es die engagierte Mutter, dass es dort kaum Abstellmöglichkeiten für Räder gibt, dass es gefährlich ist, die Straße vor der Schule zu überqueren, weil parkende Autos die Sicht behindern, und dass Autos oft viel zu schnell vorbeiheizen, obwohl der Bereich als Tempo-30- Zone ausgewiesen ist. Grund genug für Elternvertreterin Bachmann, in der Verkehrs-AG mitzuwirken.

Als Geografin mit Erhebungen und deren Auswertung vertraut, initiierte sie Anfang 2011 mit der AG Verkehr eine Elternbefragung zum Schulweg. Ergebnis: Die meisten Kinder kommen mit dem Fahrrad (64 %) oder zu Fuß (31 %). Einige, die weiter weg wohnen, fahren mit der Straßenbahn (2 %) oder werden mit dem Auto gebracht (4 %). Dass das „Elterntaxi“ eher die Ausnahme ist, erfreut Marie Bachmann. Vorrangig hat ihr die Befragung aber gezeigt: Rund 300 Fahrräder werden jetzt schon Tag für Tag rund um die Schule abgestellt. „Hält der Trend an, wird der Bedarf an Fahrradabstellplätzen weiter steigen.“ Bis zum Schuljahr 2015/16 auf geschätzte 500 Abstellplätze. Zahlen, die sich bei Gesprächen der AG mit dem Bezirksamt Pankow als hilfreich erwiesen. Der damals zuständige Bezirksstadtrat Jens-Holger Kirchner nahm persönlich an einem Workshop teil, bei dem die AG Verkehr mit Schulleitung, Elternvertretern und Bezirksamt über Möglichkeiten beriet, die Verkehrssicherheit rund um die Schule zu verbessern. Schon kurze Zeit später ließ der Bezirk 35 Fahrradbügel an der Erich-Weinert-Straße direkt am Zaun zum Schulhof installieren. „Unser Glück, dass der Bürgersteig hier sehr breit ist und die Bügel gerade zur Verfügung standen“, freut sich Bachmann rückblickend. Worüber sie aber besonders froh ist: „Unsere Ideen sind in die Planung für den Bereich Humannplatz und Ostseestraße eingeflossen.“ Eine Planung, die der Bezirk im Sommer 2011 erarbeitet und beim Senat eingereicht hat und die eine komplette Umgestaltung der Verkehrsflächen im Nahbereich der Schule vorsieht. So soll die Asphaltdecke der Gudvanger Straße zwischen dem Schulgelände und ge2013-01-14_Radzeit-01-Druck_Seite_05_Bild_0001genüberliegendem Humannplatz Pflastersteinen weichen. Auf beiden Seiten der Fahrbahn wird ein Fahrrad-Großparkplatz entstehen – mit rund 120 Bügeln für 240 Räder. Die Straße selbst soll deutlich verengt, der Bürgersteig stattdessen in Teilabschnitten verbreitert werden. „Gewünscht hatten wir uns eine vollständige Sperrung für den motorisierten Verkehr“, sagt Bachmann. Aber auch mit dem erreichten Kompromiss können die engagierte Mutter und ihre Mitstreiterinnen gut leben: „Es können dann keine zwei Autos mehr aneinander vorbeifahren.“Auch die Pläne für die Umgestaltung des Krügerplatzes in unmittelbarer Nachbarschaft der Schule – bislang nur eine unübersichtliche Straßenkreuzung – betrachten die drei Frauen der Verkehrs-AG mit Wohlwollen: Nicht nur, weil mittels Bäumen und Bänken ein richtiger Stadtplatz entstehen soll – auch weil hier weitere Fahrradbügel möglich sind. Ein Zebrastreifen soll zudem zu mehr Verkehrssicherheit beitragen. Marie Bachmann ist zuversichtlich, dass die Pläne 2013/14 in die Tat umgesetzt werden – obwohl sie mit Kosten von fast einer halben Million Euro verbunden sind: „Auch im überarbeiteten Stadtentwicklungskonzept für den Bereich Humannplatz/Ostseestraße ist das Projekt mit hoher Priorität bewertet worden.“ Und: Für den Umbau der Gudvanger Straße stehen Mittel aus dem Programm Städtebaulicher Denkmalschutz in Aussicht.