Auf seinem mit spezieller Messtechnik ausgestatteten E-Bike nimmt Stefan Oertelt den Zustand der Radwege an den brandenburgischen Landesstraßen ins Visier. Foto: Katrin Starke

Der Radwegetester

Auf einem mit Navigationsgerät und spezieller Messtechnik ausgestatteten E-Bike ist Stefan Oertelt (62) seit einigen Wochen in Brandenburg unterwegs. Im Auftrag des Landesbetriebes Straßenwesen erfasst der Bauingenieur aus Bayern den Zustand der Radwege an allen märkischen Landesstraßen –  rund 1.000 Kilometer. VON KATRIN STARKE

Bis zu 75 Kilometer radelt Stefan Oertelt täglich durch Brandenburg – was er problemlos auch ohne „Rückenwind aus der Steckdose“ schaffen würde. Die Elektrounterstützung braucht er dennoch – um eine konstante Geschwindigkeit von rund 25 Kilometern in der Stunde beizubehalten. Nur so sind die Messungen, bei denen die Erschütterung des Rades auf den Wegen aufgezeichnet wird, miteinander vergleichbar. Neben dem Gerät zur vertikalen Schwingungsmessung hat der Ingenieur eine Kamera an der Lenkstange angebracht. Jeden Meter des Untergrundes filmt er damit. Macht er Schäden auf und im Belag aus, markiert er diese mittels GPS-Koordinaten in seinen digitalen Aufzeichnungen, die dann mit der Straßendatenbank abgeglichen werden. „Diese genaue Verortung macht es dem Landesbetrieb leicht, die Landesmeister zu den Gefahrenstellen zu lotsen, damit diese beseitigt werden können.“

Auf seinem mit spezieller Messtechnik ausgestatteten E-Bike nimmt Stefan Oertelt den Zustand der Radwege an den brandenburgischen Landesstraßen ins Visier. Foto: Katrin Starke

Auf seinem mit spezieller Messtechnik ausgestatteten E-Bike nimmt Stefan Oertelt den Zustand der Radwege an den brandenburgischen Landesstraßen ins Visier. Foto: Katrin Starke

Hervorgegangen ist das Projekt aus einer Forschungsgemeinschaft des Bundes, die sich mit den „Grundlagen zur Instandhaltung von Radwegen“ beschäftigt. „Wir haben uns ans Projekt angedockt, weil wir den Radverkehr noch stärker ins Alltagsgeschehen integrieren wollen“, sagt Brandenburgs Verkehrsministerin Kathrin Schneider (SPD). Hier sei Brandenburg bereits auf gutem Weg. „Der Anteil des Radverkehrs am Gesamtverkehrsaufkommen liegt bei 13 Prozent – vier Prozent mehr als im Bundesdurchschnitt.“ Den Vorsprung will Schneider ausbauen. „Aber nur wenn die Radwege in gutem Zustand und sicher sind, werden noch mehr Menschen mit dem Rad fahren“, sagt Schneider. Ihr Ministerium setze in diesem Jahr sieben Millionen Euro für Neubau und Erhaltung von Radwegen an Bundes- und Landesstraßen ein.

Nicht zum ersten Mal ist Oertelt in Brandenburg auf Achse. Schon 2013/14 erfasste er die Beschaffenheit der Radwege –  an Bundesstraßen. Sein Fazit seinerzeit nach 964 abgefahrenen Kilometern: 60 Prozent der Radwege schnitten mit „sehr gut“ ab, 20,2 Prozent mit „gut“. 8,1 Prozent bewertete er mit „ausreichend“, nur 4,9 und 6,8 Prozent strafte er als schlecht und sehr schlecht ab. Ein guter Schnitt.

„Die Radwege in Brandenburg sind im Vergleich zu anderen Bundesländern in einem wirklich guten Zustand“, befindet Oertelt. Was nicht verwundert: Das Gros der straßenbegleitenden Radwege wurde erst in den 90er-Jahren gebaut. Im vorigen Jahr untersuchte der Begutachter 900 Kilometer Radwege in Rheinland-Pfalz: „Die Verbindungen zwischen Ortschaften waren teils in katastrophalem Zustand. Oder ohne Sachverstand angelegt.“ Oertelt erinnert sich, wie er über rutschigen Grund schlingerte. „Man hatte einfach Eisenbahnschotter ausgelegt.“

Sein besonderes Lob gilt dem Fläming, der sich bei seinen Wegen überwiegend für Asphaltbelag entschieden hat. „Das bedeutet Komfort.“ Das gesamte Radwegenetz in Brandenburg inklusive der touristischen Routen zu erfassen – auch dazu hätte Oertelt Lust. Baden-Württemberg habe da bereits einen Vorstoß gemacht: „Die wollen ihr gesamtes Radwegenetz von 44.000 Kilometern erfassen lassen.“


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