Die neue Kraft in Sachen Radverkehr

Fahrradfreundliche Kommunen und Landkreise in
Brandenburg vernetzen sich

Bild 01_Loge überreicht Fahrradklingel

AGFK-Vorsitzender Stephan Loge schenkt Verkehrsstaatssekretärin Katrin Lange eine Fahrradklingel.

Auf dem bundesweiten Radverkehrskongress in Potsdam wurde am 19. Mai 2015 die »AG Fahrradfreundliche Kommunen Brandenburg« (AGFK) gegründet. Die Mitglieder der AGFK haben sich zum Ziel gesetzt, den Radverkehr in den Brandenburger Kommunen wesentlich zu verbessern. Das Interview mit Stephan Loge, Landrat des Landkreises Dahme-Spreewald und Vorsitzender der AGFK, führte der ADFC Brandenburg.

Radzeit: Herzlichen Glückwunsch zum Vorsitz der frisch gegründeten »AG Fahrradfreundliche Kommunen Brandenburg«. Welche Ziele verfolgt die AGFK?

Stephan Loge: Ein Ziel der AGFK ist die Unterstützung der Kommunen bei der Umsetzung des Nationalen Radverkehrsplans und der Strategien der Landesregierung zur Entwicklung des Radverkehrsnetzes. Dazu gehören Aktivitäten wie z. B. Bündelung von Informationen, Öffentlichkeitsarbeit, Instandhaltungsmanagement oder Wirkungskontrolle für Planung und Umsetzung von Radverkehrskonzepten.

>> Ziel ist eine bessere Vernetzung zwischen Fahrrad, Bussen und Bahnen. <<

Weitere Ziele sind eine bessere Vernetzung zwischen Fahrrad, Bussen und Bahnen, zum Beispiel durch sichere Fahrradabstellanlagen oder die Unterstützung von E- und Nahmobilität. Wir wollen z. B. Schülerverkehre mit dem Fahrrad attraktiver machen.

Radzeit: In der Gründungsurkunde steht, dass die Kommunen oft vor ähnlichen Problemen im Bereich Radverkehr stehen. Welche sind das aus Ihrer Sicht?

Loge: Eine der größten Herausforderungen ist es, genug Geld für den Bau von Radverkehrsanlagen zu beschaffen. Darüber hinaus ist die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben mit hohem Abstimmungsbedarf verbunden. Besonders gilt das z. B., wenn wir für eine neue Radverkehrsanlage Baurecht auf privaten Grundstücken brauchen. Hinzu kommt, dass innerhalb der Ortschaften die Anwohner, vor deren Grundstücken die Radverkehrsanlage gebaut werden soll, je nach geltender Satzung den Ausbau anteilig mitfinanzieren müssen.

Radzeit: Mit dem Vorsitz haben Sie auch die Geschäftsführung übernommen. Wie planen Sie Austausch und Abstimmung der räumlich weit auseinander liegenden Kommunen und Landkreise?

Loge: Die AGFK wird regelmäßig Arbeitstreffen wechselnd in den Mitgliedskommunen durchführen. Insbesondere dort, wo es ein besonderes Problem gibt, oder wo ein Beispiel vor Ort anzusehen ist. Darüber hinaus kennen sich die beteiligten Mitarbeiter und werden auch in direktem Kontakt untereinander Informationen austauschen oder sich gegenseitig helfen.

Radzeit: Gerade in Ihrem Landkreis ist die Struktur sehr vielfältig: vom zukünftigen Großflughafen bis zu einem ländlich geprägten Raum. Wie wollen Sie hier Verbesserungen für den Radverkehr erreichen?

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Mitglieder der AG Fahrradfreundliche Kommunen in Brandenburg: grün= Landkreise, rot= kreisfreie Städte, weiß= übrige Kommunen.

Loge: Insgesamt betrachtet ist der Landkreis Dahme-Spreewald mit touristischen Radrouten gut ausgestattet. Aber wir können die Attraktivität weiter erhöhen, wenn wir diese Routen mit Querverbindungen vernetzen. Die Befahrbarkeit dieser Routen ist abschnittsweise verbesserungsbedürftig. Hierbei sind aber unterschiedliche Beteiligte gefordert, denen häufig nicht das Geld zur Wegeverbesserung zur Verfügung steht.
Daneben besteht im Landkreis Dahme-Spreewald aus der Sicht der Bürger vielfach ein starker Wunsch nach Radwegen an stark befahrenen Straßen insbesondere zwischen den Ortschaften. Das betrifft den Alltagsradverkehr.

Radzeit: Das Land Brandenburg leistet eine Anschubfinanzierung von 136 000 € im ersten Jahr für den Aufbau einer Geschäftsstelle. Wo erwarten Sie als AG weitere Unterstützung von der Landesregierung?

Loge: Einerseits in dem Bekenntnis des Landes zur Förderung des Radverkehrs allgemein und insbesondere durch die Bereitstellung ausreichender Finanzen. Andererseits sollten landesgesetzliche Vorschriften zum Bau von Radverkehrsanlagen vereinfacht werden, z. B. im Natur- und Denkmalschutz. Letztlich sollte das Land im Rahmen der Erhöhung der Verkehrssicherheit dafür Sorge tragen, dass deutlich mehr Polizeikontrollen bei den Rad­fahrern durchgeführt werden.

Informationsseite zur AGFK
beim Infrastrukturministerium:
kurzlink.de/YNfAJz4yh