Hightech, Holz und hoher Besuch

Zum sechsten Mal fand die VELOBerlin in den Messehallen am Funkturm statt. Neben über 300 Herstellern, die ihre Marktneuheiten präsentierten, war auch die Politik zu Besuch. VON NIKOLAS LINCK.

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Wer sich draußen etwas sonnen wollte, musste mit springenden Radfahrern über sich rechnen

Andreas Geisel, Senator für Stadtentwicklung und Umweltschutz, eröffnete die Messe mit einem Lob für angeradelte Publikum: „Das Fahrrad hilft uns, Mobilität zu gewährleisten und dabei die Lebensqualität in der Stadt hoch zu halten.“ Auch Norberth Barthle, Parlamentarischer Staatssekretär des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) betonte die Bedeutung des Radverkehrs. Er erinnerte daran, dass gerade in den Städten mehr als 50 % aller Fahrten mit dem Auto kürzer als fünf Kilometer seien – viel Potential nach oben für das Fahrrad.

Mit diesen klaren politischen Bekenntnissen der Politik zum Rad begann die Messe, begründet mit Blick auf Gesundheit, Klima und Stadtentwicklung. Die Statements stehen jedoch in Widerspruch zur Realität auf den Straßen und den Investitionen der Städte. Das zog die Aktiven des ADFC genauso in die Messehallen wie die Macher des „Volksentscheid Fahrrad“, die Anfang April einen Entwurf für ein Radverkehrsgesetz an den Senat übergeben hatten.

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Ines Brunn auf dem Kunstrad

Die Mehrzahl der knapp 15.000 Besucher, die sich Räder und Radzubehör von über 300 Austellern und Marken ansahen, waren aber gekommen, um sich pünktlich zur Eröffnung der Radsaison einen Überblick über die Neuigkeiten am Markt zu verschaffen: Die VELO hat den Anspruch, auch die mehr oder weniger engagierten Alltagsfahrerinnen und –fahrer abzuholen. „Ich bin hier, weil ich mein altes Rad ersetzen will“, sagte ein Vater, der mit Partnerin und Sohn über die Messe schlenderte, und war damit nicht allein. Dementsprechend hatten die Aussteller ihr ganzes Angebot aufgefahren, das Besucher auf dem Freigelände und verschiedenen Parcours direkt austesten konnten. Und während das Wetter am Samstag noch recht trübe war, erwärmte die Sonne am Sonntag den weiten Hof unter dem Funkturm und ließ auch die Zahl der Probefahrten in die Höhe schnellen. Shows mit dem Trial-Profi und Weltrekordhalter Marco Hösel sowie der Kunstradfahrerin Ines Brunn sorgten bei Musik und Sonnenschein für gute Stimmung.

Was waren die Trends?

Unter dem Titel „Smart Cycling“ präsentierte die VELOBerlin das digitale Rad. Navigation, Trittfrequenz, Bedienung, Beleuchtung und Motordaten des E-Antriebs laufen in Bordcomputer oder Smartphone zusammen. Die Daten werden im Internet gespeichert und verwaltet, so kann beispielsweise der Diebstahlschutz aktiviert oder ein Techniker per Fernabfrage für Servicechecks gerufen werden. All diese neuen Funktionen werden über das Display am Lenker gesteuert. Was bei E-Bikes oft schon integriert ist, setzt sich nun auch bei der Aufrüstung von rein muskelbetriebenen Rädern durch: Das neue Herzstück der vernetzten Räder sind Smartphones und GPS-Navigationssysteme.

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Testparcours unter dem Funkturm

Die Sonderschau „VELO Park&Ride“ widmete sich dem Thema Fahrradparken. Hintergrund: In Berlin sollen mehr Parkplätze für Räder gebaut werden. Dazu veranstaltete der Senat am Messe-Samstag eine Fachveranstaltung auf dem Messegelände, bei der Hersteller ihre Innovativsten Konzepte interessierten Architekten, Stadtplanern und Vertretern von Kommunen vorstellten.

Die Wohlfühlzentrale der Messe war wie in den Jahren zuvor bei den Holzwürmern: In einer der sonnenverwöhnten Rotunden der Messe hatten sich erneut die Holzrahmenbauer und Fahrradmöbelanbieter versammelt. Hier im Kaffeeduft ließ man sich gerne nieder oder deckte sich mit kleinen Gadgets und Klamotten ein. Handwerklich hochedel, aber weniger was für die spontane Shoppinglaune waren dabei die Schuhe von Manuel Bär: Der Schumacher hatte seine hand- und maßgefertigten Radschuhe (mit Klicks!) dabei. Bär schafft es, dass diese Radschuhe nicht von herkömmlicher Fußbekleidung zu unterscheiden sind, die zu jedem schicken Anzug passen. Das muss man sich dann aber auch leisten können – das Paar kostet 1700 Euro.


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