Lidl-Bike vs. Nextbike

Wer in Berlin auf’s Leihrad steigen will, hat die Wahl: Grün oder blau? Mit Lidl-Bike und Nextbike stehen zwei große Anbieter bereit. Wer hat das bessere Angebot? Und sind Leihräder überhaupt für Alltagsradler interessant? ADFC-Mitglied BERND ADAM ließ sein privates Fahrrad ein paar Wochen stehen, um beide zu testen – und war mit keinem so recht zufrieden.

Meine Idee war, für rund 50 Euro im Jahr den Pauschaltarif mit 30 Minuten Freifahrt zu buchen: Das reicht für die Fahrt zur Arbeit, die Bäcker-Pause am Nachmittag und die Einkäufe. Und wenn ich den Reifen- und Bremsenverschleiß am eigenen Rad gegenrechne, gleicht sich der Jahresbetrag sogar aus. Im April, als ich loslegen wollte, standen überall bereits die neuen Lidl-Bikes – eine Umbenennung von Call-a-bike: Die Deutsche Bahn hat sich nämlich einen Sponsor gesucht, nachdem sie die Berliner Landes-Zuschüsse an Konkurrent Nextbike abtreten musste. Nextbike folgte im Mai.

 

Nextike-Stationen sind durch ein Schild oder ein nicht mietbares Rad gekennzeichnet.

Finden
Die Räder ermitteln ihre Position per GPS und melden sie per Mobilfunk zur Zentrale. Der Kunde findet sie dann in der zugehörigen Handy-App. Beide Anbieter muten dem Benutzer allerdings Ungenauigkeiten weit außerhalb der Sichtweite zu. Hier büßt man nicht nur Zeit durchs Suchen ein. In vielen Fällen habe ich die Räder überhaupt nicht gefunden und habe
zähneknirschend ein anderes Rad angesteuert. Hinzu kommt ein Fehler in der Bahn-Software: Sie ordnet offenbar manche Räder anderen Straßen in bis zu 200 Meter Entfernung zu. Nachteil bei Nextbike: Zu wenige Räder und kilometerweite Abstände zwischen den Mietstationen. Bis 2018 will das Unternehmen jedoch auf 5.000 Räder aufstocken und würde damit die 3.500 Lidl-Bikes überholen. Die Räder von Nextbike sind im gesamten Stadtgebiet verfügbar, während sich Lidl-Bikes nur innerhalb des S-Bahnrings finden.

Nextbike-Räder können mit der
Scanner-Funktion ausgeliehen
werden (Android-App)

Mieten
Eine echte One-Touch-Funktion hat Nextbike: Das Handy scannt einen QR-Code am Fahrrad, damit dauert das Mieten keine drei Sekunden. Beim Lidl-Bike muss man die Rad-Nummer eintippen. Zur Erleichterung schlägt Lidl-Bike eine Liste von Nummern in der Umgebung vor. Nur ist leider in 90 Prozent der Fälle das Rad nicht dabei, vor dem man gerade steht. Außerdem
nervt das Bahn-System mit gelegentlichen Fehlern, die dann umständliches telefonisches Mieten oder Rücksetzen über den Kundendienst nötig machen.

 

 

 

 

Die App der Lidl-Bikes weist für
jede Fahrt eine Rückgabe-Gebühr
aus und bucht sie erst später in der Monatsrechnung zurück.

Zurückgeben
Die Bahn war kreativ: Seit dem Neustart darf man das Rad gegen 50 Cent Gebühr einfach irgendwo abstellen. Wer dieses Geld sparen will, fährt zu einer »Rückgabezone« mit 50 Metern Durchmesser, die auf dem Stadtplan markiert ist. Nextbike hat die Idee sofort aufgegriffen, macht es aber dem Benutzer einfacher: Jede Station hat entweder eine massive Anschließ-Konstruktion oder ein Markierungs-Rad. Man stellt sich einfach daneben und fertig. In der Praxis wurden mir von Lidl-Bike auch bei präzisem Abstellen oft die 50 Cent berechnet. Die Gebühr wurde zwar nach Reklamation auch anstandslos erstattet, aber der Zeitaufwand dafür war immens. Inzwischen werden die 50 Cent grundsätzlich berechnet und erst später in der Monatsrechnung korrigiert – oder auch nicht. Aber welcher Kunde erinnert sich nach zwei oder drei Wochen noch, wann er wo welches Rad abgestellt hat?

 

 

Fahren
Beide Räder sind recht gut ausgestattet – bei Vorteilen für das Lidl-Bike, insbesondere durch die 7-Gang-Schaltung. Allerdings sind die Lidl-Räder recht störanfällig und viele stehen kaputt herum. Im Laufe der Zeit hat es sich deutlich gebessert – offenbar durch bessere Koordinierung der Mechaniker-Einsätze.

Fazit
Eine wirklich komfortable Ersatzlösung für den Alltagsradler sind beide Angebote (noch) nicht. Das Lidl-Bike hat zwar ein dichtes Netz und viele Räder, aber noch zu viele Fehler in seiner Handy-App. Nextbike hat noch viele weiße Flecken auf der Landkarte, was gebührenfreies Abstellen erschwert. Trotzdem sind die Vorzeichen positiv: Unmittelbar vor Redaktionsschluss
hat die App fürs Lidl-Bike nochmal ein großes Update mit vielen Verbesserungen bekommen. Und Nextbike darf ohnehin gemäß Ausschreibung für die Landes-Subventionen nicht mehr lange zögern, seine Stationsdichte zu verbessern. Wenn die blauen Räder dann noch ins VBB-Ticket integriert werden, hätte Nextbike sicherlich die Nase vorn. Gespräche mit dem Verkehrsverbund laufen derzeit.