Immer am blauen Band entlang

Die Bundesgartenschau in der Havelregion ist ein Novum: Zum ersten Mal in der 64-jährigen Buga-Geschichte ist es eine Landschaftsschau. Mit fünf Standorten. In zwei Bundesländern. Verbunden durch das »blaue Band der Havel« – und durch zwei Radrouten. VON KATRIN STARKE

Das »blaue Band« spannt sich von Brandenburg an der Havel bis Havelberg. Zwischen diesen beiden, 80 Kilometer voneinander entfernten Endpunkten: Premnitz, Rathenow und Stölln im Amt Rhinow. Die Landschaft dazwischen bewerben die Buga-Macher als Erlebnisraum. Und der lässt sich am besten mit dem Rad erfahren. Das muss man von Berlin aus nicht in vollen Zügen transportieren. Buga-Bikes können in Brandenburg, Rathenow und Havelberg ausgeliehen werden.

Durch 33 Themengärten kann am Buga-Standort »Packhof« in Brandenburg an der Havel flaniert werden.

Durch 33 Themengärten kann am Buga-Standort »Packhof« in Brandenburg an der Havel flaniert werden.

 

Wir leihen uns Velos in Brandenburg, am Hauptbahnhof. Gleich drei Buga-Areale könnten wir hier besuchen. Wir schauen uns »nur« die 33 Themengärten auf dem vier Hektar großen Packhof-Gelände an, in dem stilisierte hölzerne Buga-Schiffe daran erinnern, dass sich hier einmal eine Werft befand. Dann nehmen wir Kurs auf Wilhelmsdorf, wie es uns die freundliche Dame im Buga-Infopunkt am Bahnhof empfohlen hat – ausgeschildert als »Buga-Route«. Die ist zwar deutlich länger als die Express-Radroute, die meist straßenbegleitend verläuft, aber landschaftlich reizvoller. Kein Wunder, verläuft sie doch auf der Trasse von Havelradweg und »Tour Brandenburg«. Vorbei an Kleingartenkolonien radeln wir in südwestlicher Richtung heraus aus der Stadt. Links des asphaltierten Weges Mischwald, rechts der Breitlingsee. Der irgendwann in den Plauer See übergeht. Badestellen am Ufer, doch für eine Pause ist es zu früh.

Auf der Fähre über die Havel 

Aus der Ferne erkennbar: die Schornsteine des Industriestandortes Kirchmöser. Bahnzulieferer sind hier ansässig. Infotafeln laden zu einem industriegeschichtlichen Rundgang ein. Nur kurze Zeit später biegen wir in den Schlosspark Plaue ein mit seinem alten Baumbestand und dem Schloss, das der p2015-05-18_Grafik_ADFC_Haveltour_03reußische Minister Friedrich von Görne 1711 bis 1716 über den Resten einer mittelalterlichen Burg errichten ließ. Noch einmal abbiegen. Nach rechts auf die alte Havelbrücke. 130 Meter lang, eine der wenigen erhaltenen Stahlfachwerkbrücken der Region. Die nächsten Kilometer führt die Buga-Route über die Landstraße. Durch Briest, Kranepuhl, Tieckow nach Fohrde. Hier treffen wir eine Radlergruppe aus Berlin-Treptow, die entlang der Bundesstraße 102 Kurs auf Premnitz, den nächsten Buga-Standort, nimmt. Wir biegen stattdessen nach links ab, setzen mit der Fähre von Pritzerbe über nach Kützkow auf die andere Seite der Havel. Wir sind nicht die Einzigen. Fährmann Stefan Grabow ist zufrieden. Die Buga beschert ihm ein gutes Geschäft. »Hier, die Einnahmen seit gestern«, sagt er und lässt uns einen Blick auf die unzähligen Fünf- und Zehn-Euro-Scheine in seinem Portmonee werfen.

2015-1Velophil-250x190pxDurch Wiesen und Felder verläuft der Radweg nach Premnitz. »Links rum, da seid ihr richtig«, rufen uns Einheimische zu, als wir in Jerchel an einer Abzweigung kurz zögern. Vermeintlich skeptische Blicke ernten wir nur von einem Storchenpaar in Milow, das von seinem Horst zu uns herunterschaut. Noch ein paar Minuten kräftig in die Pedale treten, dann haben wir Premnitz erreicht. Stauden und Gräser erwarten uns in den beiden direkt an der Havel gelegenen Buga-Arealen »Uferpromenade« und »Grünzug«. Wir hetzen durchs Gelände. Noch haben wir neun Kilometer zu radeln bis nach Rathenow, wo wir unsere Räder bis 18 Uhr wieder abgegeben haben müssen. Ein zweites Mal treffen wir auf die Radler aus Treptow. Der Radweg entlang der B 102 sei gut, erzählen sie. Aber die Buga zu besuchen, dafür fehle ihnen die Zeit. Schließlich wollen auch sie noch weiter bis Rath-enow, von dort mit dem Zug zurück nach Berlin. »Wir haben uns jetzt Geschmack geholt«, sagt einer der Radler. Er will wiederkommen.

Ab Premnitz wird abgekürzt

17 Kilometer im großen Bogen nach Rathenow? Wir wählen den kurzen, neun Kilometer langen Weg entlang der Bundesstraße. Gut 60 Kilometer haben wir auf dem Tacho, als wir die Räder am Rathenower Bahnhof abgegeben. Der Shuttle-Bus bringt uns zum Eingang am Weinberg, dem 12,8 Hektar großen zweiten Buga-Areal in Rathenow. Gerade noch geschafft. Einmal auf dem Gelände, können wir bis Einbruch der Dunkelheit bleiben, in Ruhe über die neue, 350 Meter lange geschwungene Fußgängerbrücke in den Optikpark hinüberwandern.

Wir haben kräftig in die Pedalen getreten. Doch die Buga haben wir nur im Eilschritt anschauen können. Wahrscheinlich wäre es am besten, jetzt in Rathenow zu übernachten, am nächsten Tag in Ruhe die Blumenpracht zu genießen und dann wieder aufs Rad zu steigen, um Kurs auf Havelberg zu nehmen.

Eintrittspreise 

Die Eintrittskarte kostet für Erwachsene 20 , ermäßigt 18 . Damit können alle fünf Buga-Standorte bis 11. Oktober jeweils einmal besucht werden. Kinder bis sechs Jahre haben freien Eintritt. Kinder und Jugendliche von sieben bis 17 Jahren zahlen zwei Euro.

Wer erst abends kommt, kann eine Feierabendkarte für 10 nutzen. Sie gilt ab 17 Uhr bis Einbruch der Dunkelheit.

Anreise

Mit der Bahn: Die Havelregion ist über drei Regionalexpresslinien (RE 1, 2 und 4) und einen IC-Halt in Rathenow überregional erschlossen. Alle Buga-Standorte sind in der Regel aus allen Richtungen stündlich zu erreichen. Das Brandenburg-Ticket der Bahn sowie das VBB-Abo65plus gelten während der Buga auch in der RB34 sowie in den Bussen 686 und 900 bis nach Havelberg.

Mit dem Fahrrad: Zwei Buga-Fahrradrouten verbinden die jeweiligen Standorte miteinander. Sie führen direkt zu den Haupteingängen. Die natur- und wassernahe Buga-Route ist insgesamt 120 Kilometer lang, die straßenbegleitende Buga-Expressroute 80 Kilometer.

Buga-Bike-Stationen gibt es in Brandenburg an der Havel (Hauptbahnhof), in Rathenow (Bahnhof) und in Havelberg (Bahnhof Glöwen). Ein Stadtrad kostet für einen Tag 15 (mit Buga-Ticket 14 ), ein E-Bike 20 , mit Buga-Ticket 18 . Räder können an einem Bahnhof gemietet und an einem anderen wieder abgegeben werden. Der Ride&Go-Service schlägt allerdings mit 10 zu Buche.

Nähere Infos unter www.radkultur.de oder

www.buga-2015-havelregion.de sowie unter 0180 510 8000

Weiterlesen: Garten für die Harten


Mehr zum Thema Freizeit:

Mehr Touren-Tipps: