Freude am Radfahren ist ungebremst

Zufriedene Gesichter, als Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) und Verband des Deutschen Zweiradhandels (VDZ) in Berlin ihre Bilanz für 2014 vorstellen:
4,1 Millionen verkaufte Fahrräder und E-Bikes sorgten im Fahrradhandel für ein Umsatzplus von nahezu zehn Prozent.
Von KATRIN STARKE

Nach einem schwierigen Jahr 2013 habe die Branche 2014 ein richtig gutes Ergebnis hingelegt, freut sich ZIV-Geschäftsführer Siegfried Neuberger. Klar habe das gute Wetter im Frühjahr 2014 dazu beigetragen, dass sich viele ein neues Rad gekauft hätten. Aber das sei es nicht allein: »Der Trend zum Radfahren hält an«, sagt VDZ-Chef Thomas Kunz. Im Alltag und in der Freizeit setzten immer mehr Deutsche aufs Rad. Eine Aussage, die er mit Zahlen untermauert: Für den Einzelhandel insgesamt registriert das Statistische Bundesamt nur eine Steigerung um 1,7%. »Vor diesem Hintergrund und der hohen Ausstattung der Haushalte mit Fahrrädern ist die Umsatzsteigerung in der Radbranche überdurchschnittlich.« Anders als in Vorjahren musste diesmal nicht der gestiegene Umsatz bei den E-Bikes »die Saison retten«. Auch bei den nicht motorisierten Rädern gab es Zuwächse. Während Stadträder zwar verloren, machte der ZIV Trekking- und Liegeräder sowie Singlespeed-Modelle als Gewinner der Saison aus. Und: Lastenräder.

Zwei Trends zeichneten sich auf dem Fahrradmarkt 2014 klar ab: E-Bikes und Lastenräder sind schwer im kommen.

Zwei Trends zeichneten sich auf dem Fahrradmarkt 2014 klar ab: E-Bikes und Lastenräder sind schwer im kommen.

Was die Fachverbände mit Sorge beobachten: dass immer mehr Leute ihr Fahrrad übers Internet kaufen. Der Marktanteil der Internet-Versender lag 2014 bei elf Prozent. Warenhäuser und Baumärkte sicherten sich weitere 19% vom Kuchen, für den Fachhandel blieben 70%. »Der Preiswettbewerb für den Fachhandel wird immer härter«, sagt VDZ-Chef Kunz. Zudem führe der wachsende E-Bike-Anteil am Umsatz zu heftigen Entwicklungsunterschieden: »Während die größeren Unternehmen ihre Umsätze deutlich steigern konnten, haben die Kleineren Marktanteile verloren.«

Mehr als 2,1 Millionen E-Bikes sind inzwischen auf deutschen Straßen unterwegs. Bei einem Bestand von 72 Millionen Fahrrädern ist das nicht viel. Aber die E-Bike-Verkäufe legen weiter zu. Wurden 2013 noch 410.000 Stück in Deutschland verkauft, waren es 2014 schon 480.000 – ein Marktanteil von zwölf Prozent. Mittelfristig sei ein jährlicher Anteil am Gesamtmarkt von mehr als 15% drin, schätzt man beim ZIV ein. »Dienstfahrräder und Dienstwagen sind inzwischen gesetzlich gleichgestellt – deswegen stellen mehr und mehr Unternehmen Fahrräder und E-Bikes bereit«, erläutert ZIV-Geschäftsführer Neuberger. Da kommt dann auch Berlin ins Spiel, wo man in Sachen E-Bikes wegen fehlender Abstellmöglichkeiten bislang eher zurückhaltend ist. Die Senatsverkehrsverwaltung hat kürzlich das Projekt »E-Bike-Pendeln« gestartet und 130 Pendlern testweise Pedelecs zur Verfügung gestellt. Erstes Ergebnis: »Der Anteil derer, die vorher täglich mit dem Auto zum Dienst fuhren, schrumpfte von 29 auf elf Prozent«, berichtet Senatsmitarbeiter Hermann Blümel. Bislang konzentriert sich das Projekt auf den Südwesten, spricht vornehmlich Pendler an, die aus Kleinmachnow zum Dienst nach Berlin kommen. Ihre Räder sollen sie künftig in Fahrradparkhäusern an den Bahnhöfen Mexikoplatz, Krumme Lanke, Zehlendorf und Wannsee abstellen können. Bei Pendlern, die längere Arbeitswege zurücklegen müssen, sieht der ZIV »großes Potenzial«. Aber: »Sichere Abstellanlagen, um E-Bikes im öffentlichen Raum parken zu können, sind ein Muss.« Da hat Berlin erheblichen Nachholbedarf.


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