Gemeinsam entlang der „Riviera“

Das Bezirksamt von Friedrichshain-Kreuzberg möchte den Uferweg am Fraenkelufer sanieren und dabei mehr Platz für Rdfahrer und Fußgänger schaffen. Doch es gibt Widerstand aus der Anwohnerschaft. VON CLAUDIA LIPPERT

RadzeitFraenkelufer 01-15  016

Der Weg am Nordufer des Landwehrkanals heute: unbefestigt, von Schlaglöchern übersät. Querparkende Autos ragen mit ihrem heck oft in den Weg hinein. Foto: Katrin Starke

Kreuzberg – An der für 2016 geplanten Umgestaltung des Fraenkelufers scheiden sich die Geister. ADFC, BUND und ein Teil der Anwohner begrüßen die Pläne des Bezirks zur Sanierung der „Riviera von Kreuz-berg“ (O-Ton Tilo Schütz vom BUND). Andere Anwohner treten kräftig auf die Bremse, haben 300 Unterschriften gegen die Umgestaltung gesammelt. Bei einer Info-Veranstaltung Mitte Januar schlugen die Wogen hoch. Zunehmend nutzen Autofahrer die breite Fahrbahn des Fraenkelufers als Schleichweg, um dem Stau am Kottbusser Tor zu entgehen. Radfahrer weichen auf den Uferweg direkt am Landwehrkanal aus. „Hier kommt es immer wieder zu Konflikten zwischen Fußgängern und Radfahrern“, beschreibt Marek Jahnke vom Stadtplanungsbüro Hanke + Partner Landschaftsarchitekten den Status quo. Kein Wunder, denn der Weg ist deutlich schmaler als der für den motorisierten Verkehr. Einige stattliche Bäume engen den eh schon wenigen Platz, der Fußgängern und Radfahrern zur Verfügung steht, zusätzlich ein. Um die Situation zu entschärfen, hat das Planungsbüro vorgeschlagen, die derzeit 44 Querparkplätze zwischen Fahrbahn und Uferweg – im Bereich von Admiralbrücke bis Urbanhafen –in Längsparkplätze umzuwandeln. Längsparken sei platzsparender, so Jahnke. Um weiterhin 44 Stellplätze anbieten zu können, haben die Planer neun Stellplätze auf der Hausseite der Straße vorgesehen. „Überwiegend vor Büroläden“, wie Jahnke betont. Die Fahrbahn würde um 3,0 Meter schmaler, statt zehneinhalb müssten Autofahrer mit 7,5 Metern Breite vorlieb nehmen – und entsprechend langsam fahren. Die Uferpromenade dagegen würde verbreitert – ein Profil von 7,0 Metern stünde Radfahrern und Fußgängern zur Verfügung und würde mit Mosaiksteinen gepflastert. Derzeit ist die Oberfläche unversiegelt, bei Regen machen sich Pfützen von mehreren Metern Durchmesser breit, im Sommer wirbelt Staub. Und: „Weil der Weg so ausgefahren ist, werden die Bordsteine zu Stolperkanten“, so Marek Jahnke. Den Weg einfach aufschütten, damit die Schlaglöcher verschwinden, reiche vollkommen aus, argumentiert Cora Jacobi, Initiatorin der Unterschriftenaktion gegen den Umbau. Jetzt strahle der Bereich mediterranes Flair aus. „Einen Konflikt zwischen Radlern und Fußgängern gibt es aus meiner Sicht nicht“, so Jacobi. Ein gepflasterter Uferweg würde nur dazu führen, dass Radfahrer schnell fahren. „Dann wäre die Ruhe am Ufer nicht mehr die gleiche – und die Sicherheit auch nicht“, wettert die Anwohnerin. Tim Lehmann von der ADFC-Ortsgruppe Friedrichshain-Kreuzberg hofft auf eine einvernehmliche Lösung. „Wir finden die Planung super“, macht er deutlich. Die Radverkehrsentwicklung in Berlin zeige doch, dass immer mehr Menschen aufs Rad setzen. „Dadurch beanspruchen Radfahrer natürlich mehr Platz.“ Die Befürchtung, dass Pedalisten nach der Umgestaltung zu schnell fahren würden, teilt er nicht. Das verhinderten allein schon die Bäume und geplanten Bänke auf dem Uferweg. „Der Bezirk zeigt mit dieser Neugestaltung, dass er die Berliner Radverkehrsstrategie ernst nimmt“, betont ADFC-Landesvorsitzende Eva-Maria Scheel. Immerhin sei das Fraenkelufer Teil des bezirklichen Fahrrad-Nebenrouten-Netzes, eine Alternative zum stark befahrenen Korridor Gitschiner Straße – Skalitzer Straße. Außerdem sei der Grünzug Böcklerpark ein wichtiges Naherholungsgebiet.


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