Lange gibt den Lenker ab

Seit Anfang 2007 war er Chef der Verkehrslenkung Berlin (VLB) und damit verantwortlich für den verkehrssicheren Ablauf auf Hauptstraßen, an Ampeln und Baustellen. Jetzt muss Jörg Lange den Lenker abgeben. VON PHILIPP POLL.Lange_gibt_den_Lenker_ab

Die Entscheidung kam für Öffentlichkeit und Verbände gänzlich unerwartet. Der Verkehrssenator Andreas Geisel werde den bisherigen Leiter der Verkehrslenkung Berlin, Jörg Lange, mit Wirkung zum 1. November von seinen derzeitigen Aufgaben entbinden, heißt es in einer Presserklärung vom 23. September 2015. Senator Geisel erklärt seine Entscheidung unverblümt: »Es ist mein Ziel, dass die Verkehrslenkung Berlin effizienter und schneller arbeitet«, sagt er und räumt damit ein, dass dies bislang nicht der Fall war. In den letzten Monaten hatte Langes Behörde wiederholt für schlechte Schlagzeilen gesorgt. Ihr wurden organisatorische Mängel, überbordende Bürokratie und schlechtes Personalmanagement vorgeworfen. Unter den dutzenden Anklägern waren Leitungsbetriebe, Wirtschaftsvertreter, BVG und Bezirke. Haushaltsmittel für den Radverkehr konnten wegen des Bearbeitungsstaus nicht verbaut werden. Der ADFC kritisierte wiederholt die schleppende Umsetzung der Abordnung der Radwegebenutzungspflicht und die mangelnde Kontrolle bei Baustellenanordnungen. Die Probleme bei der VLB sind nicht neu, auch ihre Ursachen sind schon länger bekannt. 2005 aus Teilen der Senatsverwaltung und der Polizei ausgegründet, sollte die Behörde eigentlich Kompetenzen bündeln und effizientere Strukturen schaffen. In einem Interview mit der Taz im Jahr 2010 beklagte Lange den hohen Altersdurchschnitt in seiner Behörde und den Einstellungsstopp im öffentlichen Dienst. »Es wäre besser, wenn wir mehr jüngere Mitarbeiter hätten, die auch ein anderes Verständnis von Mobilität mitbrächten«, ließ er sich zitieren und verglich seine Behörde mit einem Kindergarten, in dem nur 60-jährige Erzieher arbeiten. Im Herbst 2014 musste Verkehrsstaatssekretär Christian Gaebler eingestehen, dass die VLB personell unterbesetzt ist – bedingt durch Sparrunden in der Vergangenheit, aber auch durch hohen Krankenstand. Von 14 Mitarbeitern im Bereich der Baustellenanordnung arbeiteten damals nur noch fünf. Kurzfristig wurden acht neue Stellen ausgeschrieben. Außerdem sollten Teile der Behörde umorganisiert werden. Eine letzte Chance für Lange, aufzuräumen und die Behörde auf neuen Kurs zu bringen. Offensichtlich hielt sich der Fortschritt trotz neuem Personal in Grenzen. Die nächste Maßnahme des Senators ist nun ein Führungswechsel bei der VLB. Wer diesen Posten einnehmen wird, ist für Radfahrende nicht uninteressant. Lange fuhr selber Rad und hatte daher auch ein Auge für den Radverkehr. Dieser ist hoffentlich auch seinem Nachfolger, der endlich frischen Wind in die Behörde bringen soll, kein Fremdwort. Die kommissarische Leitung übernimmt bis dahin Peter Hecktor, bislang Leiter der Berliner Stadtgüter GmbH.


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